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Taxi
Driver
Ein
Mann am Kreuzweg
typ
kommt aus dem krieg zurück, geht in die großstadt, sucht sich 'nen
job. taxifahrer. leute kotzen ihm ins taxi. taxifahren kotzt ihn an. die großstadt
ist ein moloch. er fühlt sich zu höherem berufen. was genau, weiß
er nicht. schlaflos, kopfschmerzen, pornokino. manchmal nachtschichten. endlos
ziehen die tage vorbei. ein tag ist genau wie der andere, unterscheidet sich
durch nichts. eine endlose kette ins nichts. taxifahren. die großstadt
ist ein moloch. die kollegen haben innerlich resigniert, reißen sprüche,
haben vorurteile. bloß nicht nachdenken. travis bickle hasst seinen job.
kopfschmerzen, aussichtslos. krise. alle sind so cool, dreschen phrasen. die
großstadt ist ein moloch. travis lernt 'ne frau kennen: wahlhelferin.
gelegentliche treffen. dazwischen: taxi-fahren. nachtfahrten. scheiß-job.
die großstadt ist ein moloch: die leute sind so furchtbar cool. travis
passt nicht rein. das alles ist so... schwer zu sagen. kopfschmerzen. schlaflosigkeit.
fernsehen. noch mehr taxi-fahrten. treffen mit der wahlhelferin. der politiker
heißt pallantine. die frau heißt betsy. treffen im cafe. hoffnung.
verabredung fürs kino. pornokino, wie immer. frau flieht. travis will sich
entschuldigen. uns trennen welten. travis passt wieder mal nicht rein. das alles
ist so... betsy nimmt die entschuldigung nicht an. sie ist wie alle anderen.
alle sind so furchtbar cool. taxifahren. taxifahren und fernsehen. die großstadt
ist ein moloch. endlos ziehen die tage vorbei. krise. das kann doch mal passieren,
sagt der kollege. klar, aber mich hat es ziemlich schlimm erwischt. der job
beeinflusst dich. macht aus dir was du bist. das alles ist so... schwer zu sagen.
travis ist ein wrack. passt nicht rein. fühlt sich zu höherem berufen.
taxifahren. nachtfahrt. die großstadt ist ein moloch: zuhälter zerrt
kinderhure aus dem taxi. familienstreit, es ist nichts passiert, gibt ein trinkgeld.
taxifahren und fernsehen. taxifahren, kopfschmerzen, fernsehen: die politiker
sind so verdammt cool und dreschen phrasen. das alles ist so... schwer zu sagen.
kopfschmerzen. i'm gonna get organize..ized... taxifahren. endlos ziehen die
tage vorbei. es muss sich was ändern. ab heute beginnt die totale mobilmachung.
jeder muskel muss wieder hart werden. taxifahren. die großstadt ist ein
moloch: der irre im taxi drischt keine phrasen. er will seine frau töten.
travis kauft sich eine waffe. mehrere waffen. travis passt nicht rein. redest
du mit mir? hier ist ein mann, der sich nicht mehr alles gefallen lässt.
hier ist ein mann, der sich wehrt. die großstadt ist ein moloch: kiosk
wird überfallen. travis erschießt den dieb. hat keinen waffenschein.
kein problem, der ladenbesitzer ist so verdammt cool (außerdem war es
bloß ein neger). verdammte schweine, schon der fünfte überfall
in dem monat: dem wird er es zeigen. die großstadt ist ein moloch. kopfschmerzen.
wann war noch mal der geburtstag der eltern? i'm gonna get organiz..ized...
taxifahren. alle sind so verdammt cool. auch die security für pallantine.
travis fühlt sich zu höherem berufen: secret service, das wäre
was. ein regierungsauftrag. aber der securitymann ist so verdammt cool. das
ist alles so... kopfschmerzen, taxifahren, kopfschmerzen. der einsamste mann
gottes. i'm gonna get organiz..ized... ich habe da so ein paar ideen... brief
an die eltern: der auftrag, den ich von der regierung bekommen habe, ist streng
geheim. natürlich hat er auch ein mädchen: er ist so verdammt cool.
taxifahren (die großstadt ist ein moloch), fernsehen (politiker dreschen
phrasen), kopfschmerzen. das ist alles so... das ist doch alles scheiße:
die großstadt ist ein moloch. travis hat da so eine idee... wahlkampfveranstaltung:
pallantine drischt phrasen. die kreuzweg-rede: dass wir hier stehen, ist kein
zufall. travis hat eine waffe. er ist so verdammt cool. die großstadt
ist ein moloch. travis ist zu höherem berufen: eines tages wird ein großer
regen kommen... die security ist auf der hut: travis flieht. die großstadt
ist ein moloch: travis ist der einsamste mann gottes...
Der
Regisseur Martin Scorsese zeigt das Abgleiten eines einfachen Mannes in den
Wahnsinn.
Das
Taxi ist sein Kokon - zugleich sein Gefängnis, und sein Ort der Sicherheit
im Moloch der Großstadt.
Das
nächtliche New York, mit seinen Neonlichtern, seinen Slums und seinen Straßen
wird zum Sinnbild der Hölle. Das sind die Bilder.
Ebensowichtig
ist der Ton: Die Musik - depressiv, verstört, distanziert. Die Geräusche
- höllischer Straßenlärm unterdrückt durch die Scheibe
des Taxis.
Einzigartig
die Stimmung: Gedrückt, verstörend, distanziert durch den fast schon
surrealen Gesamteindruck aus Ton, Bild und Musik.
Ebenso
distanziert: Travis Bickle's Tagebucheinträge aus dem Off.
Schließlich
startet Bickle (brilliant: Robert de Niro) in einen blutigen Ein-Mann-Feldzug,
um die Kinderhure Iris (ebenso brilliant: Jodie Foster) aus den Fängen
ihres Zuhälters (gut: Harvey Keitel) zu befreien. Was ihm sogar gelingt.
Mehr noch: Der Totschläger wird zum Held. Zumindest in den Augen der Eltern
und der Zeitungen.
Die
Großstadt ist und bleibt eben ein Moloch.
Und
zum Schluss sieht man Bickle wieder Taxifahren...
Man
hat Scorsese wegen dieses Films Verherrlichung von Selbstjustiz vorgeworfen.
- Völliger Schwachsinn:
Das
scheinbare Happy End ist bei Weitem kein Happy End. Oberflächlich betrachtet
hat dieser durch die Gewalt des Krieges und die Gleichgültigkeit der Großstadt
Entfremdete zwar gerade durch die Gewalt wieder in die Gesellschaft zurückgefunden.
Doch zeigt gerade dieses Ende, wie eine gleichgültige Gesellschaft der
Gewalt gegenübersteht.
Und
überhaupt ist es völlig falsch, das Ende einer Geschichte für
ihr wichtigstes oder aussagekräftigstes Segment zu halten.
Der
befreiende Amoklauf Bickles gegen Ende des Films (und die Kamerafahrt durch
den blutverschmierten Gang lässt sich in der Tat als Symbol für die
Wiedergeburt des Anti-Helden und seine Re-Initiation in die Gesellschaft verstehen)
ist trotz aller (fast schon surreal anmutender, evtl. gar nicht der Realität
sondern dem kranken Geist eines sterbenden Psychopathen entspringenden[?]) Schönfärberei
nicht mehr als sein Plan B gewesen, nachdem der Attentatsversuch auf den Politiker
Pallantine fehlgeschlagen ist. Denn dass er selbst bei diesem Attentat drauf
gehen wollte, steht außer Frage: "Wenn Du das liest, bin ich schon
tot" hat der in pubertäre Todesromantik zurückgefallene Möchtegern-Märtyrer
in seinem Brief an Iris geschrieben (und ihr sein Erspartes mitgeschickt, welches
ihr ermöglichen soll, sich von ihrem Zuhälter zu trennen; bloß
verkennt der emotional völlig verkorkste Travis dabei, dass Iris von diesem
nicht nur finanziell sondern vor allem emotional abhängig ist).
Scorsese
zeigt mit seinem TAXI-DRIVER, wie schmal der Grat zwischen Weltschmerz und Frustration
einerseits und (selbst-)zerstörerischem Wahn andererseits ist; aber auch,
dass ein ebenso schmaler Grat in der öffentlichen Wahrnehmung existiert,
nämlich der zwischen Verbrechern und Helden:
Es
ist eine tragische Ironie (die leider vielen Kritikern entgangen ist), dass
der Politiker Pallantine seine pathetische, inhaltsleere Kreuzweg-Rede ausgerechnet
in dem Moment hält, indem Travis Bickle tatsächlich am Kreuzweg (zwischen
den sich in den Augen der Öffentlichkeit ausschließenden Schicksalen
eines "wahnsinnigen Attentäters" und eines "amerikanischen
Helden") steht.
Travis'
Beweggründe, Iris aus den Fängen ihres Zuhälters zu befreien,
liegen auf der Hand.
Die
Triebkräfte hinter seinem "Plan A" dagegen bleiben diffus.
Gerade
dadurch, dass Scorsese hierzu keine einfachen Erklärungen (sondern allenfalls
widersprüchliche Andeutungen) anbietet, legt er den Finger in die Wunde.
Sein Film wirft Fragen auf, die durch das eher unwichtige Ende seines Films
weder beantwortet noch relativiert werden:
Was
wollte Bickle mit seiner Aktion erreichen?
Glaubte
er sich vom Opportunisten Pallantine verraten? Wollte er Betsy bestrafen, indem
er ihren Kandidaten mordete? Ging es ihm einzig und allein darum, bei einem
Amoklauf in der Öffentlichkeit abzutreten um endlich die ihm bislang verweigerte
Aufmerksamkeit zu erringen? Oder sollte sein Mordanschlag mit der anschließenden
Erschießung des Attentäters durch die Sicherheitskräfte ein
politisches Zeil haben; wollte er mit der Ermordung Pallantines gar einen Märtyrer
für die Prinzipien von Law and Order kreieren und dabei durch seine Verkleidung
als Punk dafür sorgen, dass die Aufmerksamkeit der Politik endlich auf
den gefährlichen menschlichen Abschaum der Großstadt gelenkt wird?
Schon zuvor hatte er Pallantine ("seinem" Mann) versichert, man müsse
in New York endlich einmal aufräumen.
Nicht
zuletzt stellt Scorsese auch die Frage:
Was
genau macht den Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Mörder, einem
wahnsinnigen Fanatiker und einem moralisch handelnden Bürger aus?
So
hat TAXI DRIVER, trotz seiner scheinbaren Eindeutigkeit, zumindest auf der Bedeutungsebene
ein offenes Ende, und lässt sich nicht einfach als ein plumpes Plädoyer
für die Selbstjustiz abtun. Vielmehr hält der Film einer potentiell
gewaltfördernden Gesellschaft recht drastisch einen stark vergrößernden
(Zerr-)Spiegel vor die Augen und regt dazu an, die scheinbare Eindeutigkeit
von Kategorien wie Tugend, Moral, Gesetz und Politik noch einmal zu überdenken.
Stilistisch
aber ist der Film zweifellos ein Meisterwerk, was selbst die erbarmungslosesten
Kritiker zugestehen mussten:
Die
gesamte, fast durchweg düstere, Atmosphäre, das Zusammenspiel von
Ton und Bild, Dramatik, Dynamik und Spannungsverlauf, Kamera und Schnitt - alles
greift fließend ineinander und ist perfekt aufeinander abgestimmt. Schauspieler
und Set wirken ausnahmslos authentisch, und selbst außergewöhnliche
filmische Mittel werden durchdacht und wohldosiert platziert. Besonders eindrucksvoll
sind die gelungenen Einstellungen und Schnitte im Taxi (mehrfacher Perspektivenwechsel
zwischen Fahrgast und Fahrer; Blicke auf die Straße, das Interieur, den
Rückspiegel) und aus der Sicht des zunehmend schizoider werdenden Travis
bei Sich zuhause (kurze, stroboskopartige Flashbacks vor dem Spiegel), die langen
Kamerafahrten (zum Beispiel über die crime scene im Bordell) und die gebrochene,
an B-Movies wie Zombie- und Slasherfilme gemahnende, seltsam abgehackt und steif
ablaufende Gewaltdarstellung beim insgesamt dennoch ziemlich realistisch und
abstoßend wirkenden Showdown.
FAZIT:
Ein
Meisterwerk.
E.
Schmitz
Dieser
Text ist zuerst erschienen bei: www.ciao.de
Zu
diesem Film gibt’s im archiv der
filmzentrale mehrere Texte
Taxi
Driver
TAXI
DRIVER
USA
- 1975 - 114 min. - Thriller, Drama - FSK: ab 16; feiertagsfrei (früher
18) - Verleih: Warner-Columbia - Erstaufführung: 7.10.1976 - Fd-Nummer:
19983 - Produktionsfirma: Taxi Driver Prod. - Produktion: Michael Phillips,
Julia Phillips
Regie:
Martin Scorsese
Buch:
Paul Schrader
Kamera:
Michael Chapman
Musik:
Bernard Herrmann, Jackson Browne
Schnitt:
Marcia Lucas
Darsteller:
Robert
De Niro (Travis Bickle)
Peter
Boyle (Wizard)
Cybill
Shepherd (Betsy)
Jodie
Foster (Iris)
Harvey
Keitel (Matthew ("Sport"))
Martin
Scorsese (Fahrgast)
Steven
Prince (Andy, der Waffenverkäufer)
Diahnne
Abbott (Süßwarenverkäuferin)
Victor
Argo (Melio)
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