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Louise
Hires a Contract Killer
Was
tun, wenn die Krise des Kapitalismus einen persönlich erreicht? Die Belegschaft
findet die Fabrik leergeräumt, die Manager verschwunden, sie selbst abgefunden
mit einem lächerlichen Betrag. Also was jetzt. Sich empören? Zu wenig.
Das Geld zusammenlegen und, ja was, einen Killer besorgen und mit denen von
International Invest Schluss machen? Vorschlag ohne Diskussion angenommen. Michel,
der Killer, erweist sich als Weichei. Die dicke Louise muss selber ran. In der
Luxusvilla auf New Jersey läuft sie Amok, stoisch, voll konzentriert, erfolgreich.
Ein sympathischer Amoklauf nach dem Herzen aller Zuschauer, mich eingeschlossen.
Nicht nur weil der Überboss ein fetter Arsch ist, sondern weil das eine
Tat ist. Die fällig ist.
Der
französische Film spiegelt vorbildlich wider, wie dort zur Zeit die Nicht-mehr-Arbeiter
aktiv sind, Fabrikbesetzungen, Geiselnahmen, Bombendrohungen, der Reihe nach.
Scherz dabei ist, dass nix propagiert wird, kein Pamphlet, keine Resolution,
keine Emotionalisierung, kein Kommentar. Das schon deswegen, weil Louise nicht
lesen kann, auch den Räumungsbefehl nicht. Kaum geht sie aus dem Hochhaus,
wird es hinter ihr schon gesprengt. Sie verzieht keine Miene. Ein Sketch, diese
Szene. Der Film besteht aus diesen Sketchen. Bitterbösen und immer hochgradig
komischen. Vorm Trailer sind die Twin Towers nachgebaut. An einem Draht werden
zwei Flugzeuge reingeschickt. Rumms. Der eine Turm explodiert. Der andere auch.
Wieder kein Kommentar. Ein Spiel, ej. Ein Modell.
Louise
(Yolande Moreau) also zieht im Gefolge von Michel (Bouli Lanners) ihr Ding durch,
allein gelassen von Organisationen wie zum Beispiel Gewerkschaften. Sie kommen
im Film realistischerweise nicht vor. Sie ist, ohne es zu wissen, eine Heldin
wie die historische Louise-Michel (Originaltitel des Films!), die Rote Jungfrau,
Attentäterin gegen Napoleon III. Der deutsche Verleihtitel spielt angemessen
auf Aki Kaurismäki an (I
Hired a Contract Killer),
den die Regisseure während des Drehs trafen. Der Witz ist jedoch, dass
das perfekt ausdruckslose Gesicht nicht zum Mitleid einlädt, sondern zur
anarchistischen Tat. Sich nicht klein kriegen lassen. Aber rumms machen. Da
steckt in Frankreich ein Potential, das wir in unserm Einerlei des korrekten
Films entbehren. Ich
sach ja, „Louise Hires a Contract Killer“ törnt an. Auf
die absurd-komische Tour.
Dietrich
Kuhlbrodt
Dieser
Text ist zuerst erschienen in: Konkret
Louise
Hires a Contract Killer
Frankreich
2008 - Originaltitel: Louise-Michel - Regie: Gustave de Kervern, Benoît
Delépine - Darsteller: Yolande Moreau, Bouli Lanners, Benoît Poelvoorde,
Mathieu Kassovitz, Albert Dupontel, Jean-Luc Ormieres - FSK: ab 16 - Länge:
94 min. - Start: 24.9.2009
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