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Trembling
Before G-d
Dokumentarfilm
über homosexuelle orthodoxe Juden
Feigen
sollte David essen, immerzu Feigen, und Psalmen aufsagen, dann würde ihm
die Lust auf Männer schon vergehen. Als das nicht wirkte: sich jedesmal
auf die Zunge beißen, wenn es ihn überkam. Der junge Mark wurde von
den Eltern nach Israel geschickt, als er ihnen seine Homosexualität offenbarte.
Im Heiligen Land kann es ja schließlich so etwas Gottloses nicht geben.
Ein allzu frommer Wunsch und eine fatale pädagogische Fehleinschätzung.
Und auch Feigen und Auf-die-Zunge-Beißen haben nichts gefruchtet. David
und Mark sind immer noch schwul - und zugleich orthodoxe Juden. Homosexualität
und orthodoxes Judentum, wie geht das zusammen?
Wie
alle monotheistischen Weltreligionen hat auch das Judentum mit der gleichgeschlechtlichen
Liebe große Probleme. Die Bibel ist da deutlich und verdammt den Verkehr
mit einem anderen Mann als ein mit dem Tod zu bestrafendes Gräuel. Für
die Frauen, als sexuelle Subjekte in der Heiligen Schrift eher kärglich
bedacht, finden sich dort auch entsprechende Passagen. Aber gegen Regel und
Gesetz gibt es sie doch, als einzelne und Paare sowieso, mittlerweile aber auch
an einigen Orten auf der Welt als organisierte Gruppen, die gemeinsam die Feste
feiern oder die Bibel studieren: Orthodykes oder Gay and Lesbian Yeshiva nennen
sie sich. Und sogar offen schwule orthodoxe Rabbiner gibt es mittlerweile. Dieser
Film stellt einige von ihnen in den USA, Israel und London vor.
Vor
vielen Jahren schon hat der junge amerikanische Filmemacher Sandi Simcha DuBowski
angefangen, sich mit dem Sujet zu beschäftigen. Erst nur aus Neugier. Doch
dann wälzten die persönlichen Entdeckungen und Erfahrungen bei der
Recherche auch sein Leben religiös um. Leicht ist das beim Sehen des Films
nicht nachzuvollziehen. Denn Trembling Before G-d erzählt von zerrissenen
Leben. Brüche zwischen Eltern und Kindern, Lehrer und Schülern. Aber
auch innere Risse zwischen Glauben und Triebleben, Lebensträumen und Wirklichkeit.
Viele führen ein Doppelleben. Viele der Beteiligten wollten auch unerkannt
bleiben, so dass man ihre Gesichter durch Unschärfe und andere Tricks verfremdet.
Das ist effektvoll beklemmend, auch wenn DuBowski zum Ersatz für solche
Bilder idyllische Szenen aus dem jüdischen Familien- und Festtagsbüchlein
in Schattenspieltechnik inszeniert. Sonnenaufgänge gibt es auch.
Die
Hauptfrage bleibt allerdings bis zum Schluss ungeklärt: Woher rührt
eigentlich das Bedürfnis, sich ausgerechnet in einer Religion zu verorten,
die ja nicht nur in ein paar Oberflächlichkeiten autoritär und patriarchal
strukturiert ist. Ein paar Mal wird sie am Rande angesprochen, beantwortet wird
sie nie. Vielleicht geht das auch nicht. Ein einziger unter den hier gezeigten
Frauen und Männern ist einen anderen Weg gegangen, den aus der Religion
heraus. Von seinem Vater wurde auch Steve verfemt, ein älterer New Yorker.
Aber von der orthodoxen Gemeinschaft hat er sich selbst getrennt. Er sehe einen
logischen Widerspruch zwischen seinen Einstellungen und den entsprechenden Positionen
der Bibel, sagt Steve. Das klingt einleuchtend. Aber wahrscheinlich denken tief
religiöse Menschen einfach anders.
Silvia
Hallensleben
Dieser
Text ist zuerst erschienen bei: epd Film
Trembling
Before G-d
USA/Israel
2001. R und B: Sandi Simcha DuBowski. P: Sandi Simcha DuBowski, Marc Smolowitz.
K:
David Leitner. Sch: Susan Korda. M:
John Zorn.
T:
Bill Seery. Pg:
Simcha Leib Productions mit Cinephil. V:
Freunde der deutschen Kinemathek, Berlin. L: 94 Min. Start: Juli 2001
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