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Tanz der Vampire
Polanskis weltberühmter Vampirfilm
ist weniger eine komische Auseinandersetzung mit dem Vampirfilm, wie immer gern
behauptet wird und deswegen auch keine Vampirfilmparodie, sondern mehr eine
Hommage an den klassischen Slapstick berühmter Stummfilmkomiker wie Laurel
und Hardy und sogar Chaplin, die bis ins schönste Detail ausgefeilt ist.
Polanski interessiert sich nämlich nicht für den Mythos, sondern setzt
seine Gesetzmäßigkeiten einfach voraus, um ein Plattform für
seine Handlung zu haben. So finden sich auch keinerlei Anleihen bei Klassikern
wie "Dracula", sondern er erschafft vor der Kulisse Transsylvaniens
seine ureigenste Fassung. Und die ist so simpel wie effektiv, wenn ein im Vampirismus
bewanderter, leicht trotteliger Mummelprofessor und sein furchtsamer tolpatschiger
Assistent in einem Dorf in den Karpaten einfallen, um dort den Vampiren auf
die Spur zu kommen, wobei sie auf dem Schloß der Familie Krolock schließlich
in einen Ball der Blutsauger platzen, weil sie die Tochter ihres Wirts retten
wollen.
Der Film bietet einen sehr in
sich geschlossenen Kosmos, da die Handlung ausschließlich auf den Gasthof,
die verschneite Wildnis drumrum und das Schloß der Krolocks beschränkt
bleibt. Auch bietet das Script keine wirklich runde Geschichte an, sondern präsentiert
das Geschehen als eine Art wichtiger Episode, ein Kapitelchen, daß sich
zu erzählen lohnt. Dabei geht es weder um Aufklärung oder Grusel,
weder um Spannung noch um das Erreichen des Ziels. Polanski hat einfach Freude
an seinen skurrilen Figuren und ihren erfolglosen Bemühungen, die Vampire
aufzuhalten. So ist denn der Aufenthalt in der Herberge eine schier endlose
burleske Verfolgungsjagd, komplett mit nackten Damen in Wannen, dicken Frauen
mit Nudelhölzern, Tür-auf-und Tür-zu-Gerenne, mißlungenen
Schlägereien und diversen Slapstickunfällen, zumeist zu Lasten unserer
Helden.
Nach einer ebenfalls reichlich
dilettantischen Verfolgungsjagd im Schnee, geht die Rennerei im Vampir-Schloß
dann weiter, ganz gemäß klassischer Vorbilder. Ambronsius Steckenbleiben
in einem Gruftfenster ist reinstes Laurel und Hardy, während Jagdszenen
mit dem schwulen Vampirsohn in die Gründungstage der Filmkomödie zurückreichen.
Verstärkt setzt Polanski dabei auf beinahe stumme Sequenzen, in denen nur
Keuchen oder Poltern zu hören ist, eine weitere Referenz an das "Golden
Age of Comedy". Bisweilen mischt sich zwar ein modernere Note in das Geschehen,
wenn Ambronsius über Fledermäuse doziert und sich zum Affen macht,
der Vampirsohn Alfred Avancen macht oder der Gastwirt sich um seinen Schlafplatz
streiten muß, weil das glöcknerhafte Faktotum ihm keinen Platz in
der Gruft gönnte, doch das sind eher Fußnoten in einem sonst hervorragenden
Zusammenspiel.
Jack McGowran ist ein wunderbar
mummeliger Professor, während Polanski als schussliger Alfred durchaus
eine gute Figur macht. Hoheitlich Ferdy Maynes Graf Krolock und Alfie Bass'
"Shagal", der Gastwirt,reißt fast jede Szene an sich. Sharon Tate ist hübsch anzusehen,
wirkt aber in ihrer der sonst albernen Handlung in ihrer entrückten Rolle
seltsam deplaziert. Wunderbar auch der schwebende,
klagende Score, der über dem Geschehen
und bisweilen in eine muntere Verfolgungsjagdmusik übergeht, aber stets
zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Eine "verloren" wirkende Musik,
die in der verschneiten Einöde wie die Faust aufs Auge paßt und das
einzige wirklich gruselige Element bietet. Ein Schmanckerl nebenbei der gezeichnete
Vorspann mit einem fliegenden, bzw. rinnenden Blutstropfen.
Ebenfalls bemerkenswert, die bisweilen
kristallklaren Bilder mit ihren knalligen Farben, die detailgetreue Ausstattung
und viel Liebe für kleine Extras. Wenn es etwas zu bemängeln gibt,
sind das ein paar extrem billige Rück-Pros bei der finalen Verfolgungsjagd
im Schnee und die schwächelnde Synchronisation, die einigen Gags und den
wunderbaren Dialekten leider den Garaus macht. Wen allerdings Hauptdarsteller,
die nun gar nichts hinbekommen, nerven, sollte diesen Klassiker tunlichst meiden.
Alle übrigen dürfen sich auf einen vergnüglichen Streifen freuen
mit vielen kleinen, witzigen Stellen (die dankbarerweise nicht nacherzählt
werden können, sondern die man sehen muß), der filmhistorisch gesehen
sicherlich eine Ausnahmestellung einnimmt.
Sylvan Prefetzky
Dieser Text ist
zuerst erschienen in:
Tanz
der Vampire
DANCE
OF THE VAMPIRES
THE
FEARLESS VAMPIRE KILLERS OR PARDON ME, BUT YOUR TEETH ARE IN MY NECK
THE VAMPIRE KILLERS
England / USA - 1967 - 108 (Orig. 118) min. – Scope - Erstaufführung:
1.12.1967/3.12.1973 ZDF/1.3.1986 DFF 2 - Produktion: Gene Gutowski
Regie: Roman Polanski
Buch: Roman Polanski, Gérard Brach
Kamera: Douglas Slocombe
Musik: Krzysztof Komeda
Schnitt: Alastair McIntyre
Darsteller:
Jack MacGowran (Professor Abronsius)
Roman
Polanski (Alfred, sein Assistent)
Sharon Tate (Sarah)
Ferdy Mayne (Graf von Krolock)
Terry Downes (Koukol)
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