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Haus
der Dämonen
Peter Cornwells Horrorfilm "Haus
der Dämonen" lässt es nach angeblich wahren Begebenheiten kräftig
spuken.
Immer wieder tauchen im Film alte Familienfotos
in Schwarz-Weiß auf, das erste Mal bereits im Vorspann. Wie so oft im
modernen Horrorkino lauert in der Patina der vergilbten Bilder, die über
ihre indexikalische Funktion den Kontakt mit der Vergangenheit herstellen, aber
gleichzeitig selbst als mediale Form nicht mehr ganz der Gegenwart angehören,
das Grauen. Woher die Faszination dieses Kinos für altmodische Reproduktionstechnik
stammt - man vergleiche auch die Videokassetten in den "The
Ring"-Filmen, in
"Haus der Dämonen" hat an einer Stelle sogar die gute alte Audiokassette
einen Auftritt - darauf wird man in diesem Film kaum eine Antwort finden. Da
aber sonst nicht allzu viel los ist, was eine intensivere Beschäftigung
rechtfertigen würde, darf man sich gerne dennoch darüber Gedanken
machen.
Am Anfang steht eine Familie mit Problemen
mindestens mittlerer Größenordnung: Der jugendliche Matt hat Krebs,
sein Vater ist Alkoholiker und die Mutter genervt. Matts Krankheit ist der Grund
für den Umzug der Familie, der ganz andere Ärgernisse hervorbringen
wird. Das neue Anwesen ist nahe am Krankenhaus gelegen, neben Matt, seinen Eltern
und seinen beiden kleinen Geschwistern zieht auch seine Cousine Wendy ein. Zunächst
bemerkt nur Matt, der in den Keller zieht, dass mit dem neuen Domizil etwas
nicht stimmt, bald darauf machen alle Familienmitglieder fast im Minutentakt
unliebsame Entdeckungen hinter Spiegeln und Türen, unter Betten und in
Schränken.
Wenigstens in geografischer Hinsicht spezifischer
als der deutsche Titel "Haus der Dämonen" heißt der Film
im Original "The Haunting in Connecticut". Er basiert auf einem "authentischen"
Fall, nämlich dem der Familie Snedeker, die im Jahr 1986 ein Anwesen in
Southington, Connecticut bezog und seit den frühen 90er Jahren wiederholt
die mediale Öffentlichkeit über angebliche übersinnliche Vorgänge
in ihrer Heimstadt aufklärte. Dämonen hausten diesen Erzählungen
zufolge in ihrem Anwesen und diesen Dämonen konnte erst mithilfe selbsterklärter
Teufelsaustreiber der Garaus gemacht werden.
Der Film macht aus den Snedekers die Campbells,
ansonsten bleibt er eng an dieser Erzählung, ohne freilich allzu viel Kapital
aus dem vermeintlichen Wirklichkeitsüberschuss des Stoffes zu schlagen.
"Haus der Dämonen" ist zunächst - und somit ist der deutsche
Verleihtitel durchaus gerechtfertigt - völlig innovationsfreies Horrorkino,
das Versatzstücke zahlloser Genreklassiker unmarkiert und ironiefrei aneinander
schraubt. Insbesondere bedient sich Regiedebütant Peter Cornwell bei Tobe
Hoopers "Poltergeist" - ein Film, von dem sich möglicherweise
auch die Snedekers bei der narrativen Ausgestaltung ihrer Erlebnisse inspirieren
ließen. So oder so zieht es den Film in die achziger Jahre zurück,
in ein Jahrzehnt, in dem handwerklich solide Gruseldutzendware dieser Art wie
am Fließband produziert wurde.
Das "based on a true story"
zu Beginn unterscheidet sich jedenfalls strukturell wenig vom "es war einmal..."
der Märchenerzählung. Überhaupt ist der Film immer dann am stärksten,
wenn er die märchenhafte Dimension des Plots betont. Beispielsweise gleich
in der Exposition, wenn Matt im Krankenhaus vor einer MRI-Röhre liegt und
das Gerät mit seiner dunklen Öffnung wie ein Monster wirkt, das Matt
zu verschlingen droht. Dass Cornwell jede Menge visuelles Gespür hat, merkt
man nicht nur in dieser Sequenz, dass er sich auf Schauspielführung versteht,
lässt sich ebenfalls nicht leugnen (Highlight des Casts ist die wie immer
äußerst souverän und angenehm zurückhaltend agierende Virginia
Madsen). Nur ein zumindest etwas originelleres Drehbuch wünscht man Cornwell
für seinen nächsten Streifen.
Lukas Foerster
Dieser Text ist zuerst erschienen
in: www.perlentaucher.de
Das
Haus der Dämonen
USA
/ Kanada 2009 - Originaltitel: The Haunting in Connecticut - Regie: Peter Cornwell
- Darsteller: Virginia Madsen, Kyle Gallner, Elias Koteas, Amanda Crew, Martin
Donovan, Sophi Knight, Ty Wood, Erik Berg, John Bluethner - FSK: ab 16 - Länge:
103 min. - Start: 2.7.2009
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