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The
Rainbowmaker
Am
Anfang war der Blitz, der Kugelblitz. In einer Produktionsnotiz zu ihrem neuen
Film berichtet die georgische Filmemacherin Nana Djordjadze, wie sie einmal
selbst fast von einem Kugelblitz getroffen wurde und welche Spuren diese „Begegnung“
in ihr hinterlassen hat. „The Rainbowmaker“ sei ein Versuch, diese ungewöhnliche
Erfahrung in eine Geschichte, einen Film zu überführen, der dann „wie
ein Gedicht“ inszeniert worden sei. Wer sich an frühere Filme der Regisseurin
wie „27
Missing Kisses“
(fd 34 905) erinnert, ahnt, was das bedeuten kann: Magischer Realismus made
in Georgien, der zugunsten opulenter Fabulierlust kaum einen Einfall ungenutzt
lässt und lieber assoziativ-anarchisch Seitenwege abschreitet als sich
um Konventionen oder „plot points“ zu kümmern. So könnte man es, wenn
Neugier und Temperament des Zuschauers es zulassen, positiv formulieren. „The
Rainbowmaker“ schafft eine verführerisch-fantastische Filmwelt, die man
als forcierte Schnittmenge aus den Filmen Otar Iosselianis und denen des späten
Fellini, angereichert mit einem Schuss Kusturica, charakterisieren könnte.
Irgendwo
in der georgischen Provinz an der Küste des Schwarzen Meers musste eine
Familie einige Jahre lang auf Vater und Mann verzichten. Der Großvater
dachte sich während dieser Zeit Geschichten aus, um die Abwesenheit des
Vaters für die Kinder plausibel erscheinen zu lassen. Der Vater, Datho,
wurde darin zum Geheimagenten stilisiert, der im staatlichen Auftrag unterwegs
ist. Die Mutter tröstete sich derweil mit erotischen Abenteuern, aktuell
liebt sie den Anführer einer Gruppe rauflustiger Zirkusartisten. Als Datho
dann nach Hause zurückkehrt, ist das Bild vom Superhelden schnell zerstört.
Meteorologe ist er, und im Gefängnis war er, unschuldig, versteht sich.
Die Kinder sind enttäuscht, die Ehefrau kann sich auch nicht so recht für
ihren abgelegten Ehemann erwärmen – Datho tut einem in seiner Ratlosigkeit
beinahe schon Leid. Nur für den Großvater stellt die Familienkrise
eine echte Chance dar, denn immer häufiger schaut bei ihm der Tod in Gestalt
einer älteren Frau vorbei; aber solange der Großvater gebraucht wird,
ist der Tod nachsichtig und gewährt Gnadenfrist um Gnadenfrist. Doch als
Datho in seiner kleinen Wetterstation am Meer – an pittoresken Drehorten und
gewitzten Darstellern herrscht in diesem Film wahrlich kein Mangel – von einem
Kugelblitz getroffen wird, wendet sich sein Blatt zum Guten.
Inhaltlich
und visuell hangelt sich „The Rainbowmaker“ von einem Einfall zum nächsten;
wobei die Betonung nachdrücklich stets auf Lebensfreude, Sinnlichkeit und
Magie liegt und der Film vor allem von der eigenen Unbekümmertheit im Erzählen
schwer beeindruckt ist. In der richtigen Stimmung kann dieses Füllhorn
an Kreativität durchaus unterhaltsam sein. Doch bei genauerem Hinsehen
wirkt der Film wie kalkuliert inszeniertes Kunstgewerbe für ein an billigen
Exotismen interessiertes Arthouse-Publikum mit Zivilisationsüberdruss,
das des süßen Dufts der Anarchie noch nicht überdrüssig
geworden ist.
Ulrich
Kriest
Dieser
Text ist zuerst erschienen in: film-Dienst
The
Rainbowmaker
Deutschland / Niederlande / Russland / Finnland 2008 - Regie: Nana Djordjadze - Darsteller: Merab Ninidze, Ramaz Chkhikvadze, Anja Antonowicz, Chulpan Khamatova, Nino Kirtadze, Elene Bezarashvili, Iva Gogitidze - Länge: 94 min. - Start: 25.2.2010
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