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To
Wong Foo
Lacher
gibt es genug, aber dann bittet sich der Film immer wieder Ruhe aus und verkündet
seine Botschaft: Edel sei der Transvestit, hilfreich und gut. Die volksbildenden
Dialoge lassen keine Wahl: Es gilt aufzumerken und die Lektion zu lernen - vom
großen Comingtogether zwischen Stadtmaus und Landmaus respektive zwischen
den Transvestiten-im-Fummel der glitzernden New-York-Webster-Hall und den trostlosen
Underdogs im ödesten Midwest von Loma, Nebraska, Einwohnerzahl: 23.
Um
es gleich zu sagen: In diesem Winznest von Loma geht die Party ab. Fun, fun
und nochmals fun. Auch werden die Freaks, Debilen und sonstigen Opfer erhöht
und die Machos, Vergewaltiger sowie Polizistenschweine erniedrigt, daß
es eine Art hat. Ein Wunder!, muß man schon sagen. Und das vollbringen
unsere drei Feen, die sich selbst als solche bezeichnen: die Drag Queens Wesley
Snipes, Patrick Swayze und John Leguizamo. Eigentlich waren die Wohltäter-Transvestiten,
die soeben den Fummelwettbewerb in Downtown N.Y. gewonnen hatten, im offenen
1967er Cadillac-Cabrio auf dem Weg nach Hollywood. Farbe! Licht! Glamour! Aber
dann: eine Panne. Sonntags wird nicht gearbeitet, das Wochenende in einem Provinznest.
Das Licht wird fahl, die Farben verlieren sich im Monochromen. Die Farbregie
- das Überzeugendste in diesem Film - sagt uns, daß hier Abhilfe
nottut.
Nicht
ganz so überzeugend geht es mit der tätigen Hilfe ab, die von Homo-Transvestiten
in diesem Film mit bestem pädagogischen Gewissen demonstriert wird. „Es
ist wichtig für eine Frau, daß sie Freundinnen hat", doziert
die Fummel-Fee gegenüber der geschundenen Hausfrau. Und was sagt diese
zum Happy end unserem schwulen Helden: „Ich liebe Dich. Als Frau." So ist
es brav, aber genau das lähmt die schwungvolle Komödie, zu der der
Film immer wieder ansetzt.
Regisseurin
Beeban Kidron drehte den Film hochschwanger. Am letzten Drehtag gebar sie Noah,
7 1/2 Pfund, die Erziehungskomödie ist dem Sohn in die Wiege gelegt. Ein
Geschenk des Himmels (oder doch der Universal), dieser erste Mainstreamfilm,
in welchem im Fummel nicht Heteros wie Mrs.
Doubtfire,
Tootsie
usw. auftreten, sondern Schwule, die sich überdies nirgendwo entschuldigen
müssen, ganz im Gegenteil. Andererseits wissen wir jetzt, was wir von Rosa
von Praunheim gehabt haben, der seine therapeutischen Bemühungen bekanntlich
nicht mainstreamhaft von oben nach unten entfaltet hat, sondern uns sozusagen
auf dem gleichen Level entgegenkam. In TO WONG FOO (den Titel zu erklären,
spare ich mir aus Platzgründen) läuft die Filmmaschinerie allzu geölt
und glatt, als daß wir bei diesem Cometogether irgend jemand näherkommen
könnten. Eine Hierarchie: den Behinderten auf dem Lande wird Sozialtherapie
verabreicht wie Sozialhilfe im zuständigen Amt. Die Upperclass (Patrick
Swayzes wohlhabende, aber kalte Mutter taucht im Film auf) gewährt und
vermittelt den Unbemittelten die frohe Botschaft der Lebensbejahung: das Zeitalter,
in dem jeder Platz hat. Wir sind alle Brüder und Schwestern! Über
diese Ideologie hätte ich lachen mögen, aber die zeigt sich dürftig,
bieder, nackt, wie sie ist, - kein Fummel, keine spielerische Travestie. Also
zurück zur Party to Wong Foo, thanks for everything.
Dietrich
Kuhlbrodt
Diese
Kritik ist zuerst erschienen in:
epd film
1/96
TO
WONG FOO
TO
WONG FOO, THANKS FOR EVERYTHING! JULIE
NEWMAR
USA
1995. R:
Beeban Kidron. B: Douglas Carter Beane. P: G. Mac Brown. K: Steve Mason. Sch:
Andrew Mondshein. M:
Rachel Portman. T:
Michael Barosky. A:
Wynn Thomas, Robert Guerra. Pg: Amblin Entertainment. V: UIP L: 108 Min. St:
11.1.1996. D: Wesley Snipes (Noxeema Jackson), Patrick Swayze (Vida Boheme),
John Leguizamo (Chi Chi Rodriguez), Stockard Channing (Carol Ann), Blythe Danner
(Beatrice), Arliss Howard (Virgil), Jason London (Bobby Ray), Chris Penn (Sheriff
Dollard), Melinda Dillon (Merna), Beth Grant (Loretta).
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