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Adam
Planet
Asperger – Die unkonventionelle Romantic Comedy „Adam“
Adam
ist einer wie von einem anderen Stern. Die Metapher übersetzt der Film
ins Konkrete: Adam interessiert sich fürs Weltall. Und Interesse bedeutet
bei Adam: er kennt alle Fakten, alle Theorien, alle kleinsten wissenschaftlichen
Kleinigkeiten der Astronomie und hält sich auch nicht zurück, darüber
lange Referate zu halten. Statt simplen Smalltalk zu plaudern …
Adam
ist Autist; kein so schwerer Fall wie Dustin Hoffman [in "Rain Man"
- die
fz-Redaktion];
er leidet an der eher milden Form des Asperger-Syndroms, die es ihm verwehrt,
andere emotional zu verstehen; sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen.
Weshalb er immer mal wieder ziemlich unsensibel scheint, oder naiv, wenn er
Ironie nicht versteht; was aber andererseits bedeutet, dass er vor allem die
Tugend der Ehrlichkeit verfolgt. Ehrlichkeit auch und vor allem in der Liebe.
Denn das kann er: lieben. Und er kann auch romantisch sein – was vielleicht
nicht bedeutet, dass er der Dame seines Herzens die schweren Einkaufstüten
tragen hilft, aber immerhin lädt er sie zu sich ein, um sein privates Planetarium
vorzuführen, oder um ihr wilde Waschbären im Central Park zu zeigen.
Beth
ist die Ausersehnte, und sie ist nicht abgeneigt; auch nicht, als sie von seinem
Asperger-Problem erfährt. Tatsächlich entwickelt sich eine Liebesgeschichte,
eine berührende, kleine Story vom Zusammengehören, vom Vertrauen,
vom Füreinanderdasein. Und das erzählt Regisseur Max Mayer sehr emotional
und mit viel Humor: Adam weiß von seinen Schwächen und stolpert doch
immer wieder ins Fettnäpfchen, wenn es um die Konventionen des gesellschaftlichen
Umgangs geht. Und man fragt sich dabei ganz leise, wer denn eigentlich diese
Konventionen für welchen Zweck geschaffen hat …
Nein,
der Film reitet nicht auf den Symptomen des Syndroms herum; er spielt nicht
auf der Betroffenheitsleier, er will auch gar nicht Mitleid erzeugen. Er zeigt
eher den Alltag, das alltägliche Lieben von Adam. Und er legt es auch nicht
auf Gags an – diese ergeben sich von allein, aus den Figuren heraus. Das ist
sehr schön, sehr locker und leicht, sehr witzig und auch durchaus bewegend
in der unbeschwerten Herangehensweise an die romantische Komödie.
Bei
aller Zärtlichkeit, die Mayer gegenüber seinen Figuren aufbringt,
kann er aber doch nicht von den Konventionen der Romanze lassen – und das bei
einem Film, der einen Menschen in den Mittelpunkt stellt, der sich – ob er will
oder nicht – gegen die Konventionen des Lebens stellt … Zwar ist die Weltall-Metapher
nicht allzu aufdringlich, aber eben doch sehr deutlich auf Adams Fremdheit in
der Welt zugeschnitten. So wohltuend es ist, dass es in diesem Film keinen Antagonisten
gibt, der als Widersacher irgendetwas Böses will – so konstruiert wirkt
der aufkommende Konflikt um mangelnde Ehrlichkeit und Unfähigkeit zum Vertrauen
zwischen Adam und Beth. So gelungen das Ende ist, bei dem es kein Happy End
im herkömmlichen Sinne gibt, das aber dennoch auf allen emotionalen Ebenen
befriedigt – in gewissem Sinne verrät Mayer damit eben doch seinen Film,
indem er Adam eine Entwicklung beigibt. Adam hat soziales Verhalten erlernt,
passt sich an andere an, kennt ihre Erwartungen und erfüllt sie – und das
widerspricht schlicht dem Filmanfang, in dem Beths Stimme Saint- Exupérys
„Kleinen Prinzen“ zitiert, mit dem sie Adam gleichsetzt, der dem Piloten (also
ihr selbst) die richtigen Sichtweisen auf das Leben beibringt. Wobei das Filmende
eben Adam den Lernprozess zuschreibt, durch das Leben, die Liebe, durch Beth.
Harald
Mühlbeyer
Dieser Text ist zuerst erschienen in: screenshot
Adam
USA
2009. Buch, Regie: Max Mayer. Kamera: Seamus Tierney. Musik:
Christopher Lennertz. Produktion: Leslie U rdang, Miranda de Pencier, Dean Vanech.
Darsteller:
Hugh Dancy (Adam), Rose Byrne (Beth Buchwald), Peter Gallagher (Marty Buchwald),
Amy Irving (Rebecca Buchwald), Frankie Faison (Harlan).
Länge:
99 Minuten
Verleih:
Fox
Kinostart (D): 10.12.2009
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