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Der
Kaufhaus Cop
Wie sich die Helden gleichen! Die sozialkritische
Komödie „Gigante" des Argentiniers Adrián Biniez war ein Publikumsliebling
des letzten Berlinale-Wettbewerbs und wurde auch mit zwei silbernen Bären
ausgezeichnet. Im Mittelpunkt stand der Supermarkt-Sicherheitsmann Jara, der
sich in eine Putzfrau verliebt, die er auf dem Überwachungsmonitor beobachtet.
Sein amerikanischer „Zwilling" ist ähnlich breit, schwer und kräftig
von Statur - und ebenso eine Seele von Mensch: Paul Blart arbeitet im Security-Team
einer Shoppingmall in Boston und hat sich in die hübsche Haarteil-Verkäuferin
Amy verguckt. Weil „Der Kaufhaus Cop" vom Slapstick seines fabelhaften
Hauptdarstellers Kevin James lebt, wird der tapsige Held ständig in verfängliche
Situationen gerissen. Die ereignen sich meistens vor den Augen der Angebeteten,
sodass Paul sich die Traumfrau im Grunde abschminken kann. Zuhause drücken
zwei Familienmitglieder trotzdem die Daumen. Paul lebt mit seiner Mutter und
seiner Tochter aus einer gescheiterten Ehe zusammen. Ein pummeliges Trio, wobei
Paul am wenigsten mit der familien-typischen Adipositas zurechtkommt. Er ist
mehrmals durch die Sportprüfung der Polizeiakademie gerasselt und versucht
nun seinen Ersatzjob als Wachmann so gut wie möglich zu machen.
„Ein vager, aufgeklärter Hedonismus",
sei die ideologische Botschaft des Gegenwartskinos, hat der Philosoph und Filmessayist
Slavoj Zizek („The
Pervert´s Guide to Cinema")
erklärt. Dieser Appell an die eigenen Potentiale, die Aufforderung zur
Entdeckung des verborgenen Selbst lässt sich trefflich am Beispiel des
„Kaufhaus Cop" studieren. Im pausbäckigen Enterich Paul steckt natürlich
gewissermaßen ein Schwan, was schon die Eleganz verrät, mit der Paul
im elektrisch betriebenen Stehroller um die Ecken des Einkaufszentrums kurvt.
Diese Geschicklichkeit, sozusagen das Beste aus einem eher schwerfällig-biederen
Korpus herauszuholen, muss man auch dem Regisseur Steve Carr attestieren. Seine
Routinekomödie hält das Publikum durch wohlgesetzte Pointen am Ball.
Außerdem haben die Drehbuchautoren Kevin James und Nick Bakay einige überraschende
Volten in die Handlung eingebaut. Sie ist flüssig und umstandslos erzählt,
eine Art kinematischer Knabberspaß, der in keiner Minute mit Über-Ehrgeiz
über die Glaswände der Popcornmaschine hinausdrängt. Ebensowenig
darf besonderer sozialer Tiefgang in der Charakterzeichnung erwartet werden.
Nein, als Ganzes gesehen ist der „Mall Cop" kein „Gigante".
Trotzdem guckt man Paul mit Vergnügen
zu, wenn er sich mit erstaunlichem Einfallsreichtum zum Superhelden des glitzernden
Konsumkosmos aufschwingt. Als eine Gruppe gewiefter Finsterlinge nach Feierabend
die Shoppingmall kapert, um an die Kreditkartend aten der Kunden heranzukommen,
nimmt der unbewaffnete Sicherheitsmann den einsamen Kampf mit den Gangstern
auf. Immerhin sind draußen vor den Kaufhaustüren Polizistenkollegen
und eine SWAT-Einheit postiert, und Paul wittert die Chance, sich endlich als
harter Knochen profilieren zu können. Zusätzlich motivierend wirkt
die Tatsache, dass sowohl Amy als auch Töchterchen Maya (ein hintersinniges
Namens-Anagramm) von den Schurken in der Bankfiliale festgehalten werden. Die
Thriller-Elemente der Story persiflieren die „Stirb
Langsam"-Reihe mit
Bruce Willis, ohne freilich mit entsprechenden Blutkaskaden und Kugelhagel zu
protzen. „Der Kaufhaus Cop" bleibt brave Familienunterhaltung - und auf
dieser Schiene hat man weißgott Schlimmeres gesehen.
Jens Hinrichsen
Dieser Text ist zuerst erschienen
in: film-Dienst
Der
Kaufhaus Cop
USA 2009 - Originaltitel: Paul Blart: Mall Cop - Regie: Steve Carr - Darsteller: Kevin James, Jayma Mays, Keir O'Donnell, Bobby Cannavale, Stephen Rannazzisi, Shirley Knight, Erick Avari, Dylan Clark Marshall, Raini Rodriguez - FSK: ab 6 - Länge: 91 min. – Start (D): 26.3.2009
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