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Bedtime
Stories
In der Disney-Komödie "Bedtime
Stories" bekommt es Adam Sandler mit den Fantasien der Kinder und einem
riesenäugigen Meerschwein zu tun.
Die beste Hollywoodkomödie des nun
beinahe vergangenen Jahres war eine Adam-Sandler-Komödie (allerdings mit
Zutun des Komödien-Master-Mind Judd Apatow): Der anarcho-infantile Nahost-Frisuren-Versöhnungs-Slapstick
"You
Don't Mess With the Zohan".
Ein Kreis schließt sich nun, denn auch die mutmaßlich schlechteste
Hollywoodkomödie des Jahres, "Bedtime Stories" ist wieder ein
Sandler-Film. Wo Zohan sich weit ins
Politische und ins Politisch-Progessive vorwagte, ist "Bedtime Stories"
nun ein umso schlimmerer Rückfall in wirklich üble reaktionäre
Gefilde.
Der Trailer sah nett aus. Der Trailer
war überhaupt der einzige Grund, warum ich mir den Film in der letzten
Pressevorführung dann ansah. Der Trailer ging so: Unbeholfener Ersatzpapa
erzählt den Kindern Geschichten zum Einschlafen und die erzählen sie
weiter und die Geschichten werden dann wahr. In der Geschichte regnet es Kaugummis
vom Himmel und also geschieht es im richtigen Leben. Nun ist dies im Film selbst
halb und halb tatsächlich so, aber umgesetzt wird es so schlecht wir nur
möglich: ohne den Mut zum wirklich Fantastischen nämlich. Die Fantasie
muss sich im Wesentlichen in den höchst
aufwändig am Rechner und in Studiobauten zusammengeschraubten Einschlafgeschichten
austoben. Nur gibt es da nichts zu toben, weil die Scherze schlicht dumm sind
und weil Timing und Rhythmus in den Händen des dilettantischen Regisseurs
Adam Shankman überhaupt nicht stimmen.
Daneben aber, oder eher darüber,
hat der Film überflüssigerweise noch einen richtigen Plot. Sandler
nämlich spielt einen kleinen Mann namens Skeeter Bronson, der als Sohn
eines Mannes, der ein kleines Hotel besaß, nun im großen Hotel des
bösen und schwer neurotischen Mannes, der das kleine Hotel gekauft und
ein riesiges, seelenloses Hotel draus gemacht hat, niedrige Dienste verrichtet.
Dem zugrunde liegt Kapitalismuskritik in ihrer rechten Variante, die vor allem
von der Sehnsucht nach dem Kleinen, Kuschligen und Vergangenen grundiert ist.
Und der Kapitalist ist im Prinzip vernünftig, nur an Seele und Herz durch
das Geld und die bösen Menschen in seiner Nähe phobisch geworden und
schwer korrumpiert. Er hat auch eine Tochter, in der jedermann Paris Hilton
erkennt. Die Moral, ganz klar: Menschen mit zu viel Geld werden blond und dumm
und von denen, die das Herz am rechten Fleck haben wie Skeeter, halt trotzdem
begehrt. (Dass sie dann was Reelleres - Keri Russell - abbekommen, versteht
sich wiederum fast von selbst.)
Ausgeteilt wird auf der anderen Seite
dann natürlich nach links. Gegen die Schwester (Courteney Cox), die ihre
Kinder ökofaschistisch erzieht. Agent der Befreiung ist, versteht sich,
Skeeter, der, als Kind im Mann, die Kinder, was nur ihn überrascht, bald
bestens versteht. Es dauert nicht lang, da sehen sie trotz Verbot fern. Es dauert
kaum länger, da essen sie doch tatsächlich Burger. Dazwischen geht
es nach Rom und in die Zukunft und ins Mittelalter und wer da an Terry Gilliams
"Time Bandits" denkt, liegt falsch. Dessen liberaler Bild- und Zeitpolitik
der offenen Türen stellt "Bedtime Stories" durchweg und geradezu
Punkt für Punkt reaktionär-konservative Ideologeme entgegen.
Wäre alles halb so schlimm, wäre
das ganze nicht auch als Komödie restlos missglückt. Nichts, was der
Trailer verspricht (Witz, Fantasie, zu Herzen Gehendes), hält der Film.
Viele Kinder waren in der Pressevorführung. Einzig, wenn Glubschi, das
Meerschwein mit den riesigen Augen auftauchte, haben sie gelacht. Sonst waren
alle, die Erwachsenen und ihre Kinder, erschreckend still. Dringender Rat an
alle Familien: Versauen Sie sich nicht das Fest! Meiden Sie diese Gurke! Und
wählen Sie die Alternative: Der schwedische Vampirfilm mit Kindern "So
finster die Nacht",
den ich leider verpasst habe, soll nach übereinstimmenden Berichten der
Kollegen ganz fabelhaft sein.
Ekkehard Knörer
Dieser Text ist zuerst erschienen
am 24.12.2008. in: www.perlentaucher.de
Bedtime
Stories
USA 2008 - Regie: Adam Shankman - Darsteller: Adam Sandler, Courteney Cox, Keri Russell, Guy Pearce, Russell Brand, Jonathan Morgan Heit, Annalise Basso, Teresa Palmer, Lucy Lawless - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 99 min. - Start: 25.12.2008
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