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Der
Totmacher
Der
dokumentarische Spielfilm, in dem ein mitreißender Götz George in
der Rolle des Massenmörders Fritz Haarmann zu bestaunen ist (wenn man bedenkt,
dass seinerzeit gleichzeitig seine Science-Fiction-Parodie „Sturzflieger“ in
den Kinos lief, wenn auch verdientermaßen zumeist nur für eine Woche),
basiert auf den authentischen Vernehmungsprotokollen, die der Philosoph, Psychologe
und Kulturkritiker Theodor Lessing („Haarmann. Die Geschichte eines Werwolfs“)
auswertete und zu einer tiefgründigen Analyse verdichtete.
Diese
Analyse wiederum diente Alfred Döblin als eine der Grundlagen zu seinem
wohl berühmtesten Roman, „Berlin Alexanderplatz“: Milieustudien der Halbwelt
Hannovers und der Not einer entwurzelten Jugend nach dem Ersten Weltkrieg.
Götz
George, für seine Verkörperung des Fritz Haarmann bei der „Biennale“
in Venedig als bester Darsteller ausgezeichnet, stehen weitere herausragende
Schauspieler zur Seite: Jürgen Hentsch als verhörender Professor,
Pierre Franckh als zunächst angewiderter, dann jedoch immer stärker
von Haarmann faszinierter Protokollant, Hans-Michael Rehberg als Polizist sowie
Matthias Fuchs als Arzt.
Romuald
Karmakars Verdienst ist es, das dokumentarische Material zu einem Psychothriller
verdichtet zu haben, dessen Spannung analog zur Sympathiekurve für den
Massenmörder an immerhin mehr als zwei Dutzend Opfern kontinuierlich ansteigt.
Aus
den Protokollen des Psychiaters Ernst Schulz Mitte der Zwanziger Jahre schält
Karmakar eine Persönlichkeit heraus, die ihrer Wut nach innen nicht mehr
Herr geworden ist. In den spröden Gesprächsverhören wird, und
das ist für den damals erst 30-jährigen Filmemacher schon eine erstaunliche
Leistung, im Psychogramm des Mörders, der die Phantasie seiner Zeit anregte
wie zuvor nur Frankensteins Kreatur, die Pathologie der Weimarer Republik deutlich.
„Der
Totmacher“ ist 114-minütiges seriöses Dokumentarkino, das in einem
einzigen Raum spielt, das sich ganz auf Worte, Gesichter, minimalste Gesten
– und auf Schweigen konzentriert. Und doch unter die Haut geht und stärker
zu fesseln vermag, als die ganze Phalanx der amerikanischen Actionreißer
mit ihren horrenden Ausstattungsbudgets und technischen Effekten.
Pitt
Herrmann
Dieser
Text ist zuerst erschienen im:
Zu diesem Film gibt es im archiv mehrere Texte
Der
Totmacher
Deutschland
- 1995 - 115 min. - Literaturverfilmung, Drama - FSK: ab 12; feiertagsfrei -
Verleih: Warner Bros., Warner Home (Video) - Erstaufführung: 23.11.1995/24.5.1996
Video, Fd-Nummer: 31645 - Produktionsfirma: Pantera/WDR/SWF - Produktion: Thomas
Schüly
Regie:
Romuald Karmakar
Buch:
Romuald Karmakar, Michael Farin
Vorlage:
nach Protokollen der gerichtspsychiatrischen Untersuchung
Kamera:
Fred Schuler
Schnitt:
Peter Przygodda
Darsteller:
Götz
George (Fritz Haarmann)
Jürgen
Hentsch (Prof. Ernst Schultze)
Pierre
Franckh (Stenograf)
Hans-Michael
Rehberg (Kommissar Rätz)
Matthias
Fuchs (Dr. Machnik)
Marek
Harloff (Kress)
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