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Tampopo
Nudelsuppe
mit Fleisch, Nudelsuppe pur, Nudelsuppe mit Schwein, mit Huhn oder Fisch, Nudelsuppe
Wan Tan, Nudelsuppe mit Gemüse. Nach dem Sehen von Juzo Itamis Tampopo
fühlt man sich ein wenig an die Szene in Forrest
Gump
erinnert, in der Bubba dem Helden eine ellenlange Liste verschiedener Möglichkeiten
aufzählt, Shrimps zubereiten.
In
Tampopo
geht es ums Essen. Meistens um Nudelsuppe. Keine Szene, in der nicht ein gefüllter
Teller malerisch ins Licht gerückt wird, in der nicht über die Zubereitung
einer kulinarischen Köstlichkeit philosophiert oder die korrekten Tischmanieren
geplaudert wird. Keine Szene, in der nicht gekocht oder gespeist wird oder beides,
in der nicht Rezepte verraten, ausspioniert oder getestet werden; in der nicht
Küchen gebaut, Töpfe gehievt, Schweineköpfe zerschnitten oder
Lauch gehackt wird. Tampopo
ist eine Liebeserklärung an die japanische Küche, aber auch an den
sinnlichen Akt des Essens als solchen. Eigentlich sind alle Szenen in Tampopo
Liebesszenen. Affären mit der Nahrung haben sie alle, die Protagonisten,
wenn sie ihre Speisen schlürfen, einsaugen und schmatzend vertilgen. Auch
plakativere Liebesszenen gibt es in Tampopo,
und auch in ihnen spielt die Nahrung die eigentliche Hauptrolle. Wenn die beiden
Verliebten sich zärtlich einen rohen Eidotter gegenseitig von einem Mund
in den anderen gleiten lassen, so lange, bis er schließlich zerplatzt
und die gelbe Flüssigkeit an Mund und Kinn der Schauspielerin herabtropft,
weiß man, was man verpaßt, wenn man nicht regelmäßig
Obst und Gemüse ins Liebesspiel mit einbezieht. Auch der Tod, neben der
Liebe das andere große Thema der narrativen Künste, wird mit Nahrung
verbunden.
Wenn
die Familienmutter vor ihrem Ableben mit letzter Kraft das letzte Mahl für
ihre Familie zubereitet, und diese dann, die Leiche der nach dem Kochen Verstorbenen
neben sich, ihr damit die letzte Ehre erweist, das Mahl zu verspeisen, bevor
es kalt wird, dann ist das einerseits zwar voller skurriler Tragik, andererseits
aber eben auch erfüllt mit dem tiefen Respekt einer ganzen Kultur vor dem
Akt des Speisens.
Die
Handlung von Tampopo
erinnert an die eines Westerns. Der einsame Held hilft der ebenso einsamen verlassenen
Frau auf der heruntergekommenen Ranch, diese auf Vordermann zu bringen und zu
verteidigen, um dann am Ende das Feld zu räumen für den zurückgekehrten
geläuterten Ehemann und zurückzureiten in den Sonnenuntergang. In
Tampopo
ist es keine Ranch, sondern ein Suppenrestaurant und kein Cowboy, sondern ein
Lastwagenfahrer mit Cowboyhut). Diese Story ist allerdings lediglich Aufhänger
für unzählige kleinere und größere Geschichten rund ums
Essen, erzählt mit augenzwinkerndem Humor und zarter, wenn auch manchmal
ein wenig oberflächlich bleibender Figurenbeschreibung. Die Aufnahmen in
Tampopo
sind wunderschön, die traditionell wirkende japanische Ästhetik spielt
mit der Flächigkeit des Filmbildes, mit den zahlreichen Musterungen von
Licht und Schatten, mit den Figuren im Raum, die sich manchmal bewegen wie die
Schatten von Scherenschnitten über die weiße Fläche eines Vorhangs.
Es
macht Spaß, zuzusehen wie Itami in seinem Film bis zur letzten Konsequenz
alle Bereiche des Lebens auf einen gemeinsamen, verbindenden Nenner bringt.
Diese Reduktion auf einen einzelnen Aspekt wirkt demokratisch, weil sie uns
alle gleich macht, gleich im Angesichte der Nahrung, und sie macht Spaß,
weil sie uns Aspekte vor Augen hält, Aspekte einer alltäglichen Handlung,
die wir beinahe Gefahr gelaufen wären, zu vergessen.
Benjamin
Happel
Diese
Kritik ist zuerst erschienen in:
Zu diesem Film gibt es im archiv der filmzentrale mehrere Texte
Tampopo
TAMPOPO
Japan 1986. R+B: Juzo Itami. K: Masaki Tamura. Sch: Akira Suzuki.
M: Kunihiko Murai. T: Fumio Hashimoto. A: Takeo Kimura. Ko: Emiko Kogo. Pg: Itami Productions/New Century Producers. P: Iuzo Rann, Yasushi
Tamooki, Seigo Hosogoc. V: Kinowelt. L:
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