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Die
Tür
Traumziel
Vergangenheit
Kaum
zu glauben, dass es sich bei dem scheinbar unaufwändigen, aber ungemein
effektvollen Thriller "Die Tür" von Anno Saul um eine deutsche
Produktion handelt
Die
Tourismusbranche annonciert unermüdlich sonnige Strände oder bekannte
Stadtansichten als "Traumziele". Doch für viele liegt der Ort,
an dem sie am liebsten wären, dort, wohin sich keine Reise buchen lässt:
in der Vergangenheit. Für David zum Beispiel, den Mads Mikkelsen hier mit
jener Sonderlingsintensität spielt, die ihn auch zum Bond-Bösewicht
qualifiziert hat. Einst war er ein erfolgreicher Künstler mit schöner
Villa, schöner Frau und einer reizenden Tochter. Doch als Letztere im eigenen
Swimmingpool ertrinkt, nimmt sein Leben einen scharfen Abwärtsdrift. Den
Unfalltod der Tochter kann ihm weder die eigene Frau (Jessica Schwarz) noch
er sich selbst verzeihen, obwohl nur er weiß, dass er ihn hätte verhindern
können. Dann aber, als seine gemarterte Seele keinen anderen Ausweg mehr
weiß, als sich das Leben zu nehmen, entdeckt David die "Tür"
- um kurz darauf genau da zu landen, wo er seit dem Unglück immer hinwill,
zu jenem Moment am Swimmingpool.
Bis
dahin gleicht der Film einem etwas überladenen Psychodrama, dem auf unheimliche
Weise eine hintergründige Gewalt eingeschrieben ist. Man ahnt Böses,
weiß aber nicht recht, wo man es verorten soll. Vor allem, da hinter der
"Tür" doch zunächst alles einen guten Ausgang verheißt.
David benimmt sich wie jemand, der stundenlang auf ein Date gewartet hat, und
dann, statt Fragen zu stellen, nur froh ist, dass sein Wunsch doch noch in Erfüllung
ging. Erst langsam beginnt er, sich den logischen und durchaus auch praktischen
Schwierigkeiten zu stellen, die sich aus seiner Situation so ergeben …
Mehr
darf man nicht verraten, mehr sollte man gar nicht wissen wollen. Wie es sich
für einen Thriller gehört, wartet "Die Tür" mit einigen
Überraschungen auf. Doch spannend ist der Film von Anno Saul nicht nur
wegen unverhoffter Wendungen, sondern vor allem aufgrund der emotionalen Achterbahn,
auf die man sich als Zuschauer hier einlassen muss. Glaubt man am Anfang noch
sehr genau zu wissen, was man fühlt und mit wem, sind am Ende solche Gewissheiten
vollkommen zerschlagen. So bringt der Film das Kunststück fertig, auch
die komischen Seiten zu zeigen, die die Zeitreise, wenn man sie konsequent durchdenkt,
so mit sich bringt, um im nächsten Moment wieder ganz in die Tragödie
abzutauchen. Auf irritierende Weise wechseln sich burleske und satirische Momente
mit Horrorfilmszenen ab, wobei sich das Ganze mehr und mehr zu einer kraftvollen
Metapher verdichtet auf das selbstsüchtige Glück und seine Kehrseite,
die Rücksichtslosigkeit, mit der man es durchsetzen will. Man mag kaum
glauben, dass dieser scheinbar unaufwändige, aber ungemein effektvolle
Thriller aus Deutschland stammt.
Barbara
Schweizerhof
Dieser
Text ist zuerst erschienen in der taz
Die
Tür
Deutschland 2009 - Regie: Anno Saul - Darsteller: Mads Mikkelsen, Jessica Schwarz, Thomas Thieme, Valeria Eisenbart, Tim Seyfi, Heike Makatsch, Stephan Kampwirth - Prädikat: wertvoll - FSK: ab 16 - Länge: 103 min. - Start: 26.11.2009
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