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Topas
Überschüsse
der Ehe
Immer,
wenn man diese Truppenschauen zur Zeit des Kalten Kriegs mal wieder sieht, ist
man nachträglich erleichtert über die segensreiche Erfindung des Potlatch,
das beiden Seiten den tatsächlichen Einsatz des „Geschenks“ ersparte. Man
drehte immer noch ein bisschen mehr an der Spirale, aber bis zuletzt blieb es
ruhig. Natürlich war das sehr teuer, aber dafür musste dann ja auch
ein Teilnehmer aussteigen. Und das ist ja auch der Sinn der Angelegenheit. Verschwenden
bis zum Umfallen. Bis es soweit ist, muss gepokert werden.
Im
Gegensatz zu Caton-Jones mit seinem „Schakal“ von 1997 kann Hitchcock den Ostblock
noch als intakten, ja als gefährlichen und aggressiven inszenieren. Aber
es ist, als ob er sich gleich zu Beginn über die Symmetrie der Gegnerschaft
lustig machen wollte. Denn die beiden Dreiergrüppchen, die sich in Kopenhagen
minutenlang ein unfreiwilliges Stelldichein geben, gehören beide dem Osten
an und scheinen damit andeuten zu wollen, dass der Osten vor allem ein Problem
mit sich selbst hat, das er bloß nach außen verlagert. Aber so plump
ideologisch verfährt der Film dann doch nicht, denn in dem Moment, wo die
Amerikaner den rettenden Trenngürtel anlegen, wirken sie ihrerseits ziemlich
plump, jedenfalls in den Augen des Vize-KGB-Chefs, der arrogant verlauten lässt,
dass er das Problem etwas anders gelöst hätte. In dem Moment, als
die kleine russische Familie in Washington zum Rapport angekommen ist, heißt
es auch schon wieder Abschied nehmen von ihr, denn die hübsche Tochter
verliebt sich erst gar nicht in den französischen Superagenten André,
denn der ist schon verheiratet und hat eine Geliebte auf Kuba.
Kuba,
das ist der Einsatz beider Seiten. Die Sowjets sind schon drauf, die Amerikaner
kommen etwas später und schauen, was die anderen machen. Das geht nur,
wenn man die jeweiligen Geschenke verpackt. Die Amerikaner schicken einen Franzosen,
die kubanische Witwe ist eine Renegatin, die es trotzdem schafft, ihr Gesicht
zu wahren und als Tragödin zu fallen, der Freundschaftsdienst des Franzosen
erweist sich als etwas mehr als ein diplomatisches Kavaliersdelikt, und die
Frau des Superagenten mischt auch fleißig mit, denn sie ist die Geliebte
des Kopfs von Topas, dem Spionagering in Frankreich, der am Anfang des Films
für Unruhe sorgte. Ein weiteres Familienmitglied deckt das Feld der Politik
ab, der Schwiegersohn von André, der als Journalist und Mitstreiter seines
Schwiegervaters einfach mal so ein Interview über die Nato erhält
und Fragen stellt, die ihm den Eintritt in jede Journalistenschule verwehrt
hätten. Wie man’s macht, erfährt er am eigenen Leib, und bevor er
wieder aufwacht, ist sein Interviewpartner schon längst tot.
Die
Top-Positionen müssen dagegen wirklich diplomatisch behandelt werden, und
im Moment, wo die Hüllen gefallen sind, heißt es ganz konkret in
eigener Person den Weg antreten, den bisher immer nur die eigenen Direktiven
auf verschlüsselten Pfaden gegangen sind. Am Ende begegnen sich die beiden
französischen Agenten auf dem Flugplatz, wo sie sich auf der Rolltreppe
ein letztes Mal ins Auge nehmen und sich ganz locker zuwinken. Moskau, New York,
man hat noch mal Schwein gehabt.
Dieter
Wenk
Dieser
Text ist zuerst erschienen bei:
Topas
TOPAZ
USA
/ England - 1968 - 125 min. - Literaturverfilmung, Spionagefilm - FSK: ab 12;
feiertagsfrei - Verleih: Universal, Universal (Video) - Erstaufführung:
1.1.1970/4.4.1976 ARD/13.8.1999 Video - Fd-Nummer: 16477 - Produktionsfirma:
Universal
Produktion:
Alfred Hitchcock
Regie:
Alfred Hitchcock
Buch:
Samuel Taylor
Vorlage:
nach dem Roman von Leon Uris
Kamera:
Jack Hildyard
Musik:
Maurice Jarre
Schnitt:
William Ziegler
Darsteller:
Frederick
Stafford (André Devereaux)
Dany
Robin (Nicole Devereaux)
Karin
Dor (Juanita de Cordoba)
John
Forsythe (Michael Nordstrom)
Roscoe
Lee Browne (Philippe Dubois)
John
Vernon (Rico Parra)
Michel
Piccoli (Jacques Granville)
Philippe
Noiret (Henri Jarre)
Claude
Jade (Michel Picard)
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