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Ice
Age 3
Wie ein Mutterschaftsurlaub mit Action-Drive:
Im irrwitzigen dritten Teil von "Ice-Age" bekommt die Urzeit-Clique
Nachwuchs.
Vollmundig, fruchtig wird es in dieser
neuen Folge der Ice-Age-Saga. Das merkt man auch an dem Code-Wort, das die kleine
Heldentruppe um die beiden Mammuts Manny und Ellie vereinbart, um gerüstet
zu sein, wenn die aufregendste Unternehmung ihres prähistorischen Daseins
in die entscheidende Phase tritt. Peaches! Pfirsiche! Ein Code-Wort muss funktional
sein, klug und kurz und knackig. Man muss schnell und spontan reagieren, wenn
es erklingt. Peaches - wenn Manny es artikuliert, merkt man, wie saftig und
süffig das Wort sein kann, wie sinnlich und sophisticated, und am Ende
auch ein bisschen sentimental. I love peaches, sagt Manni zur Lebensgefährtin
Ellie: "Sie sind süß und braun und fuzzy. Wie du . . ."
"Du meinst also, ich bin braun . . .", erwidert sie. Und er: "Braun
ist gut. Braun ist . . . foxy." Der subtile Austausch erfolgt an einem
markanten Einschnitt ihrer Existenz. Da ist ein großes schwarzes Loch
vor ihren Füßen. Und wer sich in dieses Loch begibt, für den
wird nichts mehr sein wie früher. Eine andere Welt. Ein neues Leben.
"Ice Age 3" ist ein Mutterschaftsabenteuer.
Ellie ist schwanger, die Geburt steht kurz bevor. Die Eltern sind gut vorbereitet,
haben all die Probleme bewältigt, die sie im zweiten Film - "Jetzt
taut's" - auf Trab hielten. Manny ist über seine Ausgestorbenheitsneurose
hinweg - die Furcht, das letzte Mammut zu sein -, und Ellie hat ihre Opossumobsession
abgelegt. Nur Diego, der gute alte Tiger-kumpel, kriselt: Probleme mit der Kondition!
Und Scrat, das sisyphoseske Eichhörnchen, das so geil ist auf seine Haselnuss,
hat plötzlich in einem Eichhörnchengirl harte Konkurrenz.
Mutterschaft als Abenteuer
Manni hat schon mal einen Spielplatz angelegt
für den Nachwuchs, der aber bis zum freudigen Ereignis tabu bleiben soll.
Sid, das umtriebige Wiesel, ist extrem unglücklich, möchte auch an
der Erregung des Tales partizipieren und wechselt dafür ingeniös selber
in den Mutterstand - indem er drei große Eier klaut. Sauriereier, T-Rex-Eier,
Konfliktpotential. Dieses Familienglück steht von Beginn an unter einem
großen Schatten - von Anfang an wartet man mit lustvollem Schauder auf
den Moment, wenn die richtige Mutter ihren Schatten über die Szene wirft
und ihre Brut zurückfordert. Ich dachte, die wären ausgestorben, kommentiert
Manni lakonisch diesen Auftritt, zeitgeschichtlich voll auf der Höhe.
Mutterschaft als Abenteuer. Ellie ist
die treibende Kraft in der folgenden Action, denn die T-Rex-Mama hat nicht nur
ihre Kids, sondern auch die Zweitmutter Sid mitgenommen. Durch das Loch im Boden
folgt der Rettungstrupp ihr in ein unbekanntes Land unter dem Eis, in den Urwald
der Saurier. Eine Skelettbesteigung führt sie über einen Abgrund direkt
dorthin, so kühn, wie man sie seit der von Cary Grant und Katharine Hepburn
in "Bringing Up Baby" nicht mehr gesehen hat. Ein dunkles, unterirdisches
Reich: "Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren . . ." Die
Ice-Age-Crew hat für jede Situation die richtigen Sprüche parat, von
Dante bis: "Hasta la vista, Baby!"
Foxy könnte man im Deutschen annäherungsweise
mit scharf wiedergeben, animalisch scharf. Man merkt an solchen Stellen, wie
unheimlich amerikanisch dieses ganze "Ice Age" in seinem Herzen ist
- allen Bemühungen zum Trotz, die Standards einer großen Produktion
zu erfüllen, die Fun für die ganze Familie und zwar weltweit garantieren
will. Ellie wird in der Originalfassung von Queen Latifah gesprochen, Sid von
John Leguizamo, das sind Profis, die sich mit aller Kraft ins Zeug legen und
mit hipper Durchtriebenheit. Durch die Stimmen bekommen die Figuren, die so
rund und gemütlich daherkommen, einen kräftigen Zug ins Subversive.
Vielleicht macht das Animation zur amerikanischen Kunst par excellence, mit
ihrer Dynamik, die Formen nie für definitiv nehmen will, ihrem visuellen
"Yes we can"-Drive.
In der zweiten Hälfte, in der Jurassic-Urwelt,
ziehen Regisseur Carlos Saldanha und seine Mitarbeiter alle Register, legen
sich in atemlosen Kampf- und Verfolgungsszenen - sicher nichts für schwache
Nerven! - mit den Kollegen Spielberg und Jackson an und setzen ganz nebenbei
das ehrwürdige Konzept von der passiven, fortschrittsfeindlichen Rolle
der Frau in der Geschichte außer Kraft, das auch in Freuds Psychoanalyse
herumspukte. Die treibende Kraft der Mütter, man kennt sie aus der amerikanischen
Geschichte, und in den Helden des "Ice Age" erleben wir die Vorfahren
der amerikanischen Pioniere.
Fritz Göttler
Dieser Text ist zuerst erschienen
in der: Süddeutschen Zeitung vom 1.7.2009
Ice
Age 3
ICE
AGE: DAWN OF THE DINOSAURS, USA 2009 - Regie: Carlos Saldanha. Ko-Regie: Mike
Thurmeier. Art direction: Mike Knapp. Stimmen: John Leguizamo, Queen Latifah,
Denis Leary, Ray Romano. Stimmen
deutsch: Arne Elsholtz, Thomas Fritsch, Daniela Hoffmann. 20th Century Fox,
94 Min.
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