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(T)Raumschiff Surprise – Periode
1
Aus dem Logbuch eines Kritikers - eine
Nachlese zu Bullys Komödie
Verloren im All: wie bei vielen
Blockbustern gab es auch bei (T)RAUMSCHIFF SURPRISE, der deutschen
Sommerkomödie diesen Jahres, aus Piraterieangst erst ganz kurz vor Start
Pressevorführungen. Zu spät für das letzte Heft. Doch Georg Seeßlen hat aus der
Not eine Tugend gemacht.
Von Zeit zu Zeit tut es einem Kritiker
gut, einen Film statt mit seinesgleichen mit dem echten Publikum anzusehen. Ich
war ziemlich fest entschlossen, den Film (T)RAUMSCHIFF SURPRISE nicht nur
frohen Herzens und jenseits aller Bedenken gegenüber dem Übermaß an
McDonald's-Merchandising, Medien-Multiplikation und Marktgängigkeit zu genießen
und dafür auch jene guten Gründe wieder zu finden, die mir beim SCHUH DES MANITU das zum Frohsinn tendierende
Herz geöffnet haben: die handwerkliche Kompetenz, mit der das alles gefertigt
wurde, das spürbare Vergnügen aller Beteiligter dabei und die Detailliebe. Und
dann natürlich der gesamte Vorgang: ein Bauchklatscher in die sich mählich
trübenden Wasser der deutschen Pop-Mythologie.
Aber dieses allfällige Wohlgefühl des
Amüsements, dessen man sich nicht zu schämen braucht, wollte sich diesmal nicht
so recht einstellen, obwohl doch alles, was beim Vorgänger so prächtig
funktionierte, auch hier reichlich geboten wird. Es war eine
Nachmittagsvorstellung. Alle mindestens so entschlossen, sich gut zu amüsieren,
wie ich.
Doch irgendwie ging es nie richtig los.
Und spätestens nach der Hälfte des Films schien mir diese Stille, selbst bei
todsicheren Gags, fast unheimlich. Das langsam nur sich aufbauende
Gemeinschaftsgelächter schien eher pflichtschuldig. Das unsichere Umsehen
meines Nachbarn, ob dies oder jenes nun auch beim Rest der Zuschauerreihe nicht
doch zum Brüller erklärt werden müsse, machte mich, indem es mich so irritierte,
darüber hinaus darauf aufmerksam, dass auch ich von (T)RAUMSCHIFF SURPRISE
nicht wirklich gefesselt war. Der Ruhm dieses Films ist scheinbar größer als
seine Wirkung. Und am Ende waren die Gesichter nicht so glücklich, wie man es
an einem solchen badeuntauglichen Sommernachmittag vielleicht hätte erwarten
dürfen.
Was war geschehen? Das Publikum mochte
sich das nicht so genau zu sagen-und vielleicht ist es am Abend ja ein ganz
anderes und zwar genau das richtige für diesen Film. Soll ich jetztbehaupten,
dass gute Mainstream-Filme auch am Nachmittag funktionieren müssen? Nein. Ich
will lieber ein paar Gründe dafür anführen, die vielleicht erklären, warum
dieser Film gar nicht so gut funktioniert, wie viele glauben mögen.
Das fängt bereits mit den Vorlagen an.
„Raumschiff Enterprise", STAR WARS oder ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT und all die
Genre-Perlen entstammen, anders als unser Winnetou, einem vergleichsweise
offenen mythischen System. Wenn sie nicht schon ihre eigene Parodie waren, dann
zogen sie einen Kometenschweif der Travestien, des Klamauks und der Satiren
hinter sich her, und manches davon war, so zwischen Mel Brooks und den
Simpsons, gar nicht mal so schlecht. Nun mag die Gag-Dichte bei (T)RAUMSCHIFF
SURPRISE für unsere Verhältnisse vergleichsweise hoch sein - die
schnelleren und heftigeren Genre-Parodien
sind in diesem Fall schon gedreht. Und Lakonie werden wir hier ohnehin nicht
erwarten. Die Pointen sind doch Stück für Stück serviert und weniger ineinander
komponiert. So kommt recht selten etwas wirklich unvorbereitet, und noch
seltener funktionieren komische Konstruktionen auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Die Helden einer Genre-Konstruktion als
spielende Kinder zu enttarnen, die wiederum in ihrem sexuell unklaren Spiel
etwas forciert Tuntenhaftes produzieren, ist als Erzählhaltung auch garantiert
nicht mehr neu. Doch das funktioniert hier nun wieder von der komischen Technik
her nur sehr bedingt. Dem Kid/Idiot/Tunte-Trio, das etwas unmotiviert rasch auf
ein Duo zusammenschrumpft, steht mit Til Schweiger zwar ein ganz ansehnlicher straight
man gegenüber, doch der hat eigentlich nur rein äußere Berührung mit den
Rollen der Dummen Auguste. Er rauscht ansonsten durch eine ganz andere komische
Galaxis.
Spuck und Kork sind auf zu gleichem Level,
um eine fruchtbare komische Spannung, eine Laurel & Hardy-Tiefe zu
erreichen. Nur in wenigen Augenblicken erreichen sie es, dass man hinter dem
Affektierten etwas Anrührendes entdeckt. Für die Kids gibt es also keine rechte
Einstiegsmöglichkeit zwischen Befremdung und Denunziation, für die
„Erwachsenen" im Publikum ist das tuntige Gehabe der Hauptdarsteller nach
einiger Zeit eher peinlich als komisch. Man weiß nicht recht, wer oder was dadurch
getroffen werden soll. Und für alles dazwischen fehlt es an Ambivalenz.
Was also bei DER SCHUH DES MANITU ein
Spiel mit der Unklarheit der sexuellen Rollen war, zerschellt hier an seiner
karikaturhaften Überdeutlichkeit: „Doofe Tunten im Weltraum und auf
Zeitreise" trifft aber nicht den Kern der Sache.
Auch die ästhetische Ebene scheint mir von
einem ganz ähnlichen Bruch bestimmt. Die Special Effects dieses Films, ebenso
wie der flüssige Schnitt und, jawohl, auch Herbigs mise en scène sind
durchaus bewundernswert. Nur scheinen die großen und die kleinen Szenen aus
gänzlich anderen Filmen zu stammen, so aIs hätte jeweils ein anderer Ehrgeiz
die Oberhand. Genre-Parodie und Typen-Komik, Sex Comedy und Kinderfilm,
Ausstattungsstück und Dialog-Komödie, transgressiver Humor und
Feelgood-Elemente. Alles passt, nur passt es nicht wirklich zusammen, und schon
gar nicht wird etwas Neues daraus. Vielleicht sollte man daher auch weniger von
einem Film sprechen, der nicht funktioniert, als von einem, der nirgendwohin
führt. Nur ein bisschen amüsiert und ein bisschen unzufrieden zurück in einen
verregneten Sommernachmittag.
Georg Seeßlen
Diese
Kritik ist zuerst erschienen in:
Zu
diesem Film gibt’s im archiv
der filmzentrale mehrere Kritiken
(T)Raumschiff Surprise – Periode 1
Deutschland 2003. R, P:
Michael Bully Herbig. B: Michael Bully Herbig, Alfons Biedermann, Rick
Kavanian. K: Stephan Schuh. Sch: Alexander Dittner. M: Ralf Wengenmayr. T:
Roland Winke, Chrissi Rebay, Heiko Müller. A: Claus Kottmann. Ko: Anke
Winckler. Pg:
herbX/Constantin. V: Constantin. L:
87 Min. FBW: wertvoll. Da: Michael „Bully" Herbig (Mr. Spuck), Rick
Kavanian (Schrotty), Christian Tramitz (Käpt'n Kork), Til Schweiger (Rock),
Anja Kling (Königin Metapha), Hans Michael Rehberg (Regulator Rogul), Sky du
Mont (Herzog William der Letzte).
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