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Die Simpsons – Der Film
Es dauert einige Minuten, bis der Simpsons-Film vom gewohnten
Fernsehformat zu CinemaScope wechselt, dem Format, das diese Serienfamilie schon
immer verdient hatte. Denn die Simpsons sind, bei aller vermeintlichen Bodenständigkeit,
längst larger than life: ein Massenphänomen, das die Begrenzungen des Bildschirms
sprengt, die Verkörperung des american way of life in all seinen absonderlichen, durchaus auch hässlichen
Eigen- und Abarten. Gleichzeitig sind sich die Simpsons-Macher der Herkunft
ihres ersten Kinofilms jederzeit bewusst; einmal läuft sogar ein Nachrichtentelex
ihres Haussenders Fox durchs Bild, eine selbstironische Note, vielleicht aber
auch der uneingestandene Versuch, diesem ungewohnten Terrain, dem Kino, wieder
einen vertrauten Rahmen zu geben. In der Wahl des Bildformats bleiben Groening
und sein Team allerdings einer inhärenten Logik treu: „Die Simpsons – Der
Film“ beginnt mit einem “Itchy & Scratchy”-Cartoon, einem
der durchgeknalltesten überhaupt - und “Itchy & Scratchy” sind nun
mal immer schon Fernsehen gewesen.
Auch für den fernsehsozialisierten Fan ist es eine
ganz neue Erfahrung, ein anderes zeitliches Erleben sozusagen, den Simpsons
88 Minuten lang – drei Serienfolgen am Stück – beim Zertrümmern und
anschließenden Neuzusammensetzen (dann allerdings etwas unorthodox, so
wie eben auch Homer versucht, ein Puzzle mit dem Hammer zusammenzufügen)
der amerikanischen Werte zuzusehen. Plot, Rhythmus, Tempo, Struktur – das alles
hat nichts mehr mit den generischen Formeln der Sitcom zu tun, die die „Simpsons“
selbst ja oft genug ignoriert haben. Und trotzdem entwickelt der Simpsons-Film
diesen ureigenen, Simpsons-typischen Groove – nur viel länger, ausdauernder
und, das ist ein kleines Wunder, nicht minder atemlos.
In den ersten Minuten klärt sich übrigens schon
die Ursache des ominösen Atomschlags aus dem Kinotrailer, der Fans monatelang
zu wildesten Spekulationen herausgefordert hatte (Homer löst den Dritten
Weltkrieg aus?). Auch eine hübsche Analogie: Im Simpsons-Film ist es wie
im wirklichen Leben. Es kommt immer etwas anders, als man denkt.
Die Selbstreflexivität des Films zieht sich bis
auf die Handlungsebene durch. „Die Simpsons – Der Film“ neigt zu ganz grundsätzlichen Erkenntnissen, wenn
Springfield, die Heimatstadt der Familie, wegen jahrelanger Umweltverschmutzung
schließlich per präsidialem Dekret – Arnold Schwarzenegger! – mit
einer Riesenkuppel, einer Art biodome, versiegelt wird. (Den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen
bringt, liefert natürlich Homer, als er das Jauchesilo seines neues Hausschweins heimlich entsorgt.) Für die Hermetik des Simpsons-Universums
könnte es kein ikonischeres Bild geben. Amerika unter einer Käseglocke.
Das ist natürlich auch ein bissiger Seitenhieb auf Bushs Umweltpolitik.
Lisas Schulvortrag über den Klimawandel trägt in Anlehnung an Al Gore
den vielsagenden Titel „The Irritating Truth“.
Groenings Entscheidung für Cinemascope hat neben
dem Gimmickhaften aber auch durchaus pragmatische Gründe. Das Breitwandformat
ist prädestiniert für die Detailverliebtheit seiner Autoren und Zeichner,
denen die Enge der Fernsehbilder immer gewisse Beschränkungen auferlegt
hat. Der Simpsons-Film nutzt den neu gewonnenen Raum nun auf kongeniale Weise;
Groening und sein Team bedienen sich der vollen Bildbreite für ihre unzähligen
versteckten Anspielungen und Gags – auch da, wo das Fernsehbild nicht hinreicht.
So scheint der panoramische Blick der Simpsons auf Amerika ausgerechnet im Kino
seine ideale Form gefunden zu haben.
Andreas Busche
Dieser
Text ist zuerst erschienen in: epd Film 7/2007
Zu diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere
Texte
Die Simpsons - Der Film
USA 2007 - Originaltitel: The Simpsons Movie - Regie: David Silverman
- Darsteller: (Stimmen) Anke Engelke - FSK: ab 6 - Länge: 87 min. - Start:
26.7.2007
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