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Duplicity
–
Gemeinsame Geheimsache
In der Betriebsspionage-Liebeskomödie
"Duplicity - Gemeinsame Geheimsache" geben Julia Roberts und Clive
Owen ein mit allen Wassern gewaschenes Pärchen, das um Geld, Vertrauen
und Liebe spielt
Schon der Vorspann von "Duplicity"
hat es doppelt in sich. Elegant wird erst die Leinwand im
Split-Screen zur Spielfläche für eine postkoitale Überraschung.
Der, der sie erlebt, bzw. nicht erlebt, heißt oder nennt sich Ray (Clive
Owen) - ist allerdings aus dem Spiel. Auf einer Party im nicht nur an Baukränen
reichen Ölstaat Dubai hat er eine gelangweilte Schöne - sie nennt
sich Claire (Julia Roberts) - angesprochen und abgeschleppt und muss, später,
feststellen, dass in Wahrheit nicht er hier das Netz ausgeworfen hat, sondern
sie. Nun zappelt er, bzw. zappelt er nicht mehr, denn sie hat ihn betäubt.
In aller Ruhe klaut sie, eine Geheimdienstfrau (CIA), die Geheimnisse des Geheimdienstmanns
(MI 6) und macht sich damit aus dem Staub.
Des Vorspanns zweiter Teil lässt
die experimentelle Splitscreen-Spielerei hinter sich und gibt sich eher Video-installativ.
Wieder sehen wir zwei, aber Sex haben sie nicht. Vielmehr eilen zwei Männer
- Paul Giamatti und Tom Wilkinson - auf einer Flugzeug-Landebahn wutentbrannt
aufeinander zu und beginnen den Kampf Mann gegen Mann. Auf beiden Seiten sieht
man, erstaunt und regungslos erst, die zugehörigen Parteien, die erst,
als es allzu arg wird, einzuschreiten beginnen. Zuvor aber: Die reine Freude
an der Wut, die sich körperlich Ausdruck verschafft. Der Clou der Sache:
Die Szene ist in Superzeitlupe gefilmt. Entstellt sind die von Hass verzerrten
Gesichter, wobei die durch enorme Verlangsamung beinahe zum Stillstand gebrachte
Aggression vor allem eines ist: ziemlich komisch. (Wer da kämpft, sind
konkurrierende Firmenbosse, aber das erfährt man erst später.)
Nach diesem brillanten doppelten Vorspiel
kann der Film eigentlich nur noch enttäuschen. Was sein Macher Tony Gilroy
allerdings weiß. Er tut darum, was er kann, und entwirft, in fortgesetztem
chronologischem Vor und Zurück, eine komplizierte Täuschungs-, Geheimdienst-
und Betriebsspionage-Geschichte. Volte um Volte schlägt dieser Plot, der,
etwas aufdringlich hier und da, auch als etwas klamaukige Satire auf den kapitalistischen
Wettbewerb funktioniert. Nach Art einer in raffinierte Bewegung versetzten Kippfigur
möchte Gilroy seinen Film dabei immer mindestens zwei Tänzchen zugleich
tanzen lassen.
Claire und Ray sind sich - man muss da
selbst gleich in der Vergangenheit sprechen - im Flashback wiederbegegnet. Sie
wollen gemeinsam Geschäfte, aber auch Liebe machen und trauen sich dabei
nicht über den Weg. Nicht alles ist im weiteren Verlauf, was es scheint.
(Anderes, nur weiß man es nicht, schon, das macht die Sache ja so schwer
zu durchschauen.) Wir sehen, in Rückblenden, wie die beiden Pläne
entwerfen - in Rom, Miami und anderswo. Wir kapieren aber erst nach und nach,
was sie da planen. Oder glauben zu kapieren bzw. kapieren, dass wir nicht wirklich
kapieren sollen, wie die Dinge sich verhalten, sondern dass wir rätseln
sollen und dann sehen, wie sie sich entfalten.
In der Tat entfalten sie sich, vor, zurück,
Intrige und Trick, immer mal wieder anders, als man so denkt. Bis zuletzt, glaubt
man, haben die beiden, Claire und Ray, etwas in der Hinterhand. Aus der Zusammenhangserklärungsverweigerung
bezieht "Duplicity" für den, der sich die Mühe macht, die
ganze Zeit auf dem Laufenden bleiben zu wollen, seine Spannung. Andere Reize
hat der Film auch zu bieten, nämlich die zweite Seite seiner getanzten
Kippfigur. Die ganze Betriebsspionage- und Firmen-Abzock-Großintrige ist,
anders gesehen, nicht mehr als das federnde Sprungbrett für das Screwball-Verhältnis
von Ray und Claire.
Auf dem Wissen darum, dass sie einander
nicht trauen können, beruht, vor und zurück, das Liebesverhältnis
der beiden. Sie wissen, woran sie beim anderen sind: Alles ist ihr oder ihm
zuzutrauen. Das jedenfalls ist die Theorie, die Autor und Regisseur Tony Gilroy
in all seinen oft genug schön pointierten Dialogen hier ausdrücklich
entwickelt. Das eine sagen, das andere tun und ein drittes immer für möglich
halten: auf diesem Niveau eines Grundvertrauens allein darein, dass alles denkbar
ist, soll diese Liebe ihr Spielfeld haben.
Bewundern kann man Gilroy für das
konsequente Spiel über mehr als eine Bande, das er hier wagt. An Geschick
und planvollem Vorgehen mangelt's ihm nicht.
Wäre das Mechanische seines Grundarrangements nicht durchweg zu spüren;
machte er nicht, was er will, an entscheidenden Stellen nicht doch allzu ausdrücklich;
und hätte er etwas mehr nur im Sinn als das Tanzen und Kippen seiner Figuren
- dann wäre "Duplicity" nicht nur ein durchweg sehr intelligenter
und unterhaltsamer Film, sondern er wäre das, was er gern wäre, aber
nun doch nicht ist: ein ebenbürtiger Nachfolge der großen Screwball-Filme
der dreißiger Jahre.
Ekkehard Knörer
Dieser
Text ist zuerst erschienen am 29.04.2009 in: www.perlentaucher.de
Zu
diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere
Texte
Duplicity – Gemeinsame Geheimsache
Duplicity. USA 2009. R,B: Tony Gilroy. K: Robert Elswit. S: John Gilroy. M: James
125 Min. Universal ab 30.4.09
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