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Splice
Spliced
Girl
Mit
Cube hatte
der US-amerikanische Regisseur Vincenzo Natali 1997 einen echten Überraschungshit
gelandet: Ein minimalistisches, dystopisches Setting, das in seiner Beengtheit
besonders viel Raum für die Figuren bereit hielt; eine existenzialistische
Parabel über das Leben im Labyrinth eines allmächtigen und unsichtbaren
Daidalos. Mit Nothing schloss
er 2003 daran an, steckte seine beiden befreundeten Protagonisten mitten in
ein weißes Nichts und gewann dem absurden existentialistischen Versuchsaufbau
einiges an Humor ab. Diesen Humor findet man in vielen Details seines jüngsten
Films Splice ebenfalls
wieder.
Etwa
im Namen jenes Bio-Forschungsinstituts, in dem das Paar Clive und Elsa mit genetischen
Experimenten beschäftigt sind. »N.E.R.D.« heißt der Konzern,
und dort arbeiten die beiden insgeheim an einem Hybriden, einem genetisch veränderten
Menschen mit teilweise tierischem Erbgut. Dieser soll zunächst Eiweiße
synthetisieren, die es der Pharmaindustrie ermöglichen, Mittel gegen Alzheimer,
Parkinson, Krebs und andere Geißeln der Menschheit zu entwickeln. Der
jüngste Spross von Clive und Elsa hat aber selbst eine Geißel – einen
Schwanz, an dessen einem Ende sich ein Giftstachel und an dessen anderem Ende
sich ein eigentlich ganz niedliches Mädchen mit den typischen Bedürfnissen
eines Kindes befindet. Elsa tauft die Kleine, die neben einem Schwanz über
seltsame Beine, ein etwas »verstelltes« Gesicht (das dem des Mädchens
aus der PlayStation-Werbung vor ein paar Jahren ähnelt) und zwei sich erst
später zeigende Flügel verfügt, auf den Namen »Dren«,
was ihr einfällt, als das Mädchen den Konzernnamen mit Scrabble-Steinen
buchstabiert.
Splice ist
ein Monster- und ein Familienfilm und trägt als solcher durchaus cronenbergsche
Züge. Denn die kleine Dren entwickelt sich schnell – niemand weiß
genau wohin – und mischt sich in das Familienleben von Clive und Elsa ein. Während
ihre Ziehmutter immer unterkühlter auf die sich auch sexuell schnell entwickelnde
Dren reagiert, geht es Clive genau andersherum – er vermag sich ihr immer weniger
zu entziehen. David Cronenberg hätte diese Dreiecksbeziehung in eine düstere
Parabel über das Familienleben überführt; Vincenzo Natali macht
daraus einen Monsterfilm, dessen Figuren zwar charmant sind, jedoch nur wenig
zur Empathie einladen. Das verhilft dem Film jedoch zu einer gewissen Distanz
zu seinen Zuschauern, die irgendwie jenen Abstand, der zwischen Dren und ihren
Eltern herrscht, wiederholt: Man weiß nie, ob man Angst oder Mitleid haben
soll mit dem Wesen und den Menschen um es herum.
Natalis
Film erinnert neben Cronenberg zweitens natürlich, vor allem aufgrund seiner
sexuellen Komponente, an Roger Donaldsons Species von
1995. Auch hier läuft ein genetisches Experiment zuerst fehl und dann davon,
um auf Männerjagd zu gehen. War die genetisch manipulierte »Sil«
jedoch noch eindeutig Femme fatale, so besitzt Dren eine mädchenhafte und
eine frauliche Seite und macht es damit noch schwerer, ihr Verhalten eindeutig
zu verurteilen – denn vielleicht will Dren ja auch nur spielen, wenn sie mit
ihrem Giftstachel herumwedelt. Die Nahtstelle zwischen diesen beiden Wesenszügen
in Dren schließt sich jedoch mehr und mehr, wie jene »Fuge«
(Splice),
die zuerst ihren kompletten Körper in zwei Hemisphären teilt. Am Ende
ist Dren dann ein Monster und Splice endlich
ein Monsterfilm. Das ist auch irgendwie schade, denn gerade in Hybridität
und Unentschlossenheit war sein gleichsam komisches und horribles Potential
am größten.
Stefan
Höltgen
Dieser Text ist zuerst erschienen im: schnitt
Splice
CDN/F/USA
2009. R,B: Vincenzo Natali. B:
Doug Taylor. K:
Tetsuo Nagata. S:
Michele Conroy. M: Cyrille Aufort. P: Copper Heart Entertainment, Angy Films.
D: Sarah Polley, Adrien Brody, Delphine Chanéac, David Hewlett, Brandon
McGibbon, Abigail Chu, Stephanie Baird, Amanda Brugel.
108
Min. Senator ab 3.6.10
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