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Das
Streben nach Glück
Diese
Geschichte ist eine Aufstiegsgeschichte, wie sie wohl nur Amerika hervorbringt.
Der Titel als Programm gründet auf einer Formulierung der Präambel
der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Der Alltag des
unbezahlten Börsenmaklerpraktikanten Chris Gardner (Will Smith) wird sich
darob trotz aller Widrigkeiten nie derart verdunkeln, dass ihn je ein Gedanke
der Selbstaufgabe beherrscht. Mithin verrinnt kaum eine Minute, in der der Film
nicht - mal mehr, mal weniger offensichtlich - seine Durchhalteparolen proklamiert.
Aber darf er ja auch, wahre Begebenheit und so. Vater und Sohn werden dabei
von Vater und Sohn gespielt. Das spürt man, die Smiths brillieren mühelos.
Paradoxerweise gereicht die enge emotionale Ausrichtung dem Drama nicht immer
zum Vorteil, denn es will wirklich auf Teufel komm raus ergreifend sein; strebt
beharrlich und aufdringlich nach Rührseligkeit, um dann aus dieser Zusammengeschweißtheit
heraus den Glauben an einen gesellschaftlichen Aufstieg noch nachdrücklicher
zu beschwören.
Da
Will Smith auch mitproduzierte, hat sich der fiktionalen-realen Vater-Sohn-Beziehung
alles unterzuordnen. Nur diese beiden glimmen auch als Seelen im Film, der zwar
erdenklich sentimental behauptet, das Wohl des Sohnemanns über alles zu
heben, die alltäglichen Rückschläge für ihn wegzustecken
und zu überspielen, jedoch die mütterliche Bindung als Kollateralschaden
andererseits bedenkenlos zu opfern weiß. So viel zur großen (Zwischen)Menschlichkeit
dieses Dramas, das eine sehr zweckgemeinschaftliche Vorstellung von einer Lebenspartnerschaft
kommuniziert: In der persönlichen finanziellen Krise müsse sie nämlich
wegen der persönlichen finanziellen Krise rettungslos untergehen.
Überhaupt
ist die Fixierung auf das Materielle das eigentlich Problematische. Keine Einwände,
verstünde sich der Film auf essentielle Sicherheitsbedürfnisse und
die Rückeroberung der Menschenwürde, wie sie der Obdachlosenalltag
zweifellos antastet. Es gibt durchaus Augenblicke, da möchte man dem Film
seinen kraftvollen Optimismus in selbst den dunkelsten Stunden nur all zu gerne
abnehmen, würde nicht die nächste Szene so anschaulich davon berichten,
wie sehr der tolle Sportwagen eines Börsenmaklers Gardners Aufmerksamkeit
auf sich zieht. Und auch der Logenplatz beim Footballspiel gefällt dem
Sohnemann ganz außerordentlich. In dieser Gesellschaft lässt es sich
gut aushalten und der Film unternimmt alles andere als den Versuch, die Sehnsucht
nach jenen Statussymbolen zu unterdrücken. Müde wird er nie, das Mantra
der positiven Korrelation von steigendem Einkommen und „Glück“ beziehungsweise
Lebenszufriedenheit zu preisen. Dem Easterlin-Paradoxon, das irgendwann ein
Ende dieses Zusammenhangs sieht, läuft das ganze Schluchzen und Heraufblicken
auf diejenigen hier, die sich ausdrücklich mehr leisten als mal ein gutes
Essen in einem guten Restaurant, allerdings deutlich zuwider. Ein Träumen
ist das von einem Leben, dessen Glücksgrad sich monetär erfassen und
aufwerten lässt. Und es gibt wirklich keinen Moment der Trübsal, den
nicht die leere Brieftasche verschuldet hat. Beginnt mit der Fehlinvestition
in Knochendichtemessgeräte, die sich nur schwer absetzen lassen, und endet
mit der Happy-End-Einblende, dass Gardner später erfolgreich seine eigene
Firma gründete und inzwischen Millionär sei. Selbst diese nackte Information
will es uns noch einmal aufs Auge drücken: jetzt ist alles gut, mit dem
Reichtum ist auch das Glück gekommen.
In
von Finanzkrisen erschütterten Zeiten, heraufbeschworen unter anderem von
jenen Spekulanten und Börsenmaklern wie Chris Gardner, schaut sich „Das
Streben nach Glück“ besonders prächtig. Es birgt schon einen gewissen
Zynismus, zu sehen, wie hier ausgerechnet einer der mittlerweile dämonisiertesten
Berufe unser Zeit als existierender Heiliger Gral auserkoren wird, der aus der
finanziellen Misere führt. Selten zuvor dürfte die Ironie des Schicksals
ein Gutmenscheln so sehr in Hohngelächter verkehrt haben.
Daniel
Szczotkowski
Das
Streben nach Glück
USA
2006 - Originaltitel: Pursuit of Happyness - Regie: Gabriele Muccino - Darsteller:
Will Smith, Thandie Newton, Jaden Christopher Syre Smith, Dan Castellaneta,
Scott Klace, Brian Howe - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 117
min. - Start: 18.1.2007
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