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The
Last House on the Left
Denis
Iliadis' "The Last House on the Left" ist
das Hollywood-Horror-Remake eines Horror-Remakes von Ingmar Bergmans "Jungfrauenquelle",
der eine Verfilmung einer schwedischen Ballade war.
Nicht jeder Horrorfilm kann auf eine solche
Genealogie zurückblicken: Die schwedische Ballade "Töres dotter
i Wänge" (Volltext) entstand im 13. Jahrhundert und erzählt davon,
wie ein Vater Rache an den Mördern seiner Töchter nimmt, die zufällig
in seinem Hof einkehren. Anschließend baut er eine Kirche. Ins Kino gelangte
diese rudimentäre Erzählung erstmals 1960. Ingmar Bergman entwickelte
aus ihr die eindrückliche religiös-moralische Parabel "Die Jungfrauenquelle"
(mehr bei Youtube), die ihm einen Oscargewinn einbrachte. Zwölf Jahre später
drehte der Regiedebütant Wes Craven ein Quasiremake des Bergman-Streifens,
das zu einem der berüchtigsten Filme der Siebziger Jahre avancierte.
Cravens am äußersten Rand der
amerikanischen Filmindustrie (einige Beteiligte, unter anderem Craven selbst,
waren in den Folgejahren an Pornoproduktionen beteiligt) entstandene Low-Budget-Produktion
"Last House on the Left" war vom reinen Bildgehalt her nicht unbedingt
schockierender als andere Genrebeiträge, sie zeichnete sich jedoch durch
eine denkbar bösartige, nihilistische Haltung zu ihrem Gegenstand aus.
Cravens Version verlegte die Balladenhandlung in die amerikanische Gegenwart
und ersetzte Bergmans religionsphilosophische Diskurse durch einen simplen,
aber schlüssigen sozialen Konflikt: urbane, friedliebende Hippies treffen
auf atavistische, verrohte Hinterwäldler.
Wiederum 37 Jahre später gibt es
nun ein Remake des Craven-Streifens, diesmal mitten in Hollywood. Von "The
Amityville Horror" bis zu "Halloween" erlebten in den letzten
Jahren zahllose Klassiker und Semiklassiker Neuauflagen. Noch fast alle dieser
Filme waren zwar nicht unbedingt blutleerer, aber doch glatter als die Originale.
Im Fall von "Last House on the Left" ist diese Tendenz noch deutlicher:
Mit der No-Budget-Räudigkeit des Craven-Films hat der Remakeregisseur Dennis
Iliadis wenig am Hut.
Es gibt zwar im späteren Verlauf
eine durchaus symptomatische Abweichung, zunächst aber übernimmt der
Grieche die Handlung fast eins zu eins von Craven. Mari Collingwood, Tochter
aus gutbürgerlichem Hause, gerät gemeinsam mit einer Freundin in die
Fänge einer degenerierten Verbrecherfamilie, wird fertig gemacht und vergewaltigt.
Anschließend klopfen ihre Peiniger, auf der Suche nach einem Schlupfwinkel,
zufällig ausgerechnet an der Tür der - vorläufig - noch unwissenden
Eltern des Mädchens.
Was bei Iliades komplett wegfällt,
ist die soziopolitische Dimension. Eine soziale Differenz konstruiert der Film
zwar schon, doch es ist eine beliebige: Die Collingwoods sind vage yuppiesk,
ihre Peiniger sind unterprivilegierte Brutalos, die bei jeder Gelegenheit auf
den materiellen Wohlstand ihrer Opfer hinweisen. Freilich sehen sie mit ihren
ebenfalls vage new-waveigen Frisuren, Tattoos und Piercings aus, als seien sie
einem trashigen Gangfilm der achziger Jahre entsprungen. Dass Maris Drogenkonsum
- zu Beginn folgt sie dem Sohn der Mörderbande in deren Unterschlupf und
zieht an einem Joint - als Regel- und gesellschaftliche Grenzüberschreitung
die Gewaltorgie in Gang bringt, das glaubt sich der (dem postmodernen Augenzwinkern
ansonsten glücklicherweise eher abgeneigte) Film schon selbst nicht mehr
so recht. Was bleibt, sind die Plotpoints. Im dritten Anlauf reduziert das Kino
die mittelalterliche Ballade wieder auf ihr reines Handlungsgerüst, auf
den strukturellen Gehalt sozusagen.
Das Blut fließt in Strömen,
aber gleichzeitig auch in Hochglanz. Immer wieder verrät der Film einen
fürs Genre seltenen Stilwillen. Ein Bad im Swimming Pool zu Beginn löst
sich fast in Lichtreflektionen auf, die atemlose Hetzjagd im Wald, der das erste
gute Drittel des Films gehört, ist schlichtweg technisch meisterliches
Genrekino: düster pulsierende Farben, dynamische Wechselspiele aus Licht
und Schatten, Lärm und Stille, dazwischen Blutspritzer. Freilich ist da
auch noch die Vergewaltigung. Auf die hält die Kamera genauso unbarmherzig
drauf wie 1972. Und trotz der genrehandwerklichen Solidität der gesamten
Unternehmung sind diese Minuten auch im Remake angemessen unerträglich.
Später, wenn sich das blutige Treiben
ins Haus der Collingwoods verlagert, wird der Film doch etwas öde. Iliadis
fällt inszenatorisch nicht mehr allzu viel ein und seine Ambitionen konzentrieren
sich darauf, möglichst viele Haushaltsgeräte zu Mordwerkzeugen umzuwidmen.
Auch dieser Abschnitt ist nicht ohne Reiz, aber die Schweigsamkeit des Films
in jeder außer der offensichtlichen Hinsicht macht sich immer stärker
bemerkbar.
Lukas
Foerster
Dieser Text ist zuerst erschienen
am 13.05.2009 in: www.perlentaucher.de
The
Last House on the Left
USA
2009 - Regie: Dennis Iliadis - Darsteller: Sara Paxton, Garret Dillahunt, Martha
MacIsaac, Tony Goldwyn, Monica Potter, Michael Bowen, Joshua Cox, Riki Lindhome,
Aaron Paul - FSK: keine Jugendfreigabe, nicht feiertagsfrei - Länge: 109
min. - Start: 14.5.2009
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