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That's Life

Ein home movie, gedreht im Haus von Blake Edwards und Julie Andrews am Strand von Malibu, mit den Familien Edwards und Lemmon, ihren Kindern und Freunden und Hunden.

 

Ein Wochenende mit der Familie Fairchild: Der Vater, ein Architekt, fühlt sich angesichts der Tatsache, daß er sechzig wird, elend und impotent; die zur großen Feier angereisten Kinder haben Probleme mit ihren Partnern; die Mutter, eine Sängerin, wartet darauf, daß die Untersuchung einer Gewebeprobe ihr Klarheit verschafft, ob sie Krebs hat oder nicht. So ist das Leben, und dabei wird immer und überall vom Sterben gesprochen, selbst beim Dinner bei Andre, wo Lemmon sich weigert, einen Hummer zu essen, weil sein Fleisch zu zäh ist, infolge des Schocktodes im kochenden Wasser; einen sanften, glücklichen Tod wünscht sich Lemmon für ihn, man sollte ihn in warmen Weißwein stecken und langsam die Temperatur erhöhen.

 

THAT'S LIFE, den Titel muß man ironisch sehen, er ist eher programmatisch fürs Fernsehen und seine Geschichten mitten aus dem Leben: Mutter ist die Allerbeste. Fürs Kino taugt die Formel so wenig wie ihr Gegenstück „That's movie", denn was sich dort wirklich abspielt, geschieht gerade zwischen Leben und Film, „das Leben füllt die Leinwand wie ein Wasserhahn eine Badewanne, die sich gleichzeitig im selben Maß wieder leert".

 

Blake Edwards' Filme handeln von Übergängen, von den Momenten zwischen den Ereignissen, Geschichten um ein leeres Zentrum herum, weder Komödie noch Tragödie. Und überall, bei Darling Lili, Inspektor Clouseau oder Micki and Maude, geht es um den Tod: wie man sich plötzlich der eigenen Körperlichkeit bewußt wird in einer Welt der sterilen glatten Oberflächen. Es wimmelt in THAT'S LIFE von Anspielungen auf Blähungen, Small-Talk über heikle Operationen und blutigen Köpfen.

 

Der kleine Tod, das ist die Einsamkeit mit sich selbst: wenn einen das eigene Spiegelbild anstarrt oder wenn, beim Versuch zu Hause den Mann zu erreichen, mit dem man Streit hat, der Anrufbeantworter nur die eigene Stimme wiedergibt.

 

Die Frauen sind so stark in diesem Film, weil die Männer unsicher sind, in ihrer Angst zu versagen, nicht mehr zu funktionieren. „Das kann jedem mal passieren", tröstet eine junge Klientin Jack Lemmon nach einem mißratenen Liebesversuch, er steht armselig auf der ‚Veranda' des Traumhauses, das er gerade für sie gebaut hat, in der kalifornischen Morgensonne. Nach einem weiteren verfehlten Seitensprung zwickt es ihn fürchterlich zwischen den Beinen und dazu redet ein Pfarrer ihm ein, was für eine schreckliche Sünde der Ehebruch ist, aber am Ende kann ein Arzt ihn doch erlösen: es sind nur Filzläuse. Nie wird man, jammert Lemmon, von einem seiner Werke „Das ist ein Fairchild" sagen, so wie man sagt „Das ist ein Frank Lloyd Wright". Von dem habe er gelernt, wie man den Blick auf die Dinge legt, hat einmal Nick Ray gesagt, wie Edwards ein Meister der Horizontalen, der Breitwandsequenz: BIGGER THAN LIFE hieß 1956 sein Film über die Angst der Männer vorm Versagen.

 

Blake Edwards hält in seinen Filmen die Augenblicke fest, wo Innen und Außen, Kultur und Natur keine Gegensätze sind, wo die Aufrichtigkeit nicht die Hypochondrie auschließt, die Verzweiflung nicht das Glück, das Genie nicht die Liebe. „Ich möchte nicht van Gogh sein, hat er gesagt, ich möchte meine Ohren behalten: aber er hat nicht schlecht gemalt." Ein Klavierspieler in einem Bordell wollte Lemmon einst werden, nun träumt er manchmal davon das schönste Bauwerk der Welt zu bauen, um von seinem Dach in die Tiefe zu springen.

 

Fritz Göttler

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in: epd Film 9/87

 

That's Life

THAT'S LIFE!

USA 1986. R: Blake Edwards. B: Milton Wexler, Blake Edwards. K: Anthony Richmond. Sch: Lee Rhoads. M: Henry Mancini. T: Don Summer. A: Tony Marando. Ko: Tracy Tynan. Pg: Paradise Cove Ubilan. Gl: Jonathan D. Krane. P: Tony Adams. V: Columbia. L: 102 Min. FSK: 12, ffr. St: Sommer 1987. D: Jack Lemmon (Harvey Fairchild), Julie Andrews (Gillian Fairchild), Sally Kellermann (Holly Parish), Robert Loggia (Pfarrer), Jennifer Edwards (Megan Fairchild Bartlet).

 

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