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Der
Stadtneurotiker
Vor
kargem Studiohintergrund spricht Woody Allen sein Lebensmotto in die Kamera:
"Das Leben ist voller Elend, Leid und Kummer - und dann ist es auch noch
viel zu schnell vorbei" - oder ist das gar nicht Woody Allen selbst, der
uns da von der Leinwand herab anblickt und von Beziehungsproblemen und midlife
crisis erzählt? Es ist der New Yorker Komiker Alvy Singer, der - aufgewachsen
in einem Einfamilienhaus unter einer Achterbahn - schon seit der Kindheit von
fatalistischem Gedankengut über Tod und Verderben besessen, überall
nur noch Bedrohung und Feindseligkeit sieht. Nur der New Yorker Komiker Woody
Allen wiederum bringt es fertig, einer solchen Rolle so unglaublich komische
Seiten abzugewinnen. Mit dem "Stadtneurotiker" hat sich Woody Allen
ein Ehrendenkmal im Arsenal der großen tragikomischen Filmfiguren von
Chaplins "Tramp" bis Atkinsons "Mr. Bean" geschaffen.
Der
ganze Film ist eine visualisierte psychoanalytische Sitzung Alvy Singers: Er
grübelt über die Ursachen des Auseinanderbrechens seiner Beziehung
zu Annie Hall nach. Dabei wandert sein Bewußtsein (und damit der Film)
von einem Ereignis zum anderen, folgt den unterschiedlichsten Assoziationen
und formt die realen Ereignisse schon mal nach seinem Wunschdenken um. Die "nervous
romance" wird also keineswegs chronologisch erzählt, sondern springt
von einer Zeitebene zur andern. Die Figuren aus Alvys Erinnerungen gewinnen
aber im Laufe des Films ein Eigenleben, evozieren bei ihm eine plötzliche
Einsicht, die uns Alvy auch sogleich mitteilt. Nur Annie Hall aber - und deswegen
ist die in dieser Rolle einfach umwerfende Diane Keaton die eigentliche Hauptfigur
des Films - emanzipiert sich so vollständig von Alvys Erinnerungs-Kontinuum,
daß sie, in gleichem Maße wie sich Annie im Verlauf der Handlung
zu einer unabhängigen und selbtsbewußten Frau entwickelt, eine eigene
Identität und eigenes Bewußtsein erlangt. Für all das greift
Allen ganz tief in die filmische Trickkiste und läßt von Doppelbelichtung
(Annies Geist verläßt beim Sex gelangweilt ihren Körper) über
Split-Screen-Szenen bis hin zu Zeichentrickfiguren (Alvy verliebt sich in die
böse Hexe aus "Schneewittchen") nichts unprobiert. Sein gemeinsam
mit Marshall Brickman verfaßtes Drehbuch, daß von Gags und satirischen
Seitenhieben aller Art nur so starrt, aber auch Raum für schöne romantische
Momente läßt, macht Annie
Hall
zu einem Hochgenuß.
Johann
Georg Mannsperger
Dieser
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Zu
diesem Film gibt’s im archiv
mehrere Kritiken
Der
Stadtneurotiker
(Annie
Hall, 1977)
Premiere:
20. April 1977 (USA)
Dt.
Start: 20. April 1977
Regie:
Woody Allen
Drehbuch:
Woody Allen & Marshall Brickman
Land:
USA
Länge:
93 min
Darsteller:
Woody
Allen (Alvy Singer), Diane Keaton (Annie Hall), Tony Roberts (Rob), Carol Kane
(Allison), Paul Simon (Tony Lacey), Shelley Duvall (Pam), Janet Margolin (Robin),
Colleen Dewhurst (Annies Mutter), Christopher Walken (Duane Hall), Donald Symington
(Annies Vater), Helen Ludlam (Annies Oma), Mordecai Lawner (Alvy's Vater), Joan
Newman (Alvy's Mutter), Jonathan Munk (Alvy mit 9), Ruth Volner (Alvy's Tante)
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