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Duell
– Enemy at the Gates
Drehort
Brandenburg, und die Stalingrad-Schlacht als Stahlgewitter. Immer wieder blitzen
die schönen Augen von Jude Law in der Großaufnahme auf. »Der
Krieg ist ein großes emotionales Erlebnis«, gab er in der Pressekonferenz
zum besten. Doch dann kam noch gerade rechtzeitig: »Der Krieg bringt’s
nicht.«
Das
ging vor der Presse in Ordnung. Doch der Kriegsfilm bringt’s auch nicht. Regisseur
Annaud (»Sieben Jahre in Tibet«) führt uns Stalingrad als grandiose
Bühne für die Zweikampf-Show zweier Scharfschützenstars vor.
Deswegen bekommt neben dem Russen-Sniper Jude Law auch der ehrenwerte Wehrmachtsmajor
König (Ed Harris) extreme Großaufnahmen. Beide sind auch im jeweils
anderen Feindeslager oben in den Charts. Russen und Deutsche werden eins: Publikum.
And
the winner is ...
Annaud
machte hinterher Eisenstein für seinen Helden-Showdown verantwortlich.
Immer wieder habe er dem Team die Eisensteinfilme vorgeführt – mit ihren
Großaufnahmen, wo die Augen blitzen zwischen all den Totalen. Und außerdem
sei sein Schlachtgemälde universell; Duelle gebe es überall, auch
den Wettstreit um die schöne Frau.
Hätt
ich’s doch fast vergessen. Ja, es wird in Stalingrad noch um anderes gestritten,
und zwar innerhalb der Roten Armee. Heldenschütze Jude Law und Politoffizier
Joseph Fiennes (beides Russen) kämpfen um die Gunst der Russin Rachel Weisz.
Auch brauchen die Russinnen Eva Mattes und Sophie Rois Zuwendung. Da hört
allerdings der Spaß auf, befindet ein mürrischer Nikita Chruschtschow,
gespielt vom Russen Bob Hoskins; Bühne frei fürs Sniper-Duett!
Es
ging rund in good
old Stalingrad.
Im märkischen Sand verpulverten Pyrotechniker ihren Batzen vom größten
Filmbudget, das je in Europa verdreht wurde (fast 200 Millionen Mark). Beim
Stalingrad-Feuerwerk ging zweierlei drauf, nämlich a) 100 Millionen Mark
berlin-brandenburgische Steuergelder der Filmförderung und b) die komplette
Filmdramaturgie. Traurig? I wo, mit den 20 Millionen, die im Studio Babelsberg
hängenblieben, wurde dort das Gespenst des Konkurses verscheucht. Und der
Zuschauer, bliebe er denn die zwei Stunden im Kino, findet seine Lieblingstoten
kurz vor dem Abspann wieder unter den Lebenden, Happy-End im Russenlazarett.
Das
wahre Stalingrad-Ende kommt allerdings noch. Nach dem Gau der berlin-brandenburgischen
Filmfinanzpolitik (»Duell mit Hollywood«) und dem sich abzeichnenden
Super-Flop des Prestige-Desasters würde ich gern wissen: Wenn auf einen
groben Klotz ein grober Keil gehört, was denn auf diesen?
Dietrich
Kuhlbrodt
Dieser
Text ist zuerst erschienen in: Konkret
Zu
diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere
Texte
Duell
– Enemy at the Gates
Enemy
at the Gates
BRD/Großbritannien/Irland
2001. R:
Jean-Jacques Annaud. B: Alain Godard, Jean-Jacques Annaud. P: Jean-Jacques Annaud,
John D. Schofield. K: Robert Fraisse. Sch: Noelle Boisson, Humphrey Dixon. M:
James Horner. T: Eddy Joseph, Martin Müller. A:
Wolf Kroeger, Steven Lawrence, Dominic Master. Ko: Janty Yates. Pg: Mandalay/KC
Medien/MP Film Management/DOS/Repérage/Swanford/Little Bird. V: Constantin.
L: 131 Min. FSK: 16, ffr. FBW: wertvoll. DEA: Berlinale 2001. Da: Jude Law (Vassili),
Joseph Fiennes (Danilov), Rachel Weisz (Tania), Bob Hoskins (Chruschtschow),
Ed Harris (König), Ron Perlman (Koulikov), Gabriel Marshall-Thomson (Sacha),
Eva Mattes (Mutter Filipov).
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