Starship Troopers
STARSHIP
TROOPERS wird beworben als der neue Film des Regisseurs von ROBOCOP
und TOTAL
RECALL.
Keine Verweise auf Paul Verhoevens heißdiskutierte letzte Filme BASIC
INSTINCT
und SHOWGIRLS. Und eine Zukunftsvision, das ist genau die Richtung, in die der
Film zielt. Auf ausschweifende Nacktszenen wird hier verzichtet. Nur eine kollektive
Duschszene und eine kurze Sexszene schweifen von der straighten Handlung ab.
Denn
schließlich geht es mal wieder um die Rettung der Welt. STARSHIP TROOPERS
spielt im 23. Jahrhundert, die Welt wird von einer Militärbehörde
regiert. In der Romanvorlage von Robert Heinlein aus dem Jahr 1959 hat diese
Regierung noch ganz deutlich faschistische Züge, was im Film unwichtig
erscheint. Es gibt in dieser Zukunftswelt also zwei Arten von Menschen: Bürger
und Soldaten. Die jungen Helden der Geschichte haben gerade ihren High-School-Abschluss
gemacht und beschließen allesamt einen Militärdienst abzuleisten.
Der hübsche Johnny Rico tritt der mobilen Infanterie bei, um seiner Freundin
Carmen, die sich zur Raumschiffpilotin schulen läßt, zu imponieren.
Das zweite hübsche Mädel Dizzy findet sich in der selben Infanterie-Abteilung
wieder wie Johnny, und der vierte im Bunde, Carl, taucht dank seiner telepathischen
Fähigkeiten in einer Führungsetage unter. Wegen seiner Militärausbildung
überwirft sich Johnny mit seinen Eltern in Buenos Aires. Er macht sich
allerdings richtig gut, wird schon bald zum Kompanieführer. Dann bricht
das Chaos über Johnny her: seine Freundin Carmen trennt sich per Videoübertragung
von ihm, ein Mitglied seiner Kompanie wird durch Johnnys Verschulden bei einer
Übung getötet und schließlich radieren die ausserirdischen Erzfeinde,
die Insekten von Klendathu, ausgerechnet Buenos Aires aus. Also kehrt Johnny
zu seinem eben quittierten Militärdienst zurück und der Krieg beginnt.
Die
Erdlinge rüsten zum Gegenschlag. Die Infanterie greift den Planeten P an.
Aber sie haben ihre Insektengegner gründlich unterschätzt. 100.000
Mann sterben bei dieser Aktion, auch Johnny überlebt nur knapp. Nach seiner
Genesung geht der Kampf gleich weiter. Unter der Leitung seines ehemaligen Highschool
Lehrers Rasczak landen die Troopers wieder auf Klendathu. Sie müssen es
hier mit einer Übermacht von Käfern und Schaben aufnehmen und den
"intelligenten" Käfer finden, der die Angriffe der Insekten steuert.
Immer wieder neue Monster tauchen auf, und es schaut einige Male richtig schlecht
aus für die Menschheit. Dass sich zu dieser Kriegshandlung auch noch einige
zwischenmenschliche Verstrickungen ergeben, lässt sich nicht vermeiden.
(Aber Achtung: tragisch!) Das Thema Liebe nimmt in Verhoevens Film aber wirklich
eine zweitrangige Stellung ein, denn STARSHIP TROOPERS ist ein astreiner Kriegsfilm.
Die Kämpfe der Infantrie auf unwegsamen Planeten gegen die unmenschlichen
Insekten wirken wie überdrehte Szenen aus Zeiten eines ersten Weltkriegs.
Die überdimensionalen Küchenschaben wirken, trotz sorgfältiger
Computeranimation, seltsam irreal. Gerade das macht den Film aber erst so richtig
sehenswert. Denn ein furchtbar ernst inszenierter Kampf zwischen zwei Welten,
dazu Menschen, die aufgespießt werden von einem völlig indiskutablen
Gegner und später in ihren Einzelteilen am Boden zerstreut liegen, das
wirkt äußerst seltsam, und immer mehr wirkt dieses Szenario amüsant.
Spätestens wenn am Ende die telepathisch veranlagte Führungsetage
in ihren Gestapomänteln auftaucht, kann man diesen Film nicht mehr ernst
nehmen.
Stellt
sich die Frage, ob Paul Verhoeven all die patriotischen, amerikanischen Details
dieses Films ernst nimmt oder ironisieren will. Es gibt die jungen, hübschen
Beverly-Hills-look-a-like Darsteller, das unmenschlich harte Ausbildungslager
für die angehende Infanterie, eine starke Lehrer-Schüler-Beziehung
und viele andere typisch amerikanisch, patriotische Anzeichen. Dazu kommen noch
regelmäßige Einblendungen eines fiktiven Multimedia-Senders “Fed
Net”. Hier werden Werbung für die Armee und die neuesten Nachrichten verbreitet,
und dies auf unbestreitbar belustigende Art und Weise. Nehmen wir also an, Paul
Verhoeven ist es wirklich gelungen, mit all diesen Amerikanismen zu spielen,
dann kann man sich gemütlich zurücklehnen und den wahrscheinlich teuersten
Trashfilm des Jahres so richtig geniessen.
Tobias
Lehmann
P.S.:
Auch bei diesem Film scheint sich ein trauriger Trend fortzusetzen. Nachdem
Ende der Achtziger die deutsche Kino-Zensur langsam ausgestorben schien, kehrt
sie mittlerweile zurück wie ein verwester Nebendarsteller in einem Romero-Film.
Jüngst forderte die Rücksichtnahme auf die FSK bereits Opfer in SCREAM
und ALIEN:
RESURRECTION,
und wie der Verleih verlautbaren ließ, wird es in der deutschen Fassung
von STARSHIP TROOPERS ebenfalls drastische Schnitte geben - es war die Rede
von üppigen 10 Minuten.
Ein
Grund mehr, sich lieber die Originalfassung anzusehen.
Diese
Kritik ist zuerst erschienen bei:
Starship Troopers
USA
1997 - 132 Minuten -
Regie:
Paul Verhoeven
Kamera: Jost Vacano
Drehbuch:
Robert A. Heinlein
Besetzung:
Casper Van Dien, Dina Meyer, Denise Richards, Jake Busey