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Gesetz
der Straße
- Brooklyn's Finest
Cops,
die sich in den Fallstricken des Großstadtdschungels verfangen; wilde
Schießereien, die den Blutbadexzess so weit steigern, dass der Gewaltrealismus
sich in ein Alptraumszenario verwandelt – das waren schon die Ingredienzen von
Antoine Fuquas Training
Day,
dem packenden Copkrimi aus dem Jahr 2001, der Denzel Washington (dafür
mit dem Oscar ausgezeichnet) und Ethan Hawke als Gesetzeshüter in die Straßen
von South Central Los Angeles schickte. Das Gesetz
der Straße
spielt in dem Viertel New Yorks (dem 65. Bezirk), das die höchste Verbrechensrate
verzeichnet, in dem das große Geld mit Drogendeals gemacht wird – und
der Tod eines Schwarzen bei einer Polizeiaktion sofort zu gewalttätigen
Ausschreitungen führt. Fuqua siedelt hier drei Copschicksale der verhängnisvollen
Art an, die er episodisch parallel laufen lässt und erst im finalen Shootout
zusammenführt. Drei Schicksale, die von Tragik, Desillusionierung und tiefstem
Pessimismus geprägt sind. In einer Welt, die so zynisch und gewalttätig
ist, müssen auch Cops, die eigentlich einmal alles gut machen wollten,
auf die schiefe Bahn geraten.
Der
ausgebrannte Copveteran, der kurz vor der Pensionierung steht und die letzte
Woche seines Dienstes irgendwie über die Runden bringen will. Der Undercoverpolizist,
der nicht weiß, wie er aus der Parallelwelt in sein eigenes Leben zurückfinden
soll. Der gutherzige Drogenfahndercop, der aber finanziell so tief im Schlamassel
steckt, dass er Dealer umlegt und deren Kassen plündert. Drei Storys, deren
Muster man kennt. Die Achillesferse von Gesetz
der Straße zeigt
sich in diversen Erzähllinien, die allzu vorhersehbar abgespult werden,
aber es gelingt Fuqua doch über weiteste Strecken, seine drei Geschichten
zu spannungsreich vibrierenden Dramen auszuformen: mit melodramatischem Gestus,
einer Art Gewaltoperchoreographie und vor allem mit brillanten Akteuren.
Den
resignierten Eddie Dugan spielt ein cool agierender Richard Gere. Eddie ist
nach zwanzig Dienstjahren in dieser Brooklynhölle derart ausgebrannt, verzweifelt
und einsam, dass er seinen Abschied von der Straßenpatrouille ungeduldig
herbeisehnt. Dass ihm sein Chef jetzt noch einen übermotivierten Anfänger
an die Seite gibt, führt zu allerlei Komplikationen und zu Gelegenheiten,
die ganze Trostlosigkeit seiner desillusionierten Weltsicht an die nächste
Copgeneration weiterzureichen.
Don
Cheadle überzeugt als Tango: ein Cop, der seit Jahren undercover in die
Drogenszene eingetaucht ist. So tief, dass ihm sein Privatleben in die Brüche
ging, dass ihm im Spiegelkabinett der vorgetäuschten Identität das
Gefühl für das eigene Leben abhanden kam. Er ist gefangen in den Loyalitäten
zum Drogenboss Caz (wunderbar schillernd: Wesley Snipes), den er nun ans Messer
liefern soll. Was ist richtig, was ist falsch? Er sagt »brother«
zum Obergangster und hasst die tyrannische, bitchige Vorgesetzte
(grandios: Ellen Barkin), die ihn als Schachfigur in ihrem Machtspiel benutzt.
Den
stärksten Part aber liefert Ethan Hawke als Polizist eines Spezialkommandos,
das die Drogenumschlagplätze ausspionieren und auffliegen lassen soll.
Man kennt Hawke als Darsteller sensibler, intellektueller Charaktere. Als Training
Day-Cop
durfte er sich schon hartgesottener zeigen, hier aber formt er eine Art White-Trash-Figur
mit solcher Überzeugungskraft, dass einem der Atem stockt. Lederjacke,
Dreitagebart, der Oberkörper mit Tattoos übersät. Er heißt
Sal, hat sieben Kinder, eine asthmatische Frau, die schon wieder schwanger ist,
und sucht dringend ein neues Domizil für seine Familie. Schon die erste
Kaufrate kann er nicht termingerecht bezahlen. Die Versuchung liegt nahe, sich
bei Drogendealern, die mit dem Geld nur so um sich werfen, zu bedienen. Eigentlich
hat Sal ein mitfühlendes Herz und geht als guter Katholik regelmäßig
zur Beichte. Im Beichtstuhl platzt der Zorn wild aus ihm heraus: »Ich
will Gott nicht um Vergebung bitten, ich will, dass er mir hilft!« Großartig,
wie Hawke die Verwandlung Sals in einen dämonisch Getriebenen zum taumelnden,
delirierenden Seelendrama macht.
Rainer
Gansera
Dieser
Text ist zuerst erschienen in: epd Film
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Texte
Gesetz
der Straße - Brooklyn‘s Finest
(Brooklyn‘s
Finest)
USA
2009. Regie: Antoine Fuqua. Buch:
Michael C. Martin. Produzenten:
Basil Iwanyk, John Langley, Elie Cohn, John Thompson. Kamera:
Patrick Murguia. Schnitt: Barbara Tulliver. Musik: Marcelo Zarvos. Ausstattung:
Therese Deprez. Produktionsgesellschaft: Brooklyn‘s Finest/Thunder Road/Millennium.
Verleih: Kinowelt. L: 132 Min. FSK: 16,ff. Darsteller: Richard Gere, Don Cheadle,
Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D‘Onofrio, Lili Taylor, Ellen Barkin.
Start:
1.4.10 (D), 2.4.10 (A), 8.4.10 (CH)
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