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Shooter
Verfolgende
Unschuld
Mark
Wahlberg entfacht in "Shooter" einen Guerillakrieg im amerikanischen
Herzland.
"Shooter"
ist kein Ego-Shooter-Film, aber einen Helden, der viel ballert, und zwar auf
mehr oder weniger alles, was sich bewegt, und auch noch trifft, und zwar zentimetergenau
aus weitester Entfernung, einen solchen Ego-Shooter-förmigen Helden, den
gibt es durchaus. Sein Name ist Bob Lee Swagger ("to swagger": schwadronieren,
einherstolzieren), gespielt wird er von Mark Wahlberg, der zuletzt im Oscar-nominierten
"Departed"
die Kritik heftig damit beeindruckte, dass er rekordverdächtig oft "fuck"
sagte. In "Shooter" spricht er nicht viel, denn er ist eher so etwas
wie eine Präzisionswaffe in menschlicher Gestalt.
Mitten
in Afrika beginnt der Film und legt sich so eine politische Vorgeschichte zu.
Die Kamera fliegt, wie von allen Zwängen von Technik und Schwerkraft gelöst,
durch eine zunächst menschenleere Landschaft mit Bergen und Fluss. Sie
scheint körperlos, sie ist selbst, vor dem ersten Gewehrschuss des Schützen
noch, eine Kugel auf dem Weg zu ihrem Ziel. Sie nimmt uns, als Ego-Shooter des
Films, an die Hand, sie lässt uns fliegend blicken und blickend fliegen
und landet nach einiger Zeit und einem Beinahe-Aufprall auf einen steilen Felsen,
beim Gewehr und beim Körper und im tarnfarben verschmierten Gesicht des
Titel-Helden Bob Lee Swagger. Es beginnt die Aktion: Es ist Krieg, Swagger ballert
und trifft.
Dann
ist der Krieg vorbei, Swagger zurück im Zivilleben, fühlt sich im
Stich gelassen, sitzt mit seinem Hund verbittert in den Bergen. Eine Delegation
sucht ihn auf, als Experten fürs Scharf- und Weitschießen. Ein Attentat
auf den Präsidenten ist geplant, von Swagger als Experten möchte man
wissen, wo und wie die Täter es anstellen könnten. Swagger mag den
Präsidenten zwar nicht, folgt aber, wenn die Nation ihn ruft. Am Ende steht
er freilich als Betrogener da, wird von aller Welt als Attentäter gejagt,
der er natürlich nicht ist.
Das
erst, die Verfolgung des Unschuldigen durch Regierungsinstitutionen, ist die
durch Krieg und Betrug doppelt gerahmte Ausgangssituation, die "Shooter"
gesucht hat. Was der Film nämlich eigentlich will, ist der Guerillakrieg
auf amerikanischem Boden. Swagger, von allen Hunden gehetzt macht die amerikanische
Zivilisation zum inneren Afrika. Die Action verschiebt sich Stück für
Stück nach Westen bzw. Süden, ins Herzland also der USA, das freilich
zusehends dünner besiedelt ist und Swagger so die Möglichkeit zu großflächigen
Bombardierungen bietet. Er wird, mit so attraktiver wie letztlich marginaler
weiblicher Unterstützung, vom Gejagten zum Jäger, zum Dr. Kimble als
verfolgende Unschuld mit stetig wachsendem Waffenarsenal; er taucht auf aus
dem Nichts und verschwindet wieder, entzieht sich mit den Mitteln des Einzelkämpfers
den hochauflösenden Beobachtungstechnologien und der personellen Übermacht
seiner von höchsten Regierungsstellen gedeckten, ja angeleiteten Gegner.
Und er schlägt zurück, mit Napalm und ohne Gnade.
"Shooter"
- die Verfilmung eines bereits 1993 veröffentlichten Thrillers des Washington-Post-Filmkritikers
(!) Stephen Hunter - ist ein seltsamer, als Genrefilm eher misslungener Wechselbalg.
Interessant ist er vor allem in seinen unguten Vermischungen. Man fragt sich,
was im Verhältnis von Politik und Action, von Videospiel-Ästhetik
und Verschwörungstheorie Mittel ist, was Zweck. Rechte Einzelkämpfer-
und Vigilante-Ideologie bekommt als Widerlager linke Kritik an korrupten Politikern.
Narrativ läuft beides hinaus auf gleich zwei abseits aller gesellschaftlichen
Realitäten gelegene Showdowns. Einer auf Gletschern, einer im Landhaus.
Die Metzeleien sind von Anfang bis Ende immer auch nur ein weiteres Level im
"Shooter"-Spiel, vor explodierenden Hintergründen, unterfüttert
mit nach mehreren Seiten austeilendem Politdiskurs. Wahrscheinlich ist es gerade
dieses Durcheinander, das den Film zum typischen Beispiel des nach dem Abtreten
der alten Stars Schwarzenegger und Stallone in die Krise geratenen Actiongenres
macht. Anders als sein Held schießt "Shooter" nicht präzise,
sondern eher mit Schrot Richtung Zielgruppe. Genützt hat es nichts. An
der Kasse wurde er in den USA von einem Haufen brüllender Spartaner überrannt.
Ekkehard
Knörer
Dieser Text ist zuerst erschienen am 19.04.2007 in: www.perlentaucher.de
Shooter
USA 2007 - Regie: Antoine Fuqua - Darsteller: Mark Wahlberg, Michael Peña, Danny Glover, Kate Mara, Elias Koteas, Rhona Mitra, Rade Sherbedgia, Ned Beatty, Dean McKenzie, Jonathan Walker - FSK: keine Jugendfreigabe - Länge: 120 min. - Start: 19.4.2007
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