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The Texas Chainsaw Massacre – Blutgericht in Texas

 

Ein Film wie ein Schlag auf den Kopf (oder Schläge), aber nicht wie Verspeistwerden. Denn man sieht zu. Identifiziert man sich? Mit den Opfern? Welche Affekte gehen einem so durch den Körper, wenn man sieht, was man sieht? Die Schläge auf den Kopf, die Kettensäge, Menschenfleisch als Wurst. Oder schon der Beginn: Der Irre, der sich ins eigene Fleisch schneidet. Schneidet er ins Fleisch des Betrachters? Sitzen wir in diesem Auto und wenn ja: auf welcher Seite? Was fangen wir mit dem allen an, was bietet uns der Film? Keine Identifikation, keinen Spaß an der Schlachtung, den gewiss nicht. Spannung, aber in Stauchung und Streckung mit beträchtlichem dramaturgischem Ungeschick, das einem zu denken geben sollte. Denn die Kamera bleibt auf Distanz. Beim Schlag auf dem Kopf. Es gibt keinen Aufbau dieser Szenen. Tür auf, Leatherface tritt auf, schlägt, schlachtet, fertig. Das die Stauchung. Oder später. Die Jagd im Dunkeln durch das Haus, die Landschaft: Der schiere Terror, dem nichts dazwischenkommt. Nicht einmal Identifikation. Man leidet nicht mit dem Opfer, man steht auf keiner Seite, das Bild des Terrors nimmt einen direkteren Weg. Lässt der sich beschreiben? Der Lärm der Kettensäge, die Nüchternheit der Verfolgung, das Dilettantische auch. Ein Zurückbleiben des schnelleren Verfolgers, dem alle realistische Plausibilität fehlt. Der Film, der auf dieser traumhaften Langsamkeit beharrt, will dich quälen. Keine Frage. Der Terror liegt gerade in der Dramaturgieverweigerung. Hier wird sich nicht wohlig gegruselt. Hier gibt es Terror, sonst nichts. Die Figuren müssen dich nicht interessieren, sie sind nur Terrorfutter, reduziert auf schiere Darstellungsnotwendigkeiten. Oder Leatherface und seine Familie: Wir wissen nichts, wir wollen nichts wissen. Nur das Töten, dieses unbegründete Töten, diese Lust von Nirgendwo, die viel schlimmer ist als eine Bestialität mit Grund. Hier: Grundlosigkeit rundum. Schnitt ins Fleisch. Die Kettensäge. Verfolgung. Jagd. Schreie. Lärm. Das Mahl. Die Rettung. Erleichterung, Erlösung? Ach was.

 

Ekkehard Knörer

 

Diese Kritik ist zuerst erschienen in: Jump Cut

 

Zu diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere Kritiken

 

The Texas Chainsaw Massacre

Blutgericht in Texas

(USA 1974)

Regie: Tobe Hooper

Darst.: Marilyn Burns, Edwin Neal, Gunnar Hansen u. a.

Länge: ca. 70 Min, Verleih: Vortex

 

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