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Die
Spitzenklöpplerin
"Er
ist an ihr vorbeigegangen, ohne sie wahrzunehmen. Denn sie war eine von denen,
die sich nicht bemerkbar machen, die erforscht werden wollen, bei denen man
genau hinschauen muss. Früher hätte ein Maler sie in einem Genrebild
verewigt, als Wäscherin, Wasserträgerin oder Spitzenklöpplerin."
Inhalt:
Die
achtzehnjährige Béatrice (Isabelle Huppert) arbeitet in einem Friseursalon
in Paris als Auszubildende. Anders als ihre extravertierte, lebenslustige Freundin
und Kollegin Marylène (Florence Giorgetti) ist Béatrice unscheinbar,
schüchtern und verschlossen. Als die beiden jungen Damen für einige
Tage in einen Badeort in der Normandie fahren, findet Marylène rasch
Ersatz für ihren bisherigen Liebhaber und lässt ihrer Freundin im
Ferienapartment allein.
Béatrice
hat keine Lust, am Strand zu liegen und isst stattdessen in einem Straßencafé
gelangweilt ein Eis. Da wird der Student François (Yves Beneyton) auf
sie aufmerksam. Er stammt aus einer wohlhabenden Familie vom Ort und benimmt
sich höflich und zurückhaltend. Die beiden jungen Menschen verlieben
sich zaghaft ineinander. François ist Béatrices erster Freund.
Wieder zurück in Paris, zieht sie zu ihm in seine Studentenwohnung.
Seinen
Kommilitonen gegenüber verteidigt François seine Liaison mit einem
mittellosen, ungebildeten Mädchen: Er hält Béatrice für
intelligent und ist überzeugt, dass sie sich weiterentwickeln kann. Immer
wieder versucht er, ihr klarzumachen, dass ihre Berufstätigkeit unbefriedigend
und schlecht bezahlt sei. Sie hört stumm zu, schließt sich seiner
Meinung aber nicht an.
Schließlich
glaubt er zu begreifen, dass sie beide zu verschieden sind, um gemeinsam glücklich
bleiben zu können. François spricht mit Béatrice darüber
und äußert auch seine Enttäuschung darüber, dass sie sich
nicht mit seiner Hilfe geändert hat. Bedauerlicherweise habe sie nicht
verstanden, was er ihr hätte beibringen können. Seinen intellektuellen
Freunden erklärt er, es sei ganz einfach gewesen, mit Béatrice über
die Trennung zu reden, denn sie habe sich in keiner Weise verteidigt oder gewehrt.
Béatrice
zieht sich noch stärker als früher in sich selbst zurück und
spricht selbst mit Marylène kaum noch ein Wort. Sie magert ab und bricht
auf der Straße zusammen, wird in ein Krankenhaus eingeliefert und von
dort einige Zeit später in eine psychiatrische Klinik überwiesen.
Dort besucht François sie nach vielen Monaten einmal, aber sie hört
ihm nur teilnahmslos zu und nimmt dann ihre Handarbeit wieder auf.
Kommentar:
Claude Goretta und Pascal Lainé zeichnen in ihrem
Film "Die Spitzenklöpplerin" das einfühlsame
Porträt einer achtzehnjährigen Friseuse, deren Liebe zu einem Studenten
aus wohlhabender Familie trotz seiner Zärtlichkeit an seinem Unverständnis
und ihrer Sprachlosigkeit scheitert. "Die Spitzenklöpplerin"
ist eine subtile Studie über die Entfremdung zwischen zwei durch Sprach-
und Bildungsbarrieren getrennte Menschen und die bewegende Geschichte eines
klaglosen Verstummens.
Dieter
Wunderlich
Dieser
Text ist zuerst erschienen bei:
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diesem Film gibt’s im archiv
mehrere Texte
Die
Spitzenklöpplerin
Originaltitel:
La dentellière - Regie: Claude Goretta - Buch: Claude Goretta und Pascal
Lainé, nach einem Roman von Pascal Lainé - Kamera: Jean Boffety
- Schnitt: Joële Van Effenterre - Musik: Pierre Jansen - Darsteller: Isabelle
Huppert, Yves Beneyton, Florence Giorgetti, Annemarie Dueringer, Renate Schroeter
u.a. - 1977; 105 Minuten
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