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Skrypt
Kryptisch ist „Skrypt“, der Kurzfilm vom Österreicher
Peter Koller, aber darin redundant.
Die Story: Ein konspirativer Kettenraucher mit Zippo-Feuerzeug
und einem Manuskript in der Tasche wird in einer landschaftslosen Landschaft
mit dem Auto abgeholt und in einem kellerlosen Kellerraum von einem anderen
konspirativen Mann darum gebeten, besagtes Manuskript zu lesen. Die Lesung verwandelt
den Kettenraucher (der auf der Straße seine Zigaretten verloren hat) in
ein mal lachendes, mal schreiendes Nervenbündel, wahrscheinlich wegen Nikotinmangels.
Dann wird der konspirative andere Mann weggebeamt und unser Kettenraucher entflammt
endlich eine Zigarette plus das Manuskript, was ihn wohl dazu inspiriert, am
Ende aufgesplittet in drei Personen mittels Fahrzeug in eine landschaftslose
Landschaft davon zu brausen. Damit das Ganze auch sehr mysteriös wirkt,
zuckt schon die Schrift im Vorspann und immer mal wieder erkennt man, dass alles
irgendwie gleichzeitig auf konspirativen Monitoren überwacht wird.
Das Kino Österreichs, und das mag ich an dem
Land, zeigt eine exzessive Leidensbereitschaft und einen illusionslosen Sarkasmus.
Das österreichische Gemeinwesen birgt jede Menge Abgründiges und Nicklichkeiten
nach Belieben, ähnlich wie das deutsche, die Österreicher aber haben
uns voraus, dass sie sich annähernd masochistisch am eigenen Leiden zu
weiden wagen. Haneke, Seidl, Albert, Murnberger gehen den einzig gangbaren Weg:
Sie stülpen den innersten Ekel nach außen. Wie, wenn nicht so, beginnt
man mit der Weltveränderung?
Auch Kollers vierzehnminütiges Opus ist Produkt
österreichischen Psychopathologismus – krank die Idee, krank die Durchführung
– und es kopiert den Typus des coolen Mystery-Thrillers, ein wenig „Matrix“
und ein wenig „Lost
Highway“; das metallische Cyber-Design
und die Art, Special Effects zu setzen, sind also bald schon seit 10 Jahren
aus der Mode.
Im positiven Sinn inspiriert ist der Film dabei leider
gar nicht. Und bei seiner ganzen Geheimniskrämerei begeht er die Top-Sünde
zuerst: Er unterlässt es, Interesse zu wecken. Deshalb wollte ich gar nicht
wissen, was es mit diesem Agenten, mit diesem Skript und diesem Kettenraucher
mit seinem wichtigtuerischen Zippo auf sich hat. Und ich entwickelte nicht die
geringste Lust, mir über diese Figuren und ihre Verquickung den minimalsten
Gedanken zu machen. Für mich aufschlussreicher als der Film ist das mindestens
doppelt so lange „Making Of...“ geworden. Es zeigt echte Österreicher bei
der Arbeit, und da ist er dann doch noch irgendwo auf der DVD verborgen gewesen,
der dokumentarische, harte Sprengstoff des bravourösen neuen österreichischen
Realismus.
Andreas Thomas
Skrypt
Österreich
2006
Produzent:
Alexander Pavlovic
Regie:
Peter Koller
Musik:
Stefan Kusch
Visuelle
Effekte: Jan-M. Studt, Peter Hacker
Drehbuch:
Futz
Kamera:
Peter Koller, Alexander Pavlovic
Darsteller:
Aleksandar Petrovic, Andreas Svolanek, Harald Madner
Anbieter:
www.sazuma.com (DVD: 7,95 Euro)
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