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Teknolust
"Tilda
Swinton und Tilda Swinton in Teknolust"
verspricht die Werbung, und der Film hält sogar noch mehr als das Plakat
verspricht: Vier Rollen spielt die wundervolle Tilda Swinton in diesem Film,
der im Forum auf der Berlinale 2003 läuft. Der ganze Film besteht tatsächlich
hauptsächlich aus Tilda Swinton und eigentlich sei dies hauptsächlich
als Witz gedacht, sagt die Regisseurin nach der Projektion des Films dem fragenden
Publikum.
Die
Pointe zündet, der Witz funktioniert: Teknolust
ist komisch, surreal und farbenfroh, eine kleine Feier des Kinos. Der Film streift
zwar zahllose Themen in seinem Subtext - von der Genderdebatte über den
Feminismus, eine angedeutete coming-of-age Geschichte inklusive Emanzipation,
erste Liebe und Selbstbestimmung, aber vor allem ist Teknolust
eben immer wieder eines: unglaublich witzig.
Lynn
Hershman-Leeson erzählt von einer verrückte Wissenschaftlerin (Swinton),
die drei Klone ihrer selbst geschaffen hat und sie in beinahe völliger
Isolation aufwachsen lässt. Einer dieser Klone darf ihr gemeinsames Gefängnis
für nächtliche Streifzüge verlassen, auf denen sie Spermien erbeuten
muss, von denen sich die drei ernähren. Leider jedoch überfällt
die von dem weltfremden Klon verführten Männer nach vollzogenem Akt
Impotenz und ihnen wachsen Computerstrichcodes auf der Stirn, so dass alsbald
das Seuchenministerium eingeschaltet wird und die geheime Kreation der Wissenschaftlerin
entdeckt zu werden droht.
Trotz
dieser gänzlich den gewohnten Plotstrukturen enthobenen Skurrilitäten
werden die Figuren liebevoll und liebenswert gleichermaßen gezeichnet,
es gibt Personen wie den Copyshopangestellten - später die erste Liebe
des wandelnden Klons - der seine Kopiermaschinen gedankenverloren wie ein Orchester
dirigiert und aus den Kopien seiner Kunden verzerrte Kunstwerke schafft, die
später seine heimische Zimmerwand schmücken. Figuren, die dem Film
die Menschlichkeit geben, die durch das im wahrsten Wortsinn sterile Sujet verloren
hätte gehen können.
Teknolust
ist ein Film, der trotz seiner bunten Farben durch sein Einfühlungsvermögen
leiser ist, als der Inhalt es vermuten lässt. Hoffentlich findet sich im
Umfeld der Berlinale ein Verleih für dieses Kleinod des Films, falls nicht,
gilt es Ausschau zu halten im deutschen Fernsehen, denn: der Film wurde vom
ZDF koproduziert und findet somit wahrscheinlich schneller seinen Weg auf den
Bildschirm denn ins Kino.
Benjamin
Happel
Dieser
Text ist zuerst erschienen bei:
Teknolust
Regie:
Lynn Hershman-Leeson
USA
2002
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