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Triple
Agent
Volles
Diskursvertrauen
In
den Filmen Eric Rohmers sind Liebende konstruiert wie politisch Handelnde: In
"Triple Agent" lässt er dies durch einen russischen Weißgardisten
im Paris der Dreißiger darstellen
Nur
wenige Stunden bevor "Triple Agent" von Eric Rohmer zu sehen war,
konnte man in der Retro hören, warum Gene Hackman vor 30 Jahren nicht mit
seiner Frau in einen Rohmer-Film gehen wollte: "I have seen Rohmer before,
its like watching paint dry." Dabei war Hackmans Unfähigkeit, mit
seiner Frau in der Ruhe und mit dem Diskursvertrauen Rohmerscher Figuren seine
Ehekiste auszudiskutieren, womöglich der Schlüssel zu seiner Tragödie
in "Night Moves": seine Ignoranz, die der Politik und der Diplomatie
der Liebe immer nur mit der stumpfen Hermeneutik des Detektivs beizukommen versucht.
Bei Rohmer waren Liebende jahrzehntelang konstruiert wie politisch Handelnde:
Sie hatten Interessen, Überzeugungen und, wegen deren Unvereinbarkeit in
einer harmonischen Kindersubjektivität, vor allem Geheimnisse.
Logisch,
dass der 84-Jährige nun an einer Serie arbeitet, die diese Liebespolitik
vor der Kulisse historischer Unübersichtlichkeiten entfaltet: Machtwechsel,
unklare Konstellation, höchste Geheimhaltungsstufe. Nach "L’Anglaise
et le duc"
(2001), der in der Französischen Revolution spielte, erzählt "Triple
Agent" die Geschichte eines russischen Weißgardisten im Pariser Exil
zwischen dem Sieg der Volksfront und dem Hitler-Stalin-Pakt.
General
Woronins Frau malt naiv, die kommunistischen Nachbarn, mit denen man über
politische Grenzen hinweg diskursoptimistisch befreundet ist, mögen dagegen
Picasso und die Abstrakten. Deren Ablehnung durch die KP ist ihr einziges Problem
mit dem Sowjetsystem, für die Sympathisanten der Weißen ist es -
Running Gag - das einzig Gute. Woronins Frau weiß nie, woran sie bei ihrem
Mann ist. Rät er den Exilrussen nur aus realpolitischer Schläue von
zu starker Konfrontation mit der linken Regierung Blum ab? Was macht er in Berlin,
will er mit den Nazis gegen Stalin paktieren? Oder ist er ein sowjetischer Agent,
was seine Milde gegenüber politischen Gegnern erklärte?
Ihre
Versuche, seine Winkelzüge zu erklären, seine nie vollständige
Unehrlichkeit, seine aufrichtige, ihre bedingungslose Liebe bilden den Stoff
endloser Dialoge in einer bühnenmäßigen Inszenierung. Da Rohmer
sich diesmal nicht auf die Eigendynamik liebenswert-jugendlichen Gegenwarts-Gelabers
verlassen kann, ist er auf Schauspieler angewiesen, die diese Dialoge spielen
können, ohne über deren Theaterhaftigkeit zu stolpern. Worin Lucy
Russel und Jean Claude Dreyfus in "LAnglaise" glänzten, das geht
Serge Renko als Woronin eher daneben. Auch lenken hier keine brillanten Dekors,
keine rasanten Bildkompositionen gnädig von seinem schmalen Repertoire
ab. Die subtile Geschichte, punktiert durch Wochenschauen, in deren Verlauf
auch Picasso kurz und folgenlos auf der Weltausstellung 1937 Kommunismus und
Avantgarde versöhnen darf, hat ein schroffes Ende. Der Hitler-Stalin-Pakt
tötet jedes Gespräch, alles. Die kostbaren Gespräche aber sind
Rohmer schon untrockener geraten.
Diedrich
Diederichsen
Diese
Kritik ist zuerst erschienen in der: taz Berlin lokal
Triple
agent
(F/G/IT/RUS/SPA
2004)
Länge:
115 min
Regie:
Eric Rohmer
Drehbuch:
Eric Rohmer
Kamera:
Diane Baratier
Schnitt:
Mary Stephen
Darsteller:
Katerina
Didaskalu .... Arsinoé
Serge
Renko .... Fiodor
Cyrielle
Claire .... Maguy
Grigori
Manukov .... Boris
Dimitri
Rafalsky .... General Dobrinsky
Nathalia
Krougly .... Der
General
Amanda
Langlet .... Janine
Jeanne
Rambur .... Dany
Emmanuel
Salinger .... André
Vitalyi
Cheremet .... Alexis Tcherepnine
Bernard
Peysson .... Der Mediziner
Laurent
Le Doyen .... Der Journalist
Emilie
Fourrier .... L'aide-couturière
Alexandre
Koltchak .... Planton
Vladimir
Léon .... Chernov
Alexandre
Tscherkassoff .... Admiral
Galinine
Alexander
Koumpan .... Deutscher
Polizist
Jorg
Schnass .... Deutscher
Polizist
Georges
Benoît .... Französischer Kommissar
Jean-Claude
Tchevrekdjian .... Erster Geiger
Gilberto
Cortes Alcayaga .... Zweiter
Geiger
Arnaud
Limonaire .... Altist
Chahan
Dinanian .... Violoncellist
Marc
Goldfeder .... Pianist
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