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Karl
Valentin und Liesl Karlstadt – die beliebtesten Kurzfilme
„Bei Ihnen darf man nichts fragen. Da fällt
man immer rein. Das hab ich schon gemerkt: Sie sind ein witziger Bold!“ sagt
Liesl Karlstadt zu Karl Valentin im „Schallplattenladen“-Sketch, zu finden auf
der Best-of-DVD, die zu Valentins 125.Geburtstag erschienen ist, und sie markiert
damit, um was es dem Brecht-Freund, dem Inspirateur von Tucholsky über
Achternbusch bis Schlingensief, Karl Valentin, vorrangig zu tun war: Die verbale,
aber auch die handgreifliche, Demontage von Ordnung, die „Unsinnsfabrikation“,
wie er selbst es nannte, den DADAisten nahe und, zwar auch bayerisch, clownesk,
burlesk, ihrem Charakter nach aber anarchisch und böse auf Autoritäten,
Behörden, Bürokratie, hohle Ordnung und spießiges Ordnungssystem.
Die auf der bei Ascot Elite erschienenen DVD vorliegenden
fünf längeren Sketche Valentins schwanken sowohl in ihrer Bild- und
Tonqualität (sie sind offenbar nie digital nachbearbeitet worden) als auch
in ihrer Witzigkeit. Manche Szenen geraten zäh, z.B. im ausgedehnten „Photoatelier-Sketch“,
in welchem Karlstadt und Valentin zwei faule Angestellte geben, werden aber
immer wieder durch absurde Ideen aufgewertet. So erscheint, nachdem ein Scharfrichter
das Atelier verlassen hat, ein großgewachsenenes Brautpaar vor der Tür,
dessen hinter dem Rahmen verborgenen Köpfe die Protagonisten zur Panik
treiben: Die „Geköpften“ sind da!
Dass Valentin (bayerisch gesprochen „Phallentin“,
inwieweit das Phallische seiner angeklebten Nase damit korrespondierte, sei
dahingestellt) einsamer Vorreiter einer Form gesamtkunstwerklicher Selbstinszenierung
(Helge Schneider z.B. ist Adept dieses Stils), - abgesehen von seiner Mimik,
über die Maskerade, von der Sprachdekonstruktion bis hin zum Schweigen,
ist es auch immer Valentin, der seinen hageren, schlaksigen Körper ausstellt
und als groteskes Stilmittel mitinszeniert – merkt man der raumgreifenden Gelassenheit
seiner, teilweise sicherlich improvisierten, Stückchen an. Die Pointen
sind zum Teil rar gesät, zum Teil ist deren Ausbleiben aber wahrscheinlich
gerade valentinisch-nihilistischer Stil. Und Valentin neigt zur Auflösung
von Inneneinrichtungen, er demoliert einen Plattenladen („Was soll denn drauf
sein, auf der Schallplatte, die sie suchen?“ „Schall!“) und zerspielt ein halbes
Orchester mitsamt Repertoire.
Die unverzichtbare Liesl Karlstadt vergoldet die
szenischen Miniaturen, ob als alte Frau, als Firmist oder als Lehrling. Erst
mit ihr passt’s richtig. Wenn sie übrigens zu Valentin sagt: „Sie sind
ja ein richtiger Tausendsassa“, dann antwortet er: „Nein, ein Neunhundertneundundneunzig-Sassa“.
Treffender geht’s nicht.
Andreas Thomas
Karl
Valentin & Liesl Karlstadt - die beliebtesten Kurzfilme
SONDERAUSGABE
zum 125. Geburtstag!
Inhalt:
1. Im Photoatelier (1932 / ca. 23 Min.) 2. Orchesterprobe (1933 / ca. 21 Min.)
3. Im Schallplattenladen (1934 / ca. 19 Min.) 4. Der Firmling (1934 / ca. 23
Min.) 5. Die Erbschaft (1936 / ca. 19 Min.)
ca.
106 min. PAL Color
Altersfreigabe:
FSK 6
DVD:
Bildformat Fullscreen 4:3 s/w
Ländercode:
2
Ton:
Deutsch, Dolby Digital 2.0 Mono
Erschienen
bei: Ascot Elite
www.ascot-elite.de
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