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Tanguy
- Der Nesthocker
"Du
bist so süß, du kannst immer hier bleiben ...!" Ein Satz, der
jeder Mutter rausrutschen könnte. Als der zu spät geborene Nachzügler
Tanguy dieses Angebot ernst nimmt, wird es erst komisch, dann dramatisch und
dann bitter-schwarz. Mit 28 Jahren wohnt er noch bei den wohlhabenden Eltern
Paul und Edith. Es steht ja noch eine Dissertation aus und demnächst will
der brillante, hoch dotierte Sinologe 18 Monate nach Peking. Da lohnt es sich
doch nicht, eine eigene Wohnung zu suchen! Bei solchen Sprüchen kämpft
Edith regelmäßig mit explodierender Magensäure und wenn Sabine
Azema dies spielt, sind ihr Lacher sicher. Als sich die liebenden Eltern endlich
gegenseitig eingestehen, dass sie es - Tanguy - nicht mehr aushalten, gehen
die Schwierigkeiten erst richtig los. Denn der Schmarotzer und hassenswerte
Schnösel, der sich selbstverständlich die Wäsche machen und bekochen
lässt, Mamas Auto leiht und jede Nacht eine andere Frau lautstark beherbergt,
erweist sich als hartnäckig und standfest. Nun folgen heimtückische
Anschläge, Lärmattacken, gar körperliche Angriffe, die im Erfolgsfall
gemeine Freude bei Eltern und Publikum auslösen. Paul und Edith verjagen
die flott wechselnden Freundinnen und amüsieren sich herrlich dabei. Doch
der Nesthocker antwortet mit Panikattacken, die Mamas Herz wieder erweichen
...
Der
neue Film von Etienne Chatiliez ("Tante Danielle", "Das Leben
ist ein langer ruhiger Fluss") zeigt inhaltlich und formal deutliche Anleihen
beim niederländischen Meisterwerk "Abel" von Alex von Warmerdam
- selbst der Blick aus dem Fenster auf Paris, hat die gleiche Künstlichkeit
wie Warmerdams Kulissen-Amsterdam. Doch im Vergleich zu "Abel" reitet
"Tanguy" die eine kuriose Situation tot. Zwar eskaliert der Befreiungsversuch
der Eltern, zwar geht es mal vor Gericht und dann tatsächlich in eine kleine,
eigene Wohnung, doch was Neues passiert lange nicht. Erst ein zielloses, unklares
Ende kann wieder überraschen, leider nicht positiv. So leidet die im Ansatz
sehr treffende Gesellschaftskomödie mit ganz hervorragenden Schauspielern
und gut auf Pointe geschnittenen Szenen unter einer nachlässigen Ausarbeitung
des Buches.
Günter
H. Jekubzik
Dieser
Text ist zuerst erschienen bei:
Tanguy
- Der Nesthocker
Frankreich
2001 - Originaltitel: Tanguy - Regie: Etienne Chatiliez - Darsteller: Sabine
Azéma, André Dussollier, Eric Berger, Hélène Duc,
Aurore Clément, Jean-Paul Rouve, André Wilms, Roger Van Hool,
Nathalie Krebs - FSK: ab 6 - Länge: 108 min. - Start: 30.5.2002
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