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Es gibt nichts zu überlegen. Es ist
wieder Breton-Zeit. Eine Pistole in die Hand nehmen und wahllos in die Menge
schießen. »Ich muß jetzt einfach jemand töten«,
erklärt Praktikant Ted Pikul (Law) entschlossen und entspannt, also cool.
»Aber nicht den Kellner, der ist so nett«, sagt Allegra Geller (Jason
Leigh), Game-Designerin, also Chefin. Beide testen das produktionsreife Computerspiel.
Der Praktikant setzt aus den Speiseresten, Knöchelchen von reptilesken
Mutationen, die Waffe zusammen. Das ist ein Gepuzzel wie beim Überraschungsei.
Und sehr praktisch, weil von Metalldetektoren nicht erkennbar. Das Einschußloch
im Kellnerkopf ist dann so groß wie eins der beiden Praktikantenarschlöcher.
An dieser Stelle ist nachzutragen, daß
sich das Denken spart, wer bioorganisch gesteuert wird. Genau das ist der Fall.
Die Chefin hat für das zweite Loch gesorgt, unmittelbar über dem primären
gelegen. »Beim ersten mal ist es noch etwas eng«, sorgt sie sich.
Deswegen wird die neue Körperöffnung, der Bioport, mit einem entspannenden
Mittel eingesprayt. Sie schiebt mit einer leichten Drehbewegung die Nabelschnur
ein, den UmbyCord. Dann ist der Praktikant mit der Spielkonsole verbunden, dem
MetaFlesh Game-Pod. Damit ist alles in Ordnung. Wir haben’s schwer mit kommerziellen
Typenbezeichnungen.
Der Analverkehr als Metapher für
die Realität des Computerspiels? Was dagegen? Die Chefin, heiter, stellt
Erfreuliches in Aussicht. Regisseur Cronenberg (»Videodrome«, »Crash«) steht ihr bei. Es muß,
wie bei den übrigen Realitäten, auch beim Computerspiel möglich
sein, einmal wahllos in die Menge zu schießen. Im Film taucht ein Bewaffneter
auf und feuert blindlings auf das Zentral-Organische-mit-schwellenden-Nippeln-dran.
»Kampf dem Imperialismus!« ruft
er in der deutschen Version. Die Folge des fundamentalen terroristischen Akts:
Millionen von imperialistischen Sporen verteilen sich über die weiträumig
verteilten Biomassen.
Das schreit nach gruppentherapeutischer
Aufarbeitung. Der Film zeigt sie. Aber ist nicht diese Realität ihrerseits
vom Bioport über den UmbyCord mit dem MetaFlesh Game-Pod verbunden? – Wer
spielt, mit dem wird gespielt? Auch wer Amok läuft, ist Opfer. Wie wir
alle. Das ist schlüssig in Cronenbergs – übrigens eXzellenTem – Film.
Genau wie literarisch in Bret Easton Ellis’ neuem Glamourama. – Wie war das
doch 1931 in Deutschland? In »M«, dem Fritz-Lang-Film? Peter Lorre:
»Ich will nicht, ich muß.«
Dietrich Kuhlbrodt
Dieser Text ist zuerst erschienen in: Konkret 01/2000
Zu
diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere
Texte
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EXISTENZ
USA
/ Kanada / England - 1998 - 97 min. - Verleih: Kinowelt, Kinowelt Home - Erstaufführung:
18.11.1999/25.4.2000 Video - Produktionsfirma: Alliance Atlantis Communications/The
Movie Network/Téléfilm Canada/Serendipity Point/ACC/Natural Nylon/The
Harold Greenberg Fund/Uino Générale Cinématographique -
Produktion: David Cronenberg, Andras Hamori, Robert Lantos
Regie:
David Cronenberg
Buch:
David Cronenberg
Kamera:
Peter Suschitzky
Musik:
Schnitt:
Ronald Sanders
Darsteller:
Jennifer
Jason Leigh (Allegra Geller)
Jude
Law (Ted Pikul)
Willem
Dafoe (Gas)
Ian
Holm (Kiri Vinokur)
Don
McKellar (Yevgeny Nourish)
Callum
Keith Rennie (Hugo Carlow)
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