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Surrogates
Nach
"Avatar" und "Gamer" ist Jonathan Mostows "Surrogates"
schon wieder ein Film, der über die Logik der Stellvertretung nachzudenken
versucht. Betonung in diesem Fall auf: versucht.
Die
Surrogate in Jonathan Mostows Film (nach dem gleichnamigen Comic von Robert
Vendetti und Brett Weldele) sind Avatare und das Thema ist offenkundig brennend
aktuell. Darüber, was es heißt, sich im Videospiel mit einer Figur,
die man kontrolliert, zu identifizieren, die sterben kann, während man
selbst weiterlebt, denken mehr oder weniger schlau Filme wie "Gamer"
(sauschlau), "Avatar"
(wirr) und nun "Surrogates" (strunzdumm) nach. Hier ist das Szenario
dies: Die Menschheit hat sich sehr buchstäblich zur Ruhe gesetzt bzw. gelegt
und lässt täuschend menschenähnliche Roboter an jedes einzelnen
Echtmenschen Stelle tun, was bislang der Echtmensch eigenhändig im Alltag
so tat: Hubschrauber fliegen, in der Disco von weit oben auf die Tanzfläche
diven, die Welt vor den Maschinenstürmern retten.
Die
nämlich, mit ihrer Sehnsucht nach echt, gibt es auch. Es gehört, ohne
dass er es recht auf den Begriff bringen kann, der von Bruce Willis gespielte
Tom Greer sogar zu ihnen - was "Surrogates" zu einer Geschichte macht,
die ihrem Protagonisten zum Wissen darüber verhilft, was er eigentlich
will. Tom Greer, dieser Held, ist zunächst nämlich Polizist und verbringt
den ersten Teil des Films, als Avatar seiner selbst, damit, einen Mann zu jagen,
der eine diabolische Waffe im Gepäck führt und auch benutzt. Mit dieser
Waffe lassen sich nicht nur die Surrogate selbst, sondern - das ist das Gemeine
- die stillgestellten Echtkörper dahinter blutig eliminieren. Ein Virus
sozusagen, der aus dem Spiel heraus auf die Spieler selbst übergreift.
Der
erste Anblick des Helden Tom Greer ist erschreckend: Der Typ sieht schon irgendwie
aus wie Bruce Willis. Nur jung und mit glatter Haut und mit Blondschopf. Der
Schreck, der einem bei diesem Anblick in die Glieder fährt, ist einer der
wenigen wirklich guten Momente des Films. Was einen verstört, ist nämlich
die klassische Unheimlichkeit des als Fremdes wiederkehrenden Vertrauten. Der
Effekt verfliegt, sobald unter dem perfekten Überzug das technische Innere
der Cyberkörper sichtbar wird. Weil der Film, wie gesagt, dumm ist, insistiert
er auf dieser Differenz, in deren (un)möglicher Aufhebung schon seit Philip
K. Dick das eigentlich Interessante des Themenkomplexes "Authentizität
in den Träumen elektrischer Schafe" lag.
Den
Film aber und seinen Helden drängt es zur Eindeutigkeit und zum Echten.
Er will kaputtmachen, was unheimlich ist. Und prompt bietet ganz schnell Bruce
Willis wieder den vertrautesten Anblick: kahl, voller Schrammen, der Held als
lädierte, aber unkaputtbare Knautschfigur. Regisseur Jonathan Mostow, der
unter den aktuell in Hollywood tätigen Blockbuster-Knechten entschieden
zu den unbegabteren gehört, legt - wie ein dümmlicher Schauspieler,
der sich nachdenkend stellt, den Kopf - immerzu die Kamera schief. Die Pointen
und Twists, die die Geschichte (bestimmt schon im Comic) in Petto hat, sind
mindestens so alt wie die Plotkonstruktion von Fritz Langs "Metropolis".
Und die hatte schon damals Thea-von-Harbou-haft einen schlimmen Rückwärts-
und Rechtsdrall. (Nicht dass man in irgend einer anderen Hinsicht die beiden
Filme im selben Atemzug nennen dürfte.) So betrachtet, ist es fast schon
wieder beruhigend, dass man "Surrogates" schneller vergisst, als ihn
zu sehen - gnädige 89 Minuten - dauert.
Ekkehard
Knörer
Dieser
Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de
Surrogates
- Mein zweites Ich
USA
2009 - Originaltitel: Surrogates - Regie: Jonathan Mostow - Darsteller: Bruce
Willis, Radha Mitchell, Rosamund Pike, Boris Kodjoe, James Francis Ginty, James
Cromwell, Ving Rhames, Michael Cudlitz, Jack Noseworthy - FSK: ab 12 - Länge:
88 min. - Start: 21.1.2010
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