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This
Charming Girl
Die Bilder verschweigen nicht, dass da
mehr ist als die Gegenwart des charmanten, stillen Mädchens, die sie zeigen.
Dass sie aber dieses Mehr nur flüsternd zeigen, dass sie kaum sprechen
und es doch nicht verschweigen, das nimmt ein für "This Charming Girl",
so lange dieses Flüstern währt. Die Kamera, in bewegter Nähe
zum Gesicht, zum Körper, zum Hinterkopf, zum Gang des Mädchens durch
die Straßen der Stadt, ist unaufdringlich, aber interessiert. Das ist
mehr als eine Geste der Beobachtung, es ist in seiner Konsequenz ein Verhältnis,
das sie eingeht - und das sie dann verrät in dem Moment, in dem sich alles
klärt. Von einer Minute auf die andere verliert der Film seine Ambivalenz,
ganz und gar. Was vorher Neugier war, Zärtlichkeit, was in seiner vorsichtigen
Darstellung eines Alltags, im Postbüro, mit dem Ex-Mann, mit dem Schriftsteller,
der regelmäßig zur Post kommt und das Rendezvous nicht einhält,
zum leisen Porträt sich fügte, all das ist mit einem Schlag, mit einem
Bild vereindeutigt.
Es ist nicht so, dass dieses Ereignis,
an das die Protagonistin sich erinnert, sich erinnern muss, nicht schockierend
wäre, im Gegenteil. Der Riss im Film, der Schlag, sie wären gerechtfertigt.
Als Riss aber, als Schlag tritt die Erinnerung hier nicht ein. Der Film macht
zunächst weiter wie zuvor. Die Ernüchterung liegt im Auge des Betrachters,
der nun, in diesem Moment erst, begreift, dass der Film von Anfang an nur auf
diese Erinnerung hinaus wollte, dass alles, was geschah, sich nun rückblickend
ganz einfach verstehen lässt. Die in Luft aufgelöste Ambivalenz führt
zur manifesten Enttäuschung. Die Kunst der Schwebe, die einen lange fasziniert
hat, erweist sich als Kunstfertigkeit, die auf schlichtem psychologischem Grund
gebaut war. Man hätte sich so sehr gewünscht, es gäbe hier kein
schwer wiegendes Geheimnis. Von dessen Offenbarung aber erholen die Figur, der
Film, der Zuschauer sich nicht mehr.
Zumal das Buch dann mit einer Wendung
in Richtung Thriller fortfährt. Nicht, dass der Regisseur nicht auch hier
ganz famos Töne zu setzen, Atmosphäre zu erzeugen und den Klang der
Natur vibrieren zu lassen verstünde. Nun aber handelt es sich nur noch
um die Umsetzung eines Traumas in Bild und Ton und gerade im Gekonnten dieser
Inszenierung auch um eine Verharmlosung des Schreckens. Kurz stockt einem der
Atem, als zuletzt die perlende Piano-Musik wieder einsetzt. Der falschen, weil
allzu leichten Versöhnung weicht "This Charming Girl" in letzter
Sekunde noch aus, aber nur um Haaresbreite. Ein durch Ambivalenz zunächst
wunderbarer Film nähert sich, weil er nach thematischem Gewicht sucht,
der leichtfertigen Konfektion. Eine vertrackte Sache, aber auch sehr lehrreich.
Ekkehard Knörer
Dieser Text ist zuerst erschienen,
anlässlich der Berlinale 2005, in: www.perlentaucher.de
This
Charming Girl
Südkorea
2004 - Originaltitel: Yeoja, Jeong-hae - Regie: Lee Yoon-ki - Darsteller: Kim
Ji-soo, Hwang Jeong-min, Kim Hye-ok, Lee Dae-yeon, Lee Geum-ju, Kim Mi-seong,
Lee Mi-mi, Kim Jung-gi, Seo Dong-weon, Park Seong-ung - Fassung: O.m.d.U. -
Länge: 99 min. - Start: 16.4.2009
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