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They
– Sie kommen!
"Irgendwann
wird's lächerlich!"
Woran
erkennt man einen Horrorfilm? Am großzügigen Gebrauch unstet flackernder
Lichter, an dichter Schwärze, die unheilvoll hinter nur einen Spalt weit
geöffneten Türen hervorlugt, an undeutlichen Bewegungen im Dunkeln,
die genauso gut auch nur auf ein irritiertes Auge zurückführbar sein
könnten, an einem Telefon, das stille Momente der Anspannung lautstark
und überraschend durchtrennt, oder aber an einer Bewegung in eine Richtung,
die man nicht hätte einschlagen sollen. Und so weiter und so fort. Dies
sind zuvorderst wahrnehmbare Elemente, die, unter anderem, einen Horrorfilm
zu einem solchen machen. Nicht schon zwangsläufig zu einem guten, gewiss.
THEY - SIE KOMMEN, von HITCHER-Regisseur Robert Harmon bereits im letzten Jahr
inszeniert, bietet im wesentlichen genau eine solche Aufzählung einzelner
Gruselelemente. Allein, die Summe der einzelnen Teile ergibt kein Mehr.
Dies
wird schon in der ersten Sequenz ersichtlich. Um die biografische Urszene geht
es, an der sich jeder Horrorfilm labt: Das Kind, nachts im Bett, nimmt das ansonsten
wohlbekannte Revier des eigenen Zimmers, durch das Zwielicht verfremdet, als
unheimlich, grauenhaft wahr. Was ist Schatten, was ist Monster? Der Ruf nach
der Mutter, die Sehnsucht nach der Geborgenheit des mütterlichen Bettes
wird zurückgewiesen: Der Schrecken des Älterwerdens, der Trennung
von den Eltern tritt ins Leben. Man versteckt sich in Folge unter der Decke,
wo die Taschenlampe schnell erlischt und das Unheimliche da draußen bedrohliche
Ausmaße annimmt. Soweit der Anfang, den hätten wir, wie geht's nun
weiter? Nach Schema F.
19
Jahre später ist der Junge, Bill (Jon Abrahams), traumatisiert und sichtlich
von hysterischer Paranoia gezeichnet. Nachdem er sich seiner besten Freundin
Julia (Laura Regan), die er seit Kindestagen kennt, anvertraut hat - "Sie
kommen aus der Dunkelheit, um uns zu holen!" -, bringt er sich vor ihren
Augen um. Der Freundeskreis ist entsetzt, allesamt entwickeln in Folge Nachtängste
wie aus frühsten Kindheitstagen, eine merkwürdige, sternförmige
Wunde lässt sich bald schon an aller Körper beobachten. Einer nach
dem anderen stirbt unter mysteriösen Umständen, am Ende ist es Julia
selbst, die, nunmehr auf sich alleine gestellt, entscheiden muss, ob sie nur
paranoid ist oder noch nicht paranoid genug.
So
dramaturgisch wenig reizvoll wie das auf dem Papier klingt, ist es im Ergebnis
auch. Man begnügt sich mit einer simplen Aneinanderreihung von blass gehaltenen
Szenen, in denen einfach nur simpel eins zum anderen kommt, unter gelegentlicher,
meist recht willkürlicher Zuhilfenahme eingangs erwähnter Erkennungsmerkmale.
Mal nestelt was im Dunklen, dann geht ein Licht aus, woanders wiederum flackert
es wieder auf und Telefone klingen, auditiv besonders betont, gerade dann, wenn
man es eigentlich gar nicht erwartet hat. Auch die eine oder andere schräge
Kameraeinstellung wurde ausgesucht, verkommt aber ebenso, wie alles andere,
zur bloßen Wiederholung, wird nur abgehakt auf der langen Liste der Horror-Spezifika,
ohne aber Wirkung zu entfalten. Dies verhindert überhaupt auch schon die
Tatsache, dass es von Beginn an bereits mehr oder weniger unausgesprochen feststeht,
welchen Kräften man da beim Walten zusieht. Ein Geheimnis, das zu lösen
wäre, eine Wendung, irgend eine Spur narrativen Raffinements gibt es im
eigentlichen Sinne nicht, und so ist es fast schon Ironie des Schicksals, dass
ein Film, der die kindliche Angst vor dem Dunklen und dem, was sich darin versteckt,
zum Thema hat, der seine Monstrositäten nicht eine Sekunde lang deutlich
zeigt, an und für sich so durchsichtig ist wie eine frischgeputzte Fensterscheibe
an einem strahlenden Sommernachmittag. Gelegentliche, ja sogar recht versiert
inszenierte somatische Schockmomente und der eine oder andere effektive Gruselschauer
vermögen es da kaum noch, sich gegen diese gähnende Leere im Dazwischen
aufzubäumen.
An
einer Stelle sagt Julia beruhigend zu sich selbst, mal wieder - längst
schon hat der Zuschauer aufgehört zu zählen - angesichts einer weiteren,
nur einen Spalt weit geöffneten Tür mit dahinter drohender Schwärze:
"Irgendwann wird's lächerlich!" Angesichts der steten Redundanz,
die THEY - SIE KOMMEN auszeichnet, möchte man entgegen: "Wahre Worte,
in der Tat."
Thomas
Groh,
2003
Diese
Kritik ist zuerst erschienen bei: F.LM
They
- Sie kommen
(They,
USA 2002)
Regie:
Robert Hermon
Drehbuch:
Brendan Hood
Kamera:
René Ohashi
Schnitt:
Chris Peppe
Musik:
Elia Cmiral
Darsteller:
Laura Regan, Marc Blucas, Ethan Embry,
Dagmara
Dominczyk, Jon Abrahams, Alexander Gould, u.a.
Verleih:
Concorde Länge: 89 Minuten
Kinostart
am 09.10.2003
Internet
Moviedatabase: http://imdb.com/title/tt0283632/combined
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