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Tremors
-
Im Land der Raketenwürmer
In Perfection ist der Wurm drin ...
Spaß muss sein, dachte sich
wohl Ron Underwood, als er 1990 einen zwar nicht besonders anspruchsvollen,
ja fast leichtfüßigen, aber vor allem stellenweise äußerst
humorvollen Film drehte, in dem die wenigen Bewohner eines kleinen Ortes namens
Perfection - irgendwo in den Weiten des Westens der USA - sich gegen unterirdisch
sich äußerst schnell fortbewegende Riesenwürmer zur Wehr setzen
müssen.
INHALT
Zunächst treffen wir auf
die beiden Cowboys Valentine "Val" (Kevin Bacon) und Earl (Fred Ward),
die dabei sind, Zäune zu reparieren und davon träumen, aus dieser
einsamen Gegend fortzugehen, um etwas Anspruchsvolleres zu tun. Die beiden sind
sozusagen Männer für alles, reparieren nicht nur Zäune, sondern
kümmern sich auch um die Abwasserversorgung und allerlei andere nützliche
Dinge. Auf ihrer Rückfahrt nach Perfection treffen sie auf die Studentin
Rhonda (Finn Carter), die im Rahmen einer von ihr anzufertigenden Arbeit seismographische
Messungen durchführt und sich darüber wundert, dass einige ihrer Messgeräte
hohe Ausschläge zeigen. Aber niemand in der Gegend scheint zu sprengen
oder sonst irgend etwas zu tun, was diese Ausschläge verursachen könnte.
In Perfection angekommen treffen
wir auf das Ehepaar Gummers (Michael Gross, Reba McEntire), die in ihrem Haus
nicht nur Lebensmittel horten, sondern auch eine riesige Waffensammlung angelegt
haben - für den Ernstfall sozusagen, der ja nun auch in dieser Einöde
irgendwann einmal eintreten könnte. Weiter auf den jungen Melvin (Robert
Jayne), dem es enormen Spaß macht, seine Mitbürger zu foppen oder
zu erschrecken. In einem anderen Haus wohnt Mrs. Sterngood (Charlotte Stewart)
mit ihrer kleinen Tochter Mindy (Ariana Richards). In der örtlichen Kneipe
treffen wir auf Walter Chang (Victor Wong), Nestor (Richard Marcus) und Miguel
(Tony Genaro). Und last but not least ist auch ein Arzt im Ort, Dr. Jim (Conrad
Bachmann) samt Frau oder Freundin Megan (Bibi Besch). Das war schon fast die
gesamte Einwohnerschaft von Perfection.
Doch halt, da ist noch der alte
Edgar (Sunshine Parker). Der allerdings verhält sich merkwürdig, als
Earl und Val in Perfection ankommen. Er sitzt auf einem Strommast, sein Gewehr
unterm Arm, und rührt sich nicht. Als Val ihn herunterholt, kann Dr. Jim
nur noch den Tod des alten Mannes feststellen. Er ist offenbar verdurstet, muss
schon Stunden dort oben gesessen haben - und keiner der anderen hat das bemerkt.
Und wenig später finden Earl und Val Old Fred (Michael Dan Wagner), einen
Schafzüchter. Seine Schafe sind zerrissen und von Old Fred finden beide
nur noch den Kopf in einem Erdloch.
Und noch etwas Merkwürdiges
passiert, was Earl und Val die Flucht ergreifen lässt. Auf einer Zugangsstraße
zum Ort, die von Geröllmassen versperrt ist, sehen die beiden den Helm
eines der beiden Straßenarbeiter, die sie kurz zuvor dort noch hatten
arbeiten sehen. Und in dem Schutzhelm finden sie Teile von Gehirnmasse. Nix
wie weg!
Wenig später sind auch Dr.
Jim und Megan verschwunden. Ihr Auto finden Val und Earl vergraben unter der
Erde - die Scheinwerfer sind noch an und das Radio läuft. Es dauert nicht
lange, bis unsere beiden Cowboys selbst Bekanntschaft - nein, nicht mit einem
Psychopathen, sondern mit etwa zehn Meter langen wurmartigen, äußerst
kräftigen Tieren machen, die sich rasend schnell unterirdisch fortbewegen
können. Diese mit etlichen Fangarmen ausgestatteten Monster fressen alles,
was ihnen begegnet. Offenbar können diese Würmer nicht sehen und riechen,
dafür aber sehr gut hören. Sie folgen jeder Erschütterung.
Und jetzt - ja jetzt geht die
Jagd erst richtig los - wechselseitig, versteht sich ...
INSZENIERUNG
Tatsächlich muss allen Beteiligten
dieser Horror riesigen Spaß gemacht haben. Der Film spielt mit einem Wechselbad
aus Schrecken und Komik. Letzere findet man nicht nur in den Dialogen vor allem
zwischen den beiden Cowboys, sondern auch in etlichen Szenen, vor allem wenn
die verbliebenen Bewohner von Perfection sich überlegen, was gegen die
tödliche Bedrohung zu tun ist. Besonders gelungen ist zum Beispiel ein
Stabhochsprung, den Earl, Val und Rhonda veranstalten, um von Fels zu Fels zu
kommen. Denn die Würmer können sich nur in lockerer Erde bewegen,
aber nicht auf Stein. Oder wenn Melvin mit dem abgetrennten Fangarm eines der
Würmer eine Würgeszene vortäuscht und seine Mitbewohner ordentlich
erschreckt.
Auch das Ehepaar Gummer ist eher
zum Lachen - wenn die beiden etwa vom Dach ihres Hauses aus bzw. in ihrer Waffenkammer
Dutzende von Waffen aller Art ausprobieren, um einem der Würmer den Garaus
zu machen.
Der Horror allerdings bleibt nicht
auf der Strecke. Underwood legte sehr viel Wert auf eine überzeugende Darstellung
der Riesenwürmer, die aussehen wie eine Mischung aus den Ungeheuern in
"Alien",
Riesenschnecken mit entsprechender Schleimaussonderung und allerdings nicht
sehr putzigen Seeelefanten. Ein bisschen geklaut wurde hier schon bei "Alien".
Denn auch die Fangarme der Würmer ähneln ein bisschen denjenigen der
jungen Aliens aus Ridley Scotts Klassiker. Das tut dem Spaß und dem Horror
allerdings keinen Abbruch. Besonders hübsch hässlich ist es zu sehen,
wie diese Würmer sich unterirdisch bewegen, d.h. wie sich der Boden plötzlich
hebt, als ob in Zeitraffer eine Moräne entstehen würde. Oder wenn
sie einen der Einwohner verschlingen - sehr realistisch und schrecklich anzusehen.
Extra spannend wird es, als die
Bewohner Perfections versuchen, den Würmern zu entfliehen bzw. ihnen ihr
Ende zu bereiten. Das ist gar nicht so einfach. Denn auch die Würmer scheinen
nicht "auf den Kopf gefallen" zu sein, etwa wenn sie versuchen, Häuser
zum Einsturz zu bringen. Earl, Val und die anderen müssen sich einiges
einfallen lassen, um den Kampf mit den Monstern zu gewinnen.
Insgesamt gesehen ist "Tremors"
also eine schöne Mischung aus Horror und Komik, überwiegend spannend
inszeniert und mit gut aufgelegten Schauspielern, die ganz offensichtlich selbst
viel Spaß an der Sache hatten.
Ulrich Behrens
Dieser Text ist zuerst erschienen
bei:
Tremors
- Im Land der Raketenwürmer
(Tremors)
USA
1990, 96 Minuten
Regie:
Ron Underwood
Drehbuch:
S. S. Wilson, Brent Maddock, Ron Underwood
Musik:
Reba McEntire, Ernest Troost, Robert Folk
Kamera:
Alexander Gruszynski
Schnitt:
O. Nicholas Brown
Produktionsdesign:
Ivo Christante
Darsteller:
Kevin Bacon (Valentine McKee), Fred Ward (Earl Bassett), Finn Carter (Rhonda
Le Beck), Michael Gross (Burt Gummer), Reba McEntire (Heather Gummer), Robert
Jayne (Melvin Plug), Charlotte Stewart (Nancy Sterngood), Tony Genaro (Miguel),
Ariana Richards (Mindy Sterngood), Richard Marcus (Nestor), Victor Wong (Walter
Chang), Conrad Bachmann (Dr. Jim), Bibi Besch (Megan), Michael Dan Wagner (Old
Fred), Sunshine Parker (Edgar)
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