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Trommeln
am Mohawk
Zwischen
Realität und Mythos
„I
love making pictures
but
I don't like talking about them.”
(John
Ford)
Amerikanische
Geschichtsschreibung kennt selbstverständlich auch Mythen. Der Ursprungsmythos
ist unabdingbarer Teil jeder Geschichtsschreibung in bezug auf die Entstehung
der jeweiligen Nation. Und gerade Nationen, deren Gründung in besonderem
Maße auf der Vertreibung und/oder Vernichtung anderer beruht, sind bemüht,
in ihren Ursprungsmythen das Heldenhafte und Gerechte des Gründungsaktes
zu reklamieren.
Im
Fall der Vereinigten Staaten sind die Siedlungsgeschichte und die Geschichte
des Siedlers als Prototyp des ehrbaren, fortschrittlichen, integren Mannes unverzichtbarer
Teil des Gründungsmythos. 1939 drehte John Ford, der legendäre Regisseur
des Westerns und der Aufbruchstimmung der gerechten Amerikaner, seinen ersten
Farbfilm, der im Jahre 1776 spielt, noch vor dem Unabhängigkeitskrieg.
Henry Fonda begründete in diesem Film mit seiner Rolle des Gilbert Martin
seinen über Jahrzehnte weiter wirkenden Ruf als Darsteller des rechtschaffenden
amerikanischen Mannes, der sich gegen Ungerechtigkeiten aller Art zu Wehr setzt
(man vergleiche etwa auch seine Rolle als Geschworener in Sidney Lumets „Die
zwölf Geschworenen”, 1957).
Und
die Geschichte, die John Ford nach einem Roman von Walter D. Edmonds erzählt,
kann als beispielhafte und genretypische filmische Rekonstruktion dieses Gründungsmythos
eingestuft werden. Fonda und die französische Schauspielerin Claudette
Colbert als Gil Martins Frau Lana machen sich von Albany, wo sie geheiratet
haben, auf den Weg nach Westen in das Mohawk-Tal im späteren Staat New
York, um dort ihre Existenz aufzubauen.
Inhalt
Im
Mohawk Valley leben die Menschen in Forts und in der näheren Umgebung solcher
Befestigungsanlagen. Er herrscht Bürgerkrieg. Während George Washington
als Führer der Continental Army versucht, die nach Unabhängigkeit
dürstenden Amerikaner gegen die Briten und mit ihnen verbündete Indianerstämme
zu führen, befinden sich die Martins nun mit den anderen Siedlern im gefährlichen
Grenzgebiet, in dem es immer wieder zu Überfällen durch Briten unter
Führung Caldwells (John Carradine, Vater David Carradines) und Indianern
kommt. Die Martins siedeln in der Nähe des Forts German Flats, das von
General Nicholas Herkimer (Roger Imhof) befehligt wird.
Schon
bald wird Lana bewusst, dass sie sich durch die Heirat mit Gil Martin auf ein
Leben eingelassen hat, dass sich von ihrem bisherigen in der Sicherheit und
Geborgenheit in ihrer Familie in Albany völlig unterscheidet. Als der alte
Häuptling Blue Back (Chief John Big Tree) plötzlich in dem herunter
gekommenen Holzhaus vor ihr steht, das Gil erworben hat, gerät sie in panische
Angst und will wieder nach Albany zurück. Bei einem Überfall durch
Caldwell stecken dessen Leute das Haus der Martins in Brand.
Gil
gelingt es, Lana zum Bleiben zu bewegen. Trotz des Verlustes des Hauses können
die Martins auf das Zusammengehörigkeitsgefühl der Siedler vertrauen.
Die Witwe McKlennar (Edna May Oliver in einer Glanzrolle), eine grantige Dame,
die dennoch das Herz auf dem richtigen Fleck hat, nimmt die beiden auf, gibt
ihnen Arbeit.
Das
Leben in Fort German Flats wird dennoch von Tag zu Tag riskanter. Denn es naht
die Entscheidungsschlacht zwischen den nach Unabhängigkeit strebenden Amerikanern
und den britischen Tories. Lana bangt um ihren Mann, als dieser mit den Truppen
General Herkimers gegen die Briten und Indianer ins Feld zieht ...
Inszenierung
„Drums
Along the Mohawk” ist im wahrsten Sinn ein Bilderbogen, ein sattes, in den Farben
leuchtendes Drama über die unmittelbare Vorgeschichte der amerikanischen
Unabhängigkeit, über den Zusammenhalt der nach Freiheit strebenden
Siedler in den unsicheren Grenzgebieten, über ihren heldenhaften Mut, allen
Gefahren zu trotzen, und auch über die Sympathie der Siedler für die
Indianer, sofern sie nicht auf Seiten der Tories kämpfen – also das, was
man getrost und gerechterweise eine Mischung aus Wahrheit und Lüge, aus
Realität und Legende nennen muss, eben einen Mythos.
Claudette
Colbert als zunächst ängstliche und über das unstete Leben verzweifelte
Frau, die sich dann zu einer mutigen, entschlossenen Kämpferin an der Seite
der anderen Männer und Frauen entwickelt, und Henry Fonda als unbestechlicher
und integrer Mann, als Prototyp des grundehrlichen Amerikaners, sind neben der
die grobschlächtige, aber herzensgute Witwe spielenden Edna May Oliver
die mit Abstand glänzenden Stars dieses Films. Edna May Oliver ist neben
dem einen etwas schusseligen Fortbewohner spielenden Eddie Collins diejenige,
die die nötige Portion Humor in die Geschichte bringt.
Obwohl
schon dieser Ford-Film – wie seine späteren, sehr bekannten Western (etwa
„Rio Grande” (1950), „Der letzte Befehl” (1959) oder „Cheyenne” (1964) – den
Mythos immer wieder reproduziert, bleibt die Rekapitulation auf ihn doch immer
auch brüchig, immer auch Forderung und Hoffnung in Konfrontation mit einer
Welt, in der es so ganz anders aussieht.
„Drums
Along the Mohawk” gehört vielleicht nicht zu den besten Filmen des amerikanischen
Regisseurs, der irgendwann selbst zum Mythos wurde. Doch der Film lässt
verstehen, in welch widersprüchlichen Gefühlen sich ein patriotisch
gesinnter Amerikaner finden muss, der stets von der Wirklichkeit (vergeblich)
verlangte, sich dem Mythos anzunähern.
Dabei
ist der Film weder in Dramaturgie, noch in den Dialogen, noch in der Zeichnung
der Charaktere besonders patriotisch. Ford hatte die Fähigkeit, den Patriotismus
sozusagen auf eine realistisch erzählte Geschichte ohne Schnörkel
und Rührseligkeiten herunter zu deklinieren.
DVD
DVD
Bildformat: 1.33:1; Vollbild 4:3
Ländercode:
2
Extras:
Fotogalerie, Biografien, Programmhinweise
Keine
Untertitel
Ton:
Deutsch, Dolby Digital 2.0 Mono
Englisch,
Dolby Digital 2.0 Mono
Der
Film erschien neben „Der Hexenjäger” (1968), „Die Ungetreue” (1948), „Der
Fall Cicero”
(1952) und „Der
schwarze Panther”
(1974) jetzt in der Reihe Classic Edition bei McOne. Die DVD enthält –
wie die meisten anderen dieser Reihe – kein nennenswertes Bonusmaterial (lediglich
Fotogalerie, Biografien und Programmhinweise). McOne verfolgt das Konzept, Klassiker
bzw. wenig bekannte oder vergessene Filme möglichst preiswert auf den Markt
zu bringen. Dazu gehören auch Filme wie die Hawks-Komödie „Ich
war eine männliche Kriegsbraut”
(1949) und die beiden Polanski-Filme „Ekel”
(1965) und „Das
Messer im Wasser”
(1962). Dieses Konzept hat Erfolg, nicht nur, weil Bild- und Tonqualität
der genannten Filme zumeist nahe an heutige Ansprüche herankommen.
Gelungen
ist dies besonders bei „Trommeln am Mohawk”. Das Bild ist exzellent, insbesondere
die Farben wirken frisch; man kann regelrecht von einem farbenprächtigen
Film reden. Altersbedingte Fehler im Bild konnte ich nicht entdecken. Auch der
Ton lässt eigentlich nichts bemängeln, auch wenn er englische Originalton
etwas dumpf wirkt. Trotzdem lohnt es sich, einen solchen Film auch einmal in
der Originalfassung zu hören.
Die
DVD kostet bei amazon € 17,99, bei dem schweizerischen 1A-DVD-Shop umgerechnet
€ 16,86 und bei jpc sage und schreibe nur € 8,99.
Informationen
bei: http://www.mc-one.de
Wertung
Film: 9 von 10 Punkten.
Wertung
DVD: 9 von 10 Punkten.
Ulrich
Behrens
Dieser
Text ist zuerst erschienen bei: www.yopi.de
Trommeln
am Mohawk
(Drums
Along the Mohawk)
USA
1939, 103 Minuten
Regie:
John Ford
Drehbuch:
William Faulkner, Sonya Levien, Lamar Trotti, nach dem Roman von Walter D. Edmonds
Musik:
Alfred Newman
Director
of Photography: Bert Glennon, Ray Rennahan
Montage:
Robert L. Simpson
Produktionsdesign:
Richard Day, Mark-Lee Kirk, Thomas Little
Darsteller:
Claudette Colbert (Lana Martin), Henry Fonda (Gilbert Martin), Edna May Oliver
(Mrs. McKlennar), Eddie Collins (Christian Reall), John Carradine (Caldwell),
Dorris Bowdon (Mary Reall), Jessie Ralph (Mrs. Weaver), Arthur Shields (Reverend
Rosenkrantz), Robert Lowery (John Weaver), Roger Imhof (General Nicholas Herkimer),
Francis Ford (Joe Boleo), Ward Bond (Adam Hartman), Kay Linaker (Mrs. Demooth),
Russell Simpson (Dr. Petry), Si Jenks (Jacob Small), Jack Pennick (Amos Hartman),
Arthur Aylesworth (George Weaver), Chief John Big Tree (Blue Back)
Internet
Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0031252
©
Ulrich Behrens 2005
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