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Komm ich rein?

Ein Albtraum. Komm ich rein in den Club? Dress code okay? Styling? Gut drauf? Aber das Alter! Und falsches Gender! Frauen kommen in Teheran nicht ins Stadion. Sonst alles richtig. Fan dress. Nationalfahne. Die Sprüche. Aber: Frauen! Der iranische Fußballfilm "Offside" bringt das wunderschön heraus, gedreht in Echtzeit während des Spiels gegen Bahrein. Qualifiziert sich der Iran für die Teilnahme an der WM in Deutschland? Wir sehen das Spiel nicht. Wir hören es - mit den Ohren der Mädchen, denen das Outfit als Mann nichts genutzt hat. Sie warten auf den Abtransport. Der Clou: die Frauen wollen nicht unser Betroffenenmitleid. Sie sind stärker als die Polizisten, die Männer. Sie verarschen sie. Ich will aufs WC. - Es gibt keins für Frauen. - Ich räum eins für Euch.

Eine Szene, in der über Teherans Männer gelacht wird. Zum Schluß vereint der Siegesrausch Bewachte und Bewacher. Eine Euphorie genderübergreifender Art. Nichts von Vaterlandsliebe und Patriotismus. Eher Frauenlandsliebe und Matriotismus. - Bei uns die WM-Euphorie, sie vereint die Generationen, Manager, Praktikanten und Sozialhilfeempfänger. Das System der diversen Zugangscodes zu Clubs, VIP-Lounges, Bauwagenplätzen und Presseempfängen ist außer Kraft gesetzt. Freude schöner Götterfunken, dieser Kuß der ganzen Welt! Gemein nur, daß die Rechtsmedien diese Euphorie instrumentalisieren und uns einreden, wir wären nun alle Patrioten und Nationalisten. Wir sind Deutschland?! Na klar doch. Papst auch. Und was sonst noch? Ej, in Teheran riefen die Mädchen: "Wir sind Mann", wenns dem Einlaß dient.

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And now something completely different. Naja, um Zugangscodes der anderen Art geht es immerhin. Wie stellen Gehörlose, denen der beste Apparat nichts nützt, es an, Musik zu hören? In Berlin in den Prater zu gehen und die legendären Punk-Avantgarde-Performance-Gruppe Die tödliche Doris zu hören? "Stümmel mir die Sprache", inzwischen ein Vierteljahrhundert alt? - Kein Problem! Im Prater, der Nebenbühne der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz übertragen zwei geniale Gebärdendolmetscherinnen die Vinyl-LP von 1981. Das war 1998. Gehörlose und Hörende saßen gemeinsam im Parkett und teilten die Euphorie, dokumentiert in der DVD "Wolfgang Müller, Gehörlose Musik in gebärdensprachlicher Gestaltung", erschienen Mai 2006 bei www.Kroethenhayn.com mit Booklet und liebevollem Drumherum. Wir sind Gehörlose!

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Und drittens und letztens die berechtigte Frage: Wie verschafft man sich als Underdog Zugang zu den Schönen und Reichen? Ein böser Tipp von Christopher Nolan ("Memento") im neo-film-noir "Following", soeben als DVD erschienen bei www.atmedien.de. Was zu tun ist, sagt der Titel. Leute spotten, jemandem folgen, man braucht weiter nichts zu tun, laß es einfach geschehen. Ein glückloser Autor, dem es noch nicht einmal zu einem PC reicht, wird auf diese Weise zur fetten Beute in einem makellos düsteren Intrigenspiel. Immer einen Hammer dabei haben! Irgendwie ist es völlig in Ordnung, eine alte Dame damit auf den Kopf zu schlagen, bis sie tot ist. Deshalb bei diesem Film aufgepaßt! Ein gefährlicher Sog! Auf Strudel achten! Die ziehen runter und kommen ganz woanders hoch! "Following" verwehrt letztendlich unserem jungen Underdog den Zugang zur Welt, wo 20 Millionen im Tresor liegen, und man hat den Code. Gemein das. Er muß leider draußen bleiben. Dafür aber öffnet sich uns ein neuer Zugang, - der nicht der seine ist. Denn wir, Zuschauer, sind jetzt drin in einem äußerst präzisen Spiel von Folgen und Gefolgtwerden, mit Fouls, Karten, Ecken, Abseits und schließlich doch das Tor, leider vom Gegner. Wir sind nicht qualifiziert, auch ging es nicht um Fußball, sondern um das Aufstiegsspiel, um bei der upper class was zu werden oder der Mafia, egal, bloß raus hier. Für den Zugang zu dieser grandiosen DVD brauchts keinen Code.

 

Dietrich Kuhlbrodt

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in der Juli-Ausgabe 2006 vom: Schnitt

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