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Superhero
Movie
Deviationen
der Flatulenz
Es gibt eine Szene in Menace
II Society, dem 93er Ghettodrama
der Hughes-Brüder, in der ein Cracksüchtiger mit einer Tüte Cheeseburger
in der Hand süchtig stammelnd seinen Dealer zu überreden sucht, ihn
mit den angepriesenen Fast-Food-Naturalien bezahlen zu dürfen. Dann gibt
es eine Szene in Hip Hop
Hood, dem 96er Ghettofilm-Spoof
mit den Wayans-Brüdern, in der ein Cracksüchtiger mit einer Tüte
Cheeseburger in der Hand süchtig stammelnd seinen Dealer zu überreden
sucht, ihn mit den angepriesenen Fast-Food-Naturalien bezahlen zu dürfen.
Letztere soll witzig sein, denn: Die Originalszene wurde mit schlechten Schauspielern
affig nachexerziert; doch dann ist auch schon Schluß mit lustig.
Superhero Movie,
erwartungsgemäß Ramsch der untersten Güte, nimmt sich, wie der
Titel verrät, in ebensolch unkreativer Manier Superheldenfilme vor und
hält sich dabei weitestgehend an den ersten Teil von Raimis Spiderman-Trilogie. Man sieht also einen Spoof-Parker
einer Spoof-Mary Jane nachstellen, gegen lieblos nachgestellte Spidermansets
laufen und gegen einen Spoof-Green Goblin kämpfen. Ab und an wird gefurzt,
und hurra: eine Ausdünstung sogar angezündet. Warum so ein Humbug
gedreht wird, ist klar: Die Zielgruppe dieser Art Filme – geistig noch im Fruchtwasser
planschende Jugendliche – ist erschreckend groß und bescherte daher den
Scary-, Date- und Epic Movies dieser Welt absurde Einspielergebnisse. Überraschend
ist auch, wie es das Team um Regisseur Craig Mazin geschafft hat, ein Budget
von etwa 35 Millionen Dollar so zu investieren, daß es im Endprodukt kaum
ersichtlich ist. Die Effekte liegen unmerklich über dem, was geschulte
Amateurfilmer in »Adobe After Effects« zustande bringen, und die
vor der Kamera hampelnden Jungs und Mädels dürften auch nicht sehr
kostspielig gewesen sein.
Man muß sich über all das natürlich
nicht wirklich aufregen, schließlich wird niemand gezwungen, sich derartige
Machwerke anzusehen, doch wenn plötzlich einer der Nicht-Schauspieler Stephen
Hawking imitiert und mit computergenerierter Stimme eine Frau sexuell belästigt,
wird’s unschön. Gegen was wird hier eigentlich geschossen? Selbstverständlich
genießt die Satire als Kunstform eine große Fülle an Freiheiten,
diesen höheren Anspruch erhebt der Film aber nicht. Hier wird auf Behinderten
rumgehackt, lediglich um zu zeigen: Leute, wir sind respektlos, wir trauen uns
was. Trotz allem bleibt das Ärgerlichste immer noch der komplette Mangel
an Ideen und die Unlustigkeit, welche die Schöpfer auszeichnet. In den
früheren Zucker-Filmen gab es stets auch im Bildhintergrund etwas zu entdecken.
Liebevoll gestalteter Quatsch war das, mit einer zwar nicht immer hohen Trefferquote,
doch die Knaller brachten noch Tage später den einen oder anderen Schmunzler
zutage. Superhero Movie hingegen ist in etwa so lustig wie eine
Heinrich Breloer-Werkschau.
Jakob Stählin
Dieser Text ist zuerst erschienen im: schnitt
Superhero
Movie
USA 2008. R,B: Craig Mazin. K: Thomas E. Ackerman. S: Craig Herring. M: James L. Venable. P: Dimension
Films. D: Drake
86 Min. Senator ab 24.7.08
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