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Triff
die Elisabeths!
Ein
Dialog im Polizeirevier, in dem eine Frau ihren erwachsenen Sohn als vermisst
meldet. Der diensthabende Beamte grübelt: „Ein Schwarzer im dunklen Anorak
ist nachts schwerer zu finden als ein Weißer." Die Mutter des Gesuchten
ist nicht auf den Mund gefallen: „Was ist, wenn der Weiße im Schnee liegt?"
Wir befinden uns in den französischen Alpen und in einem Film, der Rassenklischees
seinerseits mit Kalauern und Stereotypen zu begegnen sucht. Allein der Plot
klingt nach einem flauen Witz: Eine arme Familie mit Wurzeln in der Karibik
bricht aus der Banlieue bei Paris in den Skiurlaub auf. Fünf Schwarze im
Schnee - so heben Stammtischzoten an.
Treibende
Kraft des tapferen Unternehmens ist Familienoberhaupt Jean-Gabriel Elisabeth,
ein Luftikus, der seinen Kindern zuliebe einmal etwas richtig machen will. Während
Maman, eine Weiße, schmollend ob der Kindsköpfigkeit ihres Mannes
in der Plattensiedlung bleibt, schlagen sich Jean-Gabriel, die drei Kinder und
Großmutter - Bonne Maman - tatsächlich im Winterparadies durch, mit
zusammengeliehener Ausrüstung und einem Auto, das Jean-Gabriel einem KFZ-Mechaniker-Kumpel
abgeschwatzt hat. Dass dieser liebevoll mit Palmenmotiven lackierte Schlitten
einige Blessuren erleiden muss, ist ebenso voraussehbar wie die mehr oder weniger
unverhohlene Ablehnung, die den Elisabeths am Urlaubsort entgegenschlägt.
Das
beginnt mit einem kühlen Empfang durch die Vermieter des im Voraus gebuchten
Chalets: Vor allem Madame Morgeot hält mit ihren Vorurteilen nicht hinterm
Berg, während Monsieur Morgeot sich als Menschenfreund entpuppt, der schließlich
alles daran setzt, dass Ludo, der jüngste Elisabeth, seinen „ersten Stern"
beim Skirennen gewinnt - „La Première Etoile" lautet der Originaltitel
der Filmkomödie.
Überhaupt
weiß die quirlige Familie die frostigen Herzen der Bergbewohner und coolen
Wintersportler zu erwärmen. Die kleine Manon gewinnt einen Après-Ski-Gesangswettbewerb,
nachdem sie vom Conferencier mit zweifelhaften Komplimenten („Wie süß!
Ganz aus Schokolade! Zum Anbeißen!") anmoderiert wurde. Eine der
wenigen Szenen übrigens, die in ihrer subtilen Peinlichkeit - der stolze
Vater im Publikum lächelt verbissen weiter - fühlbar macht, wie Rassismus
im Alltag wirklich aussehen kann. Ein Problem, mit dem sich natürlich auch
der 15-jährige Yann herumschlagen muss, wird er doch von einer Rotte gleichaltriger
Snowboardfahrer als „Affe" beleidigt. Glück im Unglück: Eine
hübsches Skihaserl aus Paris verguckt sich in Yann und vice versa.
An
Bonne Mamans sprühender Energie kommt ohnehin niemand vorbei, was zugleich
für ihre Darstellerin Firmine Richard gilt, die schon in Francois Ozons
„8
Frauen"
neben Isabelle Huppert, Fanny Ardant und Cathérine Deneuve brillierte.
Richard gelingen neben nachdenklichen Tönen auch die Slapstickmomente,
darunter eine unkonventionelle Fahrt in einem Schlepplift. Zweiter schauspielerischer
Trumpf des Films ist die großartige Anne Consigny als zur Melancholie
neigende Ehefrau Suzy, doch die Versuche von Regisseur und Co-Autor Lucien Jean-Baptiste
(der auch den Jean-Gabriel spielt), die Daheimgebliebene in die Haupthandlung
einzubinden, wirkt eine Spur bemüht.
Ansonsten
schafft „Triff die Elisabeths" den Slalom zwischen Sozialkomödie und
Ferienfilm. Nur: wirklich bissige Kommentare zum Rassismus à la France
bleiben aus. Da gleicht Lucien Jean-Baptistes Regiedebüt einem allseits
bekömmlichen Europudding - zuckrig glitzernd und soft wie Tiefschnee.
Jens
Hinrichsen
Dieser
Text ist zuerst erschienen in: film-Dienst
Triff
die Elisabeths!
Frankreich 2009 - Originaltitel: La première étoile - Regie: Lucien Jean-Baptiste - Darsteller: Lucien Jean-Baptiste, Anne Consigny, Firmine Richard, Jimmy Woha-Woha, Loreyna Colombo, Ludovic François - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 90 min. - Start: 31.12.2009
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