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El
Topo
Versuchte
man, sich vorzustellen, was herauskäme, wenn Samuel Beckett, Salvador Dalí
und Clint Eastwood einen gemeinsamen Film drehten, dann könnte man wenigstens
eine vage Idee von Alexandro Jodorowskys El
Topo
bekommen. Wer allerdings, mit gutem Grund, überzeugt ist, dass das keinesfalls
zusammenpasst, der wird hier eines besseren belehrt. Die Bibel kommt allerdings
auch noch dazu, wovon man spätestens angesichts eingeblendeter Zwischentafeln
mit den Titeln „Genesis“, „Propheten“, „Psalmen“, „Apokalypse“ Kenntnis nehmen
muss.
Im
zweiten Teil hat sich das Bild komplett gewandelt. El Topo zieht nicht mehr
durch die Wüste, sondern findet sich viele Jahre später im Kreise
einer Höhlengesellschaft aus Freaks und Krüppeln, die ihn zum Propheten
ihrer Befreiung erwählt haben. Der utopische Ort, an den er sie durch einen
zu grabenden Tunnel führen soll, ist ein Westerndorf, in dem es zugeht
wie in Sodom und Gomorrha, eine Utopie eigentlich der weniger attraktiven Sorte.
El Topo tritt hier mit einer Begleiterin aus der Höhle als Pantomime auf,
um sich Geld zu verdienen. Es kommt zu einer Wiederbegegnung mit (so vermutet
man wenigstens) dem nun erwachsenen und auf Rache sinnenden Sohn vom Anfang,
den El Topo einst allein zurückgelassen hatte. Ein gutes Ende nimmt das
alles trotz gelingender Befreiung nicht, nach der Schrifttafel „Apokalypse“
ist man darauf gefasst.
El
Topo ist ein Film wie kein anderer. Die Einflüsse des absurden Theaters
sind sichtbar, aber selten war das Unerklärliche und Unerklärte so
schlüssig wie hier. Diese Schlüssigkeit ist gewiss keine narrative,
sie verdankt sich den großartigen Bildkompositionen (die in der Tat an
Dali erinnern), dem immer wieder verblüffenden Einsatz der Musik und der
sehr dichten Übereinanderschichtung wiederkehrender Motive, Bilder und
Figurenkonstellationen. Und so weit das Spektrum des Absurden ist: von ansteckender
Heiterkeit bis zu schlichtem Entsetzen und blutigster Metzelei, man hat stets
den Eindruck eines integrierten Ganzen, dessen Einzelteile aufs Abenteuerlichste
miteinander korrespondieren.
Ekkehard
Knörer
Dieser
Text ist zuerst erschienen in: www.jumpcut.de
Zu
diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere
Texte
El
Topo
Originaltitel:
El Topo. Mexiko, 1970. Regie: Alejandro Jodorowsky. Drehbuch: Alejandro Jodorowsky.
Produktion: Juan López Moctezuma, Moshe Rosemberg, Roberto Viskin. Kamera:
Rafael Corkidi. Schnitt:
Federico Landeros. Musik: Alejandro Jodorowsky, Nacho Méndez. Darsteller:
Alejandro Jodorowsky (El Topo), Brontis Jodorowsky (Son of El Topo, as a Boy),
Mara Lorenzio (Mara), Paula Romo (Woman in Black), David Silva (The0 Colonel),
Jacqueline Luis (Small Woman), Robert John (Son of El Topo, as a Man). Farbe.
125 Min.
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