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Zufällig
verheiratet
Nicht-Entheiratungs-Komödie
Hochkarätig besetzt - mit Uma Thurman,
Colin Firth, Sam Shepard und Isabella Rossellini - ist die Screwball-Komödie
"Zufällig verheiratet", in der es um eine Ehe geht, die mehr
hält als sie verspricht.
Komödien, das ist trivial, wollen
gut ausgehen. Sie enden darum klassischerweise mit dem Glück, das die Ehe
verspricht. Auf dem Weg zum Eheversprechen lauern, weil die Komödie nicht
von Anfang an - und schon gar gut - ausgehen darf, Hindernisse der Liebe: Missverständnisse,
in den Weg gelegte Dritte und Vierte, Verwechslungen hin, Verwechslungen her,
Gewinn, Verlust und Wiedergewinn von Gewissheit. Zu Screwball-Zeiten hat Hollywood
aus den schlichten Erfordernissen des Wegs der Komödie durchs Rauhe zu
den Sternen so witzige wie anspruchsvolle Versuchsanordnungen gebaut. Sie behandeln
im Rahmen des Komödiengangs ins keineswegs immer eindeutige Glück
die Frage, wie es zwei Menschen, die sich nicht nicht lieben können, miteinander
aushalten und auch wieder nicht. Der Philosoph Stanley Cavell hat diese Komödien,
die er Wiederverheiratungskomödien nennt,
in seiner ins Deutsche skandalöserweise noch immer nicht übersetzten
Studie "Pursuits of Happiness" auf unüberbietbar subtile Weise
untersucht.
Als Variation der Muster in dieser Tradition
versteht sich der von Hauptdarstellerin Uma Thurman mitproduzierte Film "Zufällig
verheiratet" unter Regie des Schauspieler-Regisseurs Griffin Dunne (bekannt
geworden als Protagonist von Martin Scorseses brillanter Komödie "Die
Zeit nach Mitternacht"). Der Film stellt eine Radio-Ehe- und Liebesberaterin
(Uma Thurman als Dr. Emma Lloyd) ins Zentrum und eine aus Rache gefälschte
Ehe an seinen Beginn. Emma Lloyd nämlich trägt mit ihren Tipps die
Schuld am Auseinandergehen der Beziehung des Feuerwehrmanns Patrick Sullivan
(Jeffrey Dean Morgan). Sullivan lebt in Astoria, Queens, in einem sonst vor
allem von Indern bewohnten Haus. Der Junge eines indischen Nachbarn, mit dem
Sullivan wie mit all den anderen Inderinnen und Indern der Nachbarschaft befreundet
ist, erweist sich als begabter Computer-Hacker-Inder, der da, wo sonst nur Priester
und/oder Standesamt ihren Segen geben, als Komplize Sullivans zur Rache im Virtuellen
schreitet und vollendete Ehe-Tatsachen nun ausgerechnet zwischen Sullivan und
Emma Lloyd schafft.
"Zufällig" ist diese Ehe
also doch eher nicht. Komplizierend kommt hinzu, dass Emma Lloyd selbst gerade
unmittelbar davor steht, mit dem Verleger Richard Bratton (Colin Firth) in den
Stand der Ehe zu treten. Beide gehören sie in die allerbeste New Yorker
(um genauer zu sein: Manhattaner) Gesellschaft und was sich mit Emmas Weg nach
Queens abzeichnet und anbahnt - die Liebe des Radiostars zum Feuerwehrmann -,
taugte, wenn sie denn taugte, nicht zuletzt als Komödie über New Yorker
Klassenverhältnisse. In Queens stolpert Emma auf der Suche nach dem ihr
voll und ganz unbekannten Ehemann in dessen
eher proletarische Stammkneipe. Spielt ganz ordentlich Billard. Betrinkt sich.
Stößt sich betrunken den Kopf. Wird von Sullivan nach Hause getragen.
Kehrt am nächsten Tag verwirrten Herzens in ihr richtiges Leben zurück,
das nun irgendwie verkehrt auszusehen beginnt.
Zwischen Queens und Manhattan, zwischen
bester und nicht so guter Gesellschaft geht es in der Folge vorhersehbar hin
und her. Klischees werden nicht ausgelassen, sondern gesucht. Als Emmas Vater
kommt recht überflüssigerweise Sam Shepard ins Spiel. Ebenfalls ins
Spiel kommt Isabella Rossellini als Deutsche (!), deren deutscher Ehemann Karl
Bollenbecker (Keir Dullea) reich und mächtig ist und den Verlag von Emmas
Zukünftigem zu retten verspricht. Es liegen zwischen allen Beteiligten
unentwegt komödientypische Verwechslungen vor. Karl Bollenbecker ist glücklich,
dass er sich mit Patrick Sullivan, den er eben aus Verwechslungskomödiengründen
für Emmas Verlobten hält, über die Bundesliga, Jürgen Klinsmann
(!) und Lukas Podolski (!!) unterhalten kann. (Habe ich das richtig verstanden,
dass Karl Bollenbecker der Eigentümer von Bayern München ist?)
Neben dem Deutschen-Klischee wird auch
das Indien-Klischee ausgespielt. Sullivan packt die ganze Manhattan-Gesellschaft
und verfrachtet sie mitten hinein in ein indisches Fest. "Zufällig
verheiratet" wechselt dabei unversehens das Register und wird zum Bollywood-Film,
Tanz- und Gesangseinlage inklusive. Was auf dem Papier gewiss interessant klang,
in der Ausführung aber so unmotiviert daherkommt, dass es einfach nicht
funktioniert. Leider gilt das auch für mehr oder wenig alle anderen Aspekte
des Films, dessen größtes Problem noch dazu in seiner Hauptdarstellerin
liegt. Uma Thurman, die allzu rasch von der toughen Screwball-Heldin zur aufgelösten
Wirren mutiert, grimassiert zum Erbarmen und tut in wirklich jeder Szene des
Guten zu viel. Dazu passt die musikalische Überinstrumentierung durch Andrea
Guerra. Auf verlorenem Posten stehen all die hochkarätigen Stars in den
Kulissen und verziehen, anders als Uma Thurman, dazu immerhin keine Miene. Es
ist ein Jammer, denn eine vom Zufall zur vollen Absicht sich wendende Komödie
der Nicht-Entheiratung hat in der Screwball-Tradition sehr wohl noch gefehlt.
Ekkehard Knörer
Dieser Text ist zuerst erschienen
am 12.11.2008 in www.perlentaucher.de
Zufällig
verheiratet
Großbritannien
/ USA 2008 - Originaltitel: The Accidental Husband - Regie: Griffin Dunne -
Darsteller: Uma Thurman, Colin Firth, Jeffrey Dean Morgan, Sam Shepard, Isabella
Rossellini, Lindsay Sloane - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge:
90 min. - Start: 13.11.2008
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