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Wallace
& Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
Landeskunde aus
Knete
In Großbritannien
genießen die Knetfiguren Wallace und Gromit Kultstatus. Im Gegensatz zu
Deutschland, wo lediglich drei Kurzfilme bekannt sind, hat sich dort ein ganzes
Knetuniversum etabliert, in dem das Duo nur eine prominente Rolle einnimmt.
Der Grund dafür dürfte wohl die landestypische Färbung der Animationsfilme
sein, die sich auf dem Festland wohl nur bedingt verkaufen lässt. Eben
dieses Kolorit aber ist es, das den ersten abendfüllenden Animationsfilm
Wallace
and Gromit: The Curse Of The Were-Rabbit auch
hierzulande sehenswert macht – abgesehen vom herrlichen Humor.
Die Welt von Wallace
und Gromit ist keine der bekannten, amerikanisch gefärbten Großstädte
und suburbs, in denen gelangweilte
Hausfrauen, abgedrehte Familien und allerlei Yuppies den Sinn des Lebens suchen.
Die Welt des Duos ist eine durch und durch englische Kleinstadt, in der es nicht
mit rechten Dingen zugeht: Hasen machen sich über die liebevoll herangezogenen
Gemüsegärten der schrulligen Einwohner her – der selbstironische Blick
auf eine Nation von Hausbesitzern, deren Volkssport gardening ist. Wallace und
Gromit verdingen sich durch das Einfangen der kleinen Schädlinge, ohne
selbige zu töten. Das führt nach einer Weile zu einer Überfüllung
der Gehege, so dass der Mensch Wallace auf die grandiose Idee verfällt,
die Hasen zu rehabilitieren, ihre kleinen Gehirne zu manipulieren und sie so
nie wieder Gemüse fressen zu lassen. Natürlich geht dies gehörig
schief und es entsteht ein größeres Problem, als ursprünglich
zu lösen war: Der Wer-Hase – ein interessantes Statement zu der Klondiskussion
auf der Insel.
Die Versuche das
neu geschaffene Ungetüm aufzuhalten, strotzen nur so vor Slapstick – allein
die glubschäugigen, hinreißend animierten Knetfiguren rufen Gelächter
hervor –, Wortwitz und gängigen Filmzitaten, das alles auf einmal und durchtränkt
von reichlich britischem Humor. So verfolgt eine fiese Dogge den armen Gromit,
der sich mit einem Miniaturdoppeldecker aus dem Weltkrieg davonmacht. Die Dogge,
die „dogfight“ liest, springt in einen „Roten Baron“ und jagt den französischen
Flieger – die britische Begeisterung für den Great War kennt keine Grenzen.
Ähnliches gilt für den Quoteninder, eine adlige Lady mit Überbiss
und die völlige Respektlosigkeit gegenüber der Amtskirche. Resultat
sind 90 Minuten Lach-, aber auch Sachgeschichten, eine Landeskunde aus Knete.
Man wünscht, es gäbe mehr solch wirklich europäisches Kino.
Thomas Hajduk
Wallace
& Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
Großbritannien
2005 - Originaltitel: Wallace & Gromit: The Curse of the Wererabbit - Regie:
Nick Park - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ab 6 - Länge: 96 min.
- Start: 13.10.2005
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